Problem auf Großer Höhe Delmenhorster Hundehalter ignorieren Brut- und Setzzeit

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Appelliert an Hundehalter, ihre Tiere auf der Großen Höhe anzuleinen: Jagdpächterin Heike Kroll. Foto: Frederik GrabbeAppelliert an Hundehalter, ihre Tiere auf der Großen Höhe anzuleinen: Jagdpächterin Heike Kroll. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Auf der Großen Höhe müssen Hunde ganzjährig angeleint werden. Das gilt umso mehr während der Brut- und Setzzeit seit 1. April. Doch viele Hundebesitzer ignorieren dieses Gebot. Jagdpächterin Heike Kroll wirbt für mehr Verständnis für den Wald und seine Tiere – und stellt zur Not Anzeige.

Heike Kroll ist eine Frau der leisen, der zurückhaltenden Worte. Und doch ist sie in den vergangenen Jahren immer öfter gezwungen, rauere Töne anzuschlagen, zu ermahnen – und sogar Anzeigen zu stellen. Kroll ist Jagdpächterin auf der der Großen Höhe. Und als solche hat sie es oft mit Gassi-Gehern zu tun, die ihre Hunde nicht angeleint durch den Wald laufen lassen. Auf der Großen Höhe ist das wie auch im Bereich der Truppenübungsplätze zu jeder Jahreszeit verboten. Umso stärker sollte das eigentlich für die Brut- und Setzzeit gelten. Sie stellt zwischen 1. April und 15. Juli frei lebende Tiere unter besonderen Schutz.

Drei Ricken mit Bisswunden gefunden

Kroll hingegen muss oft feststellen, dass der Leinenzwang auf der Großen Höhe selbst in dieser Periode häufig ignoriert wird. „Als Jagdpächterin bin ich für die Hege der Wildtiere zuständig. Das heißt auch, sie vor frei laufenden Hunden zu schützen.“ Denn dass der zuhause liebe Vierbeiner draußen durchaus seinen Jagdinstinkt hat, weiß niemand besser als Kroll. „Im vergangenen Jahr habe ich drei verwundete Ricken im Wald gefunden und musste sie aufgrund ihrer schweren Verletzungen töten. Später habe ich festgestellt, dass sie Bisswunden von Hunden hatten.“ Auch trächtige Ricken würden von Hunden zu Tode gehetzt.

Auch Vögel und Eidechsen durch Hunde gefährdet

Doch nicht nur das Rehwild sei gefährdet: „Einige Vögel brüten in Bodennähe am Wegesrand. Der Zaunkönig, die Goldammer oder der Zilpzalp etwa“, sagt die Jägerin. Auch diese könnten mit ihrem Nachwuchs von Hunden aufgeschreckt werden. Und selbst die Eier von Zauneidechsen, die auf der Großen Höhe sandigen Flächen von der Sonne ausgebrütet werden, werden von spielenden Vierbeinern zerstört. Oftmals gehe es auch nicht um diese derart drastischen Schäden, sondern einfach um den Stress, den die Tiere des Waldes durch freilaufende Hunde ausgesetzt seien, sagt die 55-Jährige.

„Einzelfälle nicht weiter schlimm – aber es geht um die Masse an Hunden“

Drei bis viermal in der Woche ist Kroll auf der Großen Höhe. „Und jedes Mal sehe ich einen Hundehalter mit einem nicht angeleinten Hund. Einzelfälle sind an sich auch nicht weiter schlimm. Aber auf der Großen Höhe, die von vielen Menschen aus dem Umland als Erholungsgebiet genutzt wird, geht es einfach um die Masse an freilaufenden Hunden.“ Denn viele Wildtiere – gerade die Einzelgänger unter ihnen – bräuchten ihre Ruhezonen. Angesichts schwindender Flächen durch den Wohnungsbau, Straßenbau und die Landwirtschaft – und vermehrt eben freilaufender Hunde – ist das ein nicht einfach zu erfüllendes Bedürfnis.

Verständnis und Aggression

Appelliert an Hundehalter, ihre Tiere auf der Großen Höhe anzuleinen: Jagdpächterin Heike Kroll. Foto: Frederik Grabbe

Die Reaktionen der Hundehalter, die Kroll wegen ihrer nicht angeleinten Hunde anspricht, pendeln zwischen Verständnis und Aggression. „Einige Hundehalter zeigen sich ja einsichtig und haben ihre Tiere perfekt im Griff. Aber viele sehen einfach ausschließlich ihren Hund und nichts anderes“, beschreibt Kroll. Besonders ärgert sie sich über Unbelehrbare, die sich gar nichts sagen lassen. „Die verstehen nicht, was sie mit ihrer Rücksichtslosigkeit anrichten.“ Ändern die Hundebesitzer ihr Verhalten selbst nach mehrfacher Ansprache nicht, stellt Kroll Anzeige. Anders gehe es einfach nicht. Im schlimmsten Fall stellen streunende oder wildernde Hunde nach dem Niedersächsischen Gesetz über den Wald (NWaldLG) eine Ordnungswidrigkeit dar, diese kann mit einer Geldbuße von 5000 Euro geahndet werden. Diesen Fall hatte Kroll selbst noch nicht – möchte ihn am liebsten sogar vermeiden. „Der Wald ist für alle ein Ort der Erholung. Darum sollten auch alle die Regeln für den Umgang mit dem Wald achten.“


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