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04.04.2018, 07:15 Uhr KOLUMNE

Quergedacht: Die Kunst des Zählens

Von Marco Julius

Pierre Brice alias Winnetou, die bekannteste Rothaut dies- und jenseits der ewigen Jagdgründe. zählte nachts keine Schäfchen, sondern seine Affären.Foto: Horst Ossinger/dpaPierre Brice alias Winnetou, die bekannteste Rothaut dies- und jenseits der ewigen Jagdgründe. zählte nachts keine Schäfchen, sondern seine Affären.Foto: Horst Ossinger/dpa

Delmenhorst. Was Schafe, Hasen, Winnetou und die Stadt Wien zusammenführt, verrät die neue Folge „Quergedacht“.

Wien – wer denkt da nicht an Feldhasen und Wildkaninchen? Gut, zunächst denkt unser einer natürlich an den Stephansdom, den Prater, an Heurigen, an altbackene Damen bei mächtiger Torte (oder umgekehrt), an den Schmäh, an Todessehnsucht und Pferdeäpfel auf der Straße. Aber Wien ist eben auch eine Stadt der Hasen. Über Ostern waren alle Wiener von der Universität für Veterinärmedizin aufgerufen, die Verbreitung der Rammler im Stadtgebiet zu dokumentieren. Citizen Science – Bürgerwissenschaft – ist das Stichwort.

Guter Tipp von Pierre Brice

Nun ist die Kunst des Zählens immer hilfreich, etwa wenn man wissen will, ob man noch alle fünf Sinne beisammen hat oder wenn man nachts vor Kummer nicht in den Schlaf findet. Pierre Brice, die bekannteste Rothaut dies- und jenseits der ewigen Jagdgründe, hatte da einen passenden Tipp parat: „Es gibt Menschen, die zählen Schafe, um einzuschlafen. Ich zähle meine Äffären.“ Von Hasen berichtete der Mescalero-Apache allerdings nicht. Dabei stehen diese in dem Ruf, ein ausgeprägtes Sexualleben zu haben. Gedichte schreiben sie sich jedenfalls nicht. Nicht mal im poetischen Wien.

Was der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre zählt, wenn er mal nicht in den Schlaf findet, ist nicht bekannt. Er hat aber mal gesagt, dass jede Art von Dialekt provinziell wirke, „bloß das Wienerische nicht. Das klingt gleich nach Sex und Adel“. Und außerdem hat er mit seinem neuesten Werk den vermutlich besten Buchtitel des Jahres bereits veröffentlicht. Es heißt: „Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen“. Wie wahr.