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24-Jähriger aus Wesermarsch verurteilt Vier Jahre und sechs Monate Haft nach Kindesmissbrauch

Von Ole Rosenbohm

Zum Prozessauftakt am 8. März verbarg der 24 -Jährige sein Gesicht. Foto: Ole RosenbohmZum Prozessauftakt am 8. März verbarg der 24 -Jährige sein Gesicht. Foto: Ole Rosenbohm

Oldenburg. Die vierte Große Strafkammer des Landgerichts Oldenburg hat am Donnerstagvormittag einen 24-jährigen Kinderschänder aus Brake (Wesermarsch) zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Der Prozess kannte nur Verlierer: den Verurteilten, vor allem aber eine traumatisierte Opfer-Familie und natürlich das kleine Mädchen, dessen psychische Folgen nach mehrmaligem schwerem sexuellen Missbrauch kaum absehbar erscheinen. Am Donnerstagvormittag sprach das Landgericht Oldenburg sein Urteil: vier Jahre und sechs Monate Haft gegen den 24-jährigen Mann aus Brake, verurteilt wegen dreifachem schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes sowie vierfacher Verbreitung kinderpornografischem Materials. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten sechs Jahre gefordert.

Fahndung nach Täter erregte Aufsehen

Der Fall hatte Aufsehen erregt, als kanadische Ermittlungsbehörden im Oktober dem Bundeskriminalamt mitteilten, im Darknet, einem schwer zugänglichen Teil des Internets, über zehn in Deutschland aufgenommene Sequenzen mit kinderpornografischem Filmmaterial gefunden zu haben. Um den im familiären Umfeld vermuteten Täter zu ermitteln, veröffentlichte die Polizei ein Bild des Opfers, ein damals dreijähriges Mädchen. Dessen Familie erkannte das Kind, ging zur Polizei.

Der Täter war schnell gefasst, und wie die Ermittler vermutet hatten, gehörte er zum engsten Kreis, lebte mit Mutter und Tochter zusammen.

Eine scheinbar harmonische Beziehung, die das Bild eines ganz normalen Familienlebens vermittelte, hieß es in der Urteilsbegründung des ansonsten nichtöffentlichen Prozesses. Mutter und Täter waren zudem selbst schon gemeinsam Eltern geworden. Und die Dreijährige hätte den Angeklagten längst als Freund betrachtet.

Filme vom Missbrauch im Darknet veröffentlicht

Laut Gericht wurden die Filme an insgesamt vier Tagen aufgenommen. In einem soll der Angeklagte das Mädchen beim Spielen gefilmt haben, den Fokus auf ihr Geschlechtsteil gerichtet. In anderen Aufnahmen habe er ihre Scheide berührt oder seinen Penis an ihr gerieben. Ohne Zwang zwar, auch zur Penetration sei es nicht gekommen. Aber wer weiß, wie es weiter gegangen wäre, sagte Nebenkläger-Vertreterin Jutta Leng-Frenz: „Wir können dankbar sein, dass die kanadischen und deutschen Ermittler so gut gearbeitet haben.“

Pädophile Neigungen hatte der Angeklagte schon früh bei sich entdeckt, direkt offenbart hatte er sich allerdings niemandem. Anders im Darknet: Per Chat überredet ihn einer, Filme zu machen, sie ihm zu schicken.

Dieser noch auf seinen Prozess wartende Mann soll dann die Sequenzen weiterveröffentlicht haben.

Albtraum für die gesamte Familie

Noch heute können die Mutter und der leibliche Vater das Geschehene kaum fassen. Richterin Judith Blohm sprach von einem Albtraum für die gesamte Familie. Allgegenwärtig die Unsicherheit, ob und wie das Kind das Geschehene auch zukünftig verkraften wird. Eine „grausame und quälende Lebensphase“, sagte Blohm.

Wie die Staatsanwaltschaft hatte auch die Nebenklage sechs Jahre Haft gefordert, das Gericht zog allerdings die Gesamtstrafe straff zusammen.

Das Opfer musste nicht aussagen

Es würdigte so auch das Verhalten des Angeklagten, der – nach ersten Vertuschungsaktionen mit dem Versenken seiner Festplatte im Weserschlick – geständig war, den Behörden keine Fragen offenließ und sich im Prozess direkt bei den Eltern entschuldigte. Das Opfer musste nicht aussagen. In der Haft will sich der Verurteilte therapieren lassen, will danach ein straffreies Leben führen, sagte sein Anwalt Torsten Rückoldt. Bis dahin wird er es schwer haben: Aus Angst vor den Reaktionen vermeidet er Kontakt zu seinen Mithäftlingen, mache keinen Freigang mit. Noch lebt er in einer Einzelzelle. Rückoldt hofft für seinen Mandanten, dass das so bleibt.