Mordprozess Schuldfähigkeit des Todespflegers Niels Högel wird neu begutachtet

Von Frederik Grabbe

Die Schuldfähigkeit des Krankenhausmörders Niels Högel soll neu begutachtet werden. Foto: Ingo WagnerDie Schuldfähigkeit des Krankenhausmörders Niels Högel soll neu begutachtet werden. Foto: Ingo Wagner

Delmenhorst. Die Schuldfähigkeit des Krankenhausmörders Niels Högel soll neu begutachtet werden. Zudem wird sich die Eröffnung des Verfahrens gegen ehemalige Kollegen Högels am früheren Delmenhorster Klinikum verschieben. Das teilt die Sprecherin des Landgerichts Oldenburg, Melanie Bitter, mit.

In der Frage der Schuldfähigkeit soll ein Sachverständiger die Steuerungsfähigkeit Högels vor dem Hintergrund neuerer Erkenntnisse beleuchten. Die Ermittlungen hätten ein noch umfassenderes und aktuelleres Bild des Angeklagten, seines Verhaltens und seiner Person als in den vorangegangenen Verfahren zu Tage gebracht, schreibt Bitter.

Abweichende Aussagen und Erinnerungslücken

Weiterhin will die Kammer ein aussagepsychologisches Sachverständigengutachten zur Glaubhaftigkeit der Angaben des Angeklagten einholen. Das begründet das Gericht damit, dass die Auskünfte des Angeklagten Högel in der Vergangenheit gegenüber Ermittlern, Sachverständigen oder vor Gericht „teilweise erheblich“ voneinander abweichen. Zudem habe Högel zum Ausdruck gebracht, „dass er sich bestimmte Erinnerungslücken nicht erklären könne“.

Dieses neuerliche Gutachten habe nicht nur Auswirkungen auf den Prozess gegen den Angeklagten, sondern auch auf das Verfahren gegen die Mitarbeiter des früheren Delmenhorster Klinikums.

Högel will gegen Ex-Kollegen nicht aussagen

Im Prozess gegen die Klinikbeschäftigten hat Högel unterdessen laut Gericht über seine Verteidigerinnen erklärt, von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch zu machen. Die Vernehmung Högels hierzu würde zurzeit „in einer Hauptverhandlung zurzeit zu keinem Erkenntnisgewinn führen“, teilt Bitter mit. Das Gericht weist aber darauf hin, dass dieses Auskunftsverweigerungsrecht erlischt, wenn gegen Högel selbst ein rechtskräftiges Urteil ergangen ist.

Prozess gegen Klinikmitarbeiter wird später eröffnet

Aus diesem Grund sieht sich das Landgericht daran gehindert, unverzüglich Verhandlungstermine in den Verfahren gegen die früheren Kollegen Högels anzuberaumen. Stattdessen soll ein rechtskräftiges Urteil gegen ihn abgewartet werden, „um eine umfassende Wahrheitsermittlung zu gewährleisten“, schreibt Bitter.

Opfer-Vertreter begrüßen das Vorgehen des Gerichts

Das Vorgehen der Kammer trifft bei Christian Marbach, Sprecher von mehreren Angehörigen von Opfern Högels, auf Zustimmung. „Mit dieser Prozessfolge kann Högel als Zeuge aussagen, ohne sich selbst zu belasten. Er wird zu einem Rundumschlag gegen seine alten Kollegen ausholen“, zeigte sich Marbach überzeugt.