Kampf mit harten Bandagen Prozess gegen mutmaßliche Einbrecher aus Delmenhorst

Von Ole Rosenbohm

Im Prozess vor dem Oldenburger Landgericht um eine Einbruchsserie gegen fünf Männer aus Delmenhorst hat die Verteidigung erneut die Ermittlungsmethoden der Polizei und Staatsanwalt angegriffen Foto: Daniel Maurer/dpaIm Prozess vor dem Oldenburger Landgericht um eine Einbruchsserie gegen fünf Männer aus Delmenhorst hat die Verteidigung erneut die Ermittlungsmethoden der Polizei und Staatsanwalt angegriffen Foto: Daniel Maurer/dpa

Oldenburg/Delmenhorst. Im Prozess vor dem Oldenburger Landgericht um eine Einbruchsserie gegen fünf Männer aus Delmenhorst hat die Verteidigung erneut die Ermittlungsmethoden der Polizei und Staatsanwalt angegriffen: Die Verwendung von Videomaterial einer Tankstelle sei ebenso unrechtmäßig erfolgt wie die Verwanzung des Fahrzeugs eines der Angeklagten mit einem GPS-Sender sowie die Telefonüberwachung.

Den 25- bis 39-Jährigen werden in unterschiedlicher Besetzung Bandendiebstahl in 24 Fällen vorgeworfen: 23 Einbrüche in Privathäuser, einen in ein Automatencasino. In zwei Fällen setzten die Täter die dann monatelang unbewohnbaren Häuser auch noch unter Wasser, in zwei weiteren verteilten sie ätzende Chemikalien im Haus. Der höchste Sachschaden lag bei wohl über 100000 Euro, der Gesamtschaden könnte sich um die 400000 Euro bewegen.

Zur Sache geäußert haben sich die Angeklagten an den bisher sieben Prozesstagen noch nicht, für den 11. April haben ihre Anwälte allerdings Erklärungen angekündigt. Angesichts der Beweislast – etwa durch bei den Angeklagten gefundenes Diebesgut – dürfen Geständnisse erwartet werden, wenn auch nicht unbedingt für alle Taten. Spannend, wer was zugeben wird, wer sich also für die hohen Sachschäden verantwortlich zeigt. Gerade diese Taten hatten bei manchen Einbruchsopfern für Tränen im Gerichtssaal gesorgt.

Anwälte kämpfen

Die Anwälte machen natürlich trotz der Schicksale ihren Job und kämpfen um die beste Verhandlungsposition. Schon eine Durchsuchung eines Autos der Angeklagten hatten sie als unrechtmäßig kritisiert, der Verwendung der dadurch erlangten Beweismittel widersprochen.

Der den Hauptangeklagten neu vertretende Sebastian Wendt aus Oldenburg setzte am Dienstag noch einen drauf: Das Videomaterial einer Tankstelle mit Bildern der Angeklagten dürfe nicht als Beweismittel verwendet werden, beantragte er. Der Pächter dürfe zwar grundsätzlich filmen, aber nur um Straftaten gegen ihn oder seinen Besitz zu verhindern. Dass aber wie in diesem Fall die Polizei an den Pächter herantritt, um Bilder zu erhalten, sei unzulässig, das Vorgehen verstoße gegen das Recht am eigenen Bild. Folgt man Wendt, sind einige Indizien auf eine Art und Weise beschafft worden, die nicht auf gesetzlichen Grundlagen basieren, weswegen auch Telefon- und Fahrzeugüberwachung nicht hätte genehmigt werden dürfen. Die Staatsanwaltschaft will darauf schriftlich erwidern.

26 Verhandlungstage angesetzt

Insgesamt sind bis in den Juni hinein 26 Verhandlungstage angesetzt.

Viel Platz für weitere Vorstöße: Ein Anwalt kündigte schon an, mindestens diesen anberaumten Zeitraum verhandeln zu wollen.