Reparaturcafé Delmenhorst Kaffee zwischen Schraubenzieher und Bügeleisen

Von Marie Busse


Delmenhorst. Das Reparaturcafé der AG 60plus gibt es schon über drei Jahre. Jeden dritten Samstag im Monat heißt es Messen, Schrauben, Ausprobieren und natürlich Kaffee trinken. Ein Besuch.

Ein Radio, ein Bügeleisen, ein Tonbandgerät und eine Kaffeemaschine: Die „Werkbank“ im Reparaturcafé der AG 60plus ist am Freitagnachmittag gut gefüllt. In der Luft liegt der Duft von Filterkaffee, selbst gebackene Kekse stehen auf dem Tisch. Überall klappert und klimpert es. Ein Bügeleisen wird auseinandergenommen. Ein Radio surrt, weil es keinen Sender mehr findet. „Ich bin einfach neugierig, wie es in den Geräten aussieht“, sagt Klaus Böttcher. Der gelernte Maschinenbauingenieur hilft als Reparateur regelmäßig im Café aus. An diesem Freitag macht ihm ein Radio zu schaffen. Er erklärt: „Ich habe es komplett auseinandergebaut, weil nur noch ein Sender ging. Jetzt suche ich nach dem Fehler.“

Liebe zu Haushaltsgegenständen

„Zu uns kommen viele Menschen, die an ihren Alltagsgegenständen hängen“, weiß Dittmar Knoche. Er ist Vorsitzender der der AG 60plus, die das Reparaturcafé organisiert. Er betont: „Wir haben nicht erwartet, dass es so gut angenommen wird. Hin und wieder gibt es richtige Warteschlangen.“ Viele kommen mit Liebhaberstücken wie einer Schreibmaschine oder einem Tonbandgerät oder mit ganz praktischen Dingen wie einem Bügeleisen. „Wenn man das jahrelang benutzt hat, ist man daran gewöhnt. Dann will man es behalten“, sagt Knoche.

Gemeinsames Fachsimpeln

Mit der Reparatur eines Bügeleisens kämpft an diesem Nachmittag auch Klaus-Jürgen Gunther. Das Problem: Das Bügeleisen wird heiß, aber es dampft nicht mehr. Der 75-Jährige vermutet: „Der Fehler liegt beim Wassertank.“ Sein Kollege Herr Fischer ist anderer Meinung: „Ich glaube, der Schalter ist das Problem. Wir müssen das Bügeleisen mit vollem Wassertank anschalten.“ Wo das Eisen aufheizt, ist die zentrale Frage. Eigentlich ist Fischer Experte für alles, was leuchtet. Der Rentner ist gelernter Elektrogerätemechaniker.

Das Ehepaar Spille aus Delmenhorst ist begeistert über das kostenlose Angebot: „Wir wollen einfach probieren, ob es wieder geht. Wir haben zur Not noch ein Ersatzeisen.“ Der Ehrgeiz bei den beiden Reparateuren ist jedoch ungebrochen. „Darum bin ich auch hier. Wir können hier Fachsimpeln und Tipps austauschen“, sagt Fischer. Günther nimmt das Bügeleisen kurzerhand mit nach Hause: „Da kann ich es mir ganz in Ruhe ansehen.“

Unterschiedliche Besucher

Neben Liebhabern seien unter den Besuchern oft Menschen, die sich kein neues Gerät leisten können, erklärt Knoche. „Wir sind aber keine Konkurrenz zum Gewerbe. Bei vielen Geräten lohnt sich die Reparatur wegen des Alters nicht“, betont er.

Bei dem Radio von Klaus Böttcher heißt es Zusammenschrauben. „Zwischendurch lief es und jetzt geht gar nichts mehr. Ich nehm es mit nach Hause, da hab ich auch Ersatzteile“, sagt er. Die Tüftler haben aber auch Erfolge am Nachmittag vorzuweisen: Eine reparierte Kaffeemaschine, ein Nachtlicht und ein Tonbandgerät nehmen die Besitzer heil wieder mit. „Manchmal geben wir auch Bedienungstipps. Es war auch schon eine Dame hier, die den Knopf der Brotschneidemaschine nicht gefunden hat“, bemerkt Fischer lachend.


Das Reparaturcafé findet jeden dritten Freitag im Monat in der AWO-Begegnungsstätte Hannelore-Händel-Haus der Cramer Straße 193 von 15 bis 17 Uhr statt. Der nächste Termin ist am 20. April.