Projekt des Amtsgerichts Delmenhorst Schulschwänzern soll Jugendarrest erspart bleiben

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Delmenhorst. Mit einem neuen Ansatz möchte das Amtsgericht Delmenhorst in Zukunft die Fälle, in denen hartnäckige Schulverweigerung Arbeitsauflagen und im schlimmsten Fall gar Jugendarrest nach sich ziehen, möglichst vermeiden.

Das hat Amtsgerichtsdirektor Dr. Detlev Lauhöfer bei der Vorstellung des Geschäftsberichts 2017 am Dienstag angekündigt. Das Projekt soll im Mai anlaufen.

Damit überträgt Lauhöfer Erfahrungen aus seiner vorherigen Wirkungsstätte Wildeshausen, wo er bis Herbst 2017 als Amtsgerichtsdirektor amtierte, auf den Amtsgerichtsbezirk Delmenhorst. „Wir haben in Delmenhorst viele Verfahren, in denen wir gegen Schulverweigerer Arrest verhängen, ohne dass der pädagogische Aspekt behandelt wird“, sagte Lauhöfer.

Instrumente des Familiengerichts sollen genutzt werden

Das soll sich künftig ändern, indem das Familiengericht zwischengeschaltet wird, wenn jugendliche Dauerschulschwänzer ab 14 Jahren ein gegen sie verhängtes Bußgeld nicht bezahlen und von der Stadt Delmenhorst oder der Gemeinde Ganderkesee das Amtsgericht bemüht wird.

Bisher kommt auf die Schulverweigerer in solchen Fällen eine Auflage von 25 Stunden gemeinnütziger Arbeit, im nächsten Schritt dann ein bis zu einwöchiger Arrest in der Jugendarrestanstalt Verden zu. In Zukunft soll der „Schlenker über das Familiengericht“, so Lauhöfer, ermöglichen, der meist auf psychosozialen Ursachen beruhenden Schulverweigerung mit dem geeigneten Instrumentarium des Sorgerechts zu begegnen.


Im Jahr 2017 sind beim Amtsgericht Delmenhorst mit 1158 Zivilprozesssachen deutlich weniger als im Vorjahr (1392) eingegangen, ein Rückgang um 16,8 Prozent. „Das entspricht dem Bundestrend“, sagte Amtsgerichtsdirektor Dr. Detlev Lauhöfer am Dienstag bei der Vorstellung des Geschäftsberichts 2017. In dem Zeitraum sind mit 1257 erledigten Fällen mehr Zivilsachen abgearbeitet worden, als hereinkamen. Die durchschnittliche Verfahrensdauer bei Zivilsachen sank signifikant von zehn auf 6,3 Monate, bei streitigen Verfahren gar von 13,7 auf 6,4 Monate. Die Zahl der Straf- und Bußgeldverfahren ist 2017 von 788 auf 842 gestiegen (plus 6,9 Prozent). Die Zahl der zumeist den Verkehr betreffenden Bußgeldsachen schnellte um 27 Prozent auf 494 hoch. Bei den Zwangsversteigerungen gab es im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang von 44 auf 42.

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