Rund 280 zusätzliche Schüler G9 verursacht Platzproblem in Delmenhorster Gymnasien

Von Frederik Grabbe

Allein das Willms-Gymnasium bekommt zum Schuljahr 2020/2021 156 neue Schüler hinzu. Foto: Frederik GrabbeAllein das Willms-Gymnasium bekommt zum Schuljahr 2020/2021 156 neue Schüler hinzu. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Der 1. August 2020 wird schulpolitisch ein spannender Tag: Zum Schuljahr 2020/21 ist die Umstellung zum Abitur nach 13 Jahren vollzogen – was arge Platzprobleme für die Gymnasien birgt. Die Stadt sucht derweil nach Lösungen.

Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren stellt die Stadt Delmenhorst und seine beiden Gymnasien vor große Herausforderungen. Die Abkehr von G8 und die erneute Hinwendung zu G9 hat für die Schulen einen enormen Raumbedarf zur Folge. Und dieser sollte bis zum Stichtag 1. August 2020 gedeckt sein: Zum Schuljahr 2020/21 sind dann keine Schüler nach G8 mehr auf den Schulen, erstmals läuft das System G9 in Niedersachsen sozusagen wieder unter Volllast. Praktisch heißt das: Die Gymnasien an der Willms- und an der Max-Planck-Straße erhalten jeweils einen neuen Jahrgang. Und für diese müssen Räume her.

Rund 280 zusätzliche Schüler müssen an den Gymnasien versorgt werden

In Zahlen heißt das Folgendes: Laut dem Ersten Stadtrat Markus Pragal erhält das Max-Planck-Gymnasium einen zusätzlichen fünfzügigen Jahrgang mit 130 Schülerinnen und Schülern; am Willms-Gymnasium ist es ein zusätzlicher sechszügiger Jahrgang, der mit 156 Schülern dazukommt. Das sind die Bedarfe, die bei der Stadt seitens der Schulen angemeldet worden sind. Um diese Schüler nun zu unterrichten, stellt sich ein Raumbedarf „an mindestens elf Klassenräumen und gegebenenfalls zusätzlichen Fachräumen“, teilt Pragal mit.

(Weiterlesen: Rückkehr zu G9: Das ändert sich)

Raumbestand jetzt schon knapp bemessen

Doch diese grobe Maßgabe wird wohl kaum ausreichen. Denn was die Sache zusätzlich erschwert, ist, dass die Raumbestände schon jetzt knapp bemessen sind. So sagt Stefan Nolting, Schulleiter des Willms-Gymnasiums und Sprecher der Schulleiterkonferenz: „Seit zwei Jahren gilt der freie Elternwille in Niedersachsen. Das ist ein struktureller Eingriff, der wirkt.“ Allein am Willms seien in den vergangenen vier Jahren 170 Schüler hinzugekommen. Einen zusätzlichen Raum habe es nicht gegeben. Vor diesen Hintergründen braucht allein das Willms laut Nolting zum 1. August 2020 „15 bis 17 Klassen- und Funktionsräume zusätzlich“.

(Weiterlesen: Gymnasiallehrer füllen Lücken an Delmenhorster Grundschulen)

Maxe braucht „Anbau oder Aufstockung“

Ähnlich ist die Lage am Maxe. Nach Angaben von Schulleiterin Cordula Fitsch-Saucke fehlen bereits am Hauptstandort an der Max-Planck-Straße Räume, an der Außenstelle an der Berliner Straße sei die Raumsituation ausgeschöpft. Ein zusätzlicher Bedarf durch G9 könne „nur durch eine zusätzliche Rauminvestition – durch eine Aufstockung oder einen Anbau – “ gedeckt werden. Eine konkrete Raumzahl nennt die Schulleiterin nicht.

Stadt verweist auf Schulentwicklungsplanung

Und wie die Stadt dieses Platzproblem lösen will, darauf lässt sich der Erste Stadtrat Pragal noch keine eindeutige Antwort entlocken. Man arbeite derzeit an einer Schulentwicklungsplanung für die Stadt, teilt er auf Nachfrage mit. Diese solle Aspekte wie den demografischen Wandel, den Elternwillen, pädagogische Konzepte – und nicht zuletzt die Finanzierbarkeit berücksichtigen. Bis Herbst, sagt Pragal, soll das Papier vorliegen. In diesem Bezug weist Fitsch-Saucke auf den Arbeitskreis Schulentwicklung bei der Stadt hin, in dem Schulleiter „Perspektiven hinsichtlich von Schulstandorten und Rauminvestitionen“ erörtern. Sie zeigt sich zuversichtlich, das die Stadt als Schulträger zeitnah das Raumproblem lösen werde. Auch Nolting bescheinigt Pragal und dem für Schulen verantwortlichen Fachbereichsleiter Hero Mennebäck eine „gute Kommunikation“.

Klar ist, dass das Wachstum der Gymnasien bei anderen Schulen Besorgnis erregt: Beim Realschulstandort Lilienstraße fürchtet man offenbar, das Gebäude einem der Gymnasien überlassen zu müssen, wie in der jüngsten Schulausschusssitzung deutlich wurde.