Turnier in Delmenhorst Gehirnjogging mit 52 Karten

Von Bettina Dogs-Prößler

Bridge hält fit, zumindest geistig. Schließlich werden mathematische Fähigkeiten und strategisches Denken abverlangt. Foto: Bettina DogsBridge hält fit, zumindest geistig. Schließlich werden mathematische Fähigkeiten und strategisches Denken abverlangt. Foto: Bettina Dogs

Delmenhorst. 96 Männer und Frauen sind am Sonntag beim Delmenhorster Bridge-Turnier an den Start gegangen. Mit dabei war ein mehrfacher Deutscher Meister.

Mittags um eins ist klar: Für einen oberen Platz reicht es nicht mehr. „Muss es aber auch gar nicht, mit diesem Ehrgeiz bin ich gar nicht angetreten“, sagt Astrid Kutz. Zu diesem Zeitpunkt hat die Delmenhorsterin bereits zwölf Spiele hinter sich – Geist und Körper verlangen nach einer Mittagspause. Denn ganz egal wie weit Astrid Kutz an diesem Sonntag kommen mag – zu Ende ist der Tag noch lange nicht.

96 Spieler sind angetreten

Nur im entfernten Sinn geht es im abgetrennten Saal des Hotel Thomsen um Sport. Beim 19. Paarturnier des Sportbridge-Clubs Delmenhorst ist es eher der Geist, der ins Schwitzen kommt. 96 Spieler, der Großteil davon im besseren Alter, buhlen um die siegreichste Strategie und die meisten Stiche. Angetreten wird paarweise, jedes Team muss sich durch 45 Spiele arbeiten. Wer am Ende gewinnt, wird in einem nicht ganz unkomplizierten Bewertungssystem berechnet.

„Ich genieße beim Bridge die Atmosphäre“

Obwohl Astrid Kutz erst rund ein Viertel der Spiele hinter sich hat, geht sie nach dem Mittagessen zwar gestärkt, aber gelassen in die nächste Runde. „Ich genieße beim Bridge die Atmosphäre, unbedingt gewinnen muss ich gar nicht.“ So sehen es nicht alle Spieler. Unter den Teilnehmern sind auch Bundesligaspieler bis hin zum mehrfachen Deutschen Meister Dr. Andreas Kirmse. Bei ihnen spielt der sportliche Ehrgeiz durchaus eine Rolle.

Hochkarätige Spieler

Unterteilt ist das Turnier in drei Spielklassen; neben Anfängern und Fortgeschrittenen gibt es die sogenannte Meisterklasse. „Deshalb sind viele auch sehr gerne hier in Delmenhorst“, erklärt Sportwartin Astrid Kutz, „weil so viele hochkarätige Spieler mit dabei sind.“ Und die erwartet auf den vorderen Plätzen nicht nur Ruhm und Anerkennung – sie erhalten auch ein Preisgeld, das die Startgebühr locker wieder ausgleicht.

Manch einer nimmt 400 Kilometer Fahrt auf sich

„Viele reizt, gegen solche Hochkaräter anzutreten“, weiß Astrid Kutz. Immerhin können sie sich mit Spielern der ersten, zweiten und dritten Bundesliga messen. Dafür nimmt manch‘ Starter bis zu 400 Kilometer Fahrt in Kauf – an einem Tag. Nur ein Drittel der Turnierteilnehmer kommt aus Delmenhorst, viele reisen aus Städten wie Hamburg, Münster, Bielefeld an.

Training für das Gehirn

Denn Bridge hält auch fit, zumindest geistig. „Man muss die Gedanken die ganze Zeit beisammen haben“, schildert Susanne Holstein, stellvertretende Vorsitzende des Delmenhorster Bridge-Clubs. Gefragt sind mathematische Fähigkeiten und strategisches Denken. „Mit mehr Möglichkeiten als beim Schach“, so Holstein. Das Blatt hat 52 Karten, die beim Turnierbridge in sogenannten Boards ausgegeben werden. „Und das bietet immer andere Möglichkeiten“, so Kutz.

Am Ende siegen dann aber doch die, die den mentalen Marathon gewohnt sind. In der Meisterklasse geht der Pokal an den Favoriten des Turniers, Dr. Andreas Kirmse. Bei Astrid Kutz reicht es immerhin für Platz 22.