Inklusives Projekt in Delmenhorst Wenn Käpt‘n Blaubär ans Büfett ruft

Von Bettina Dogs-Prößler

Die Inspiration für das inklusive Projekt „Gourmetica Insularis“ an der Kerschensteiner Schule lieferte Käpt‘n Blaubär von Walter Moers. Foto: Bettina Dogs-PrößlerDie Inspiration für das inklusive Projekt „Gourmetica Insularis“ an der Kerschensteiner Schule lieferte Käpt‘n Blaubär von Walter Moers. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Bei Gemeinschaftsarbeit lernen Berufsfachschüler und Teilnehmer der Delme-Werkstätten nicht mit-, sondern voneinander. Die Inspiration lieferte Käpt‘n Blaubär von Walter Moers.

Es riecht an diesem Morgen auf den Fluren der Kerschensteiner Schule. Nach Essen. Oder konkreter: nach blauem Blumenkohl und sahniger Gurkentorte; nach knusprigen Blätterteigfüßen und cremigem Hackfleischkuchen. Dieser Morgen ist anders als die Tage sonst an der Kerschensteiner Schule. Denn an diesem Morgen schwebt über allem die „Gourmetica Insularis“ oder auch eine „kulinarische Insel“ des ganz besonderen Genusses.

Dabei ist es gar nicht so sehr das Essen, um das es an diesem Morgen in der Aula der Kerschensteiner Schule geht. Vielmehr geht es um den großen Abschluss eines Projektes, das 13 Schüler der Berufsfachschule Hauswirtschaft und Pflege, Schwerpunkt Persönliche Assistenz, und 17 Schüler des Berufsbildungsbereichs der Delme-Werkstätten in den vergangenen Wochen zu einem großen Ganzen vereint hat. Und bei dem auf beiden Seiten Schüler über sich hinausgewachsen sind.

Auf der Feinschmeckerinsel

Vorlage der Gemeinschaftsarbeit unter dem Titel „Gourmetica Insularis“ oder „Mein Leben auf der Feinschmeckerinsel“ war eine Geschichte aus dem Roman „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Moers, der seinen blauen Romanhelden auf eine Insel schickt, die einem Schlaraffenland gleicht, aber eigentlich gar keine Insel ist, sondern eine fleischfressende Wasser-Verschlingpflanze. Und Hintergrund des Projekts war eigentlich auch gar nicht das Essen, sondern die Gestaltung eben dieser Insel als Installation von Schülern der Berufsfachschule Hauswirtschaft und Pflege mit Schwerpunkt Assistenz gemeinsam mit Schülern der Delme-Werkstätten. Das Angebot der Werkstätten richtet sich an Menschen mit Behinderung.

„Am Anfang wollte ich überhaupt gar nicht mitmachen, aber jetzt finde ich es einfach nur noch toll“, resümierte Hadi Kolo, Schüler der Delme-Werkstätten, bei der offiziellen Abschlussveranstaltung am vergangenen Freitag in der Aula der Kerschensteiner Schule. Und auch Jannick Zimmermann von der Berufsfachschule, der später Heilerziehungspfleger werden will, sagte begeistert: „Es war wirklich toll, wie wir gemeinsam Ideen entwickelt und umgesetzt haben.“ Und dass er selbst dabei Dinge gelernt hat, auf die er von alleine nie gekommen wäre.

Unterstützung und Hilfe

Und so ist auch für Schulleiter Ulrich Droste nicht nur das Ergebnis das Wichtige, „sondern dass man voneinander lernen kann“. Denn: Für die Kerschensteiner ging es bei der künstlerischen Umsetzung der „Gourmetica Insularis“ auch darum, die Teilnehmer der Delme-Werkstätten nur dort zu unterstützen, wo sie tatsächlich Hilfe benötigten. Gabriele Kohlwey, Lehrerin für Fachpraxis Pflege: „Ihnen wird viel zu oft etwas aus der Hand genommen, anstatt sie selbst machen zu lassen.“ Ausreichend Zeit, etwas selbst zu machen, hatten die Teilnehmer der Delme-Werkstätten dann auch am Nachmittag: Zum Vorbereiten eines kunstvollen Büfetts, an dem bestimmt auch Käpt‘n Blaubär seinen Geschmack gefunden hätte.