Ohnsorg-Theater in Delmenhorst Plattdeutsche Integrationskomödie kommt an

Von Marie Busse

Das Ohnsorg-Theater Hamburg begeisterte mit „Plattdüütsch fü Anfängers“ im Kleinen Haus. Foto: Melanie HohmannDas Ohnsorg-Theater Hamburg begeisterte mit „Plattdüütsch fü Anfängers“ im Kleinen Haus. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Flüchtlingsbetreuung der anderen Art. In „Plattdüütsch för Anfängers“ setzt man bei der Integration auf ausgefallene Methoden. Das Hamburger Ohnsorg-Theater war mit der Integrationskomödie –frei nach dem Dieter-Hallervorden-Film „Ostfriesisch für Anfänger“ im Delmenhorster Kleinen Haus zu Gast und begeisterte rund 500 Zuschauer.

Flüchtlinge gegen Alteingesessene, Hochdeutsch gegen Plattdeutsch und Stadt gegen Land. „Plattdüütsch för Anfängers“ greift das hochaktuelle Thema Migration auf.

Uwe Hinrichs (Frank Grupe) ist der letzte „echte Plattdeutsche“ in Niederhörn. Er lebt zurückgezogen und weil seine Rente nicht reicht, arbeitet er als Franchise-Nehmer in der Dorftankstelle. Dass eine Gruppe Flüchtlinge ausgerechnet in seinem zwangsversteigerten Haus einquartiert wird, bringt das Fass zum Überlaufen. Kurzerhand lädt er dort Gülle ab, um die Neuankömmlinge zu vertreiben. „Du kannst doch nich wildfrömde Lüüd mit Gülle angriepen. Dat sind Schutzbedürftige“, ereifert sich Pastorin Peters (Beate Kiupel). Sie veranstaltet auf dem Gebetsteppich des geflüchteten Syrers ein Willkommensfrühstück und überzeugt in der Rolle der christlichen Kümmerin.

Plattdeutschunterricht für Flüchtlinge

Doch weil es sich um ein vom Bund finanziertes Flüchtlingsprojekt handelt, darf das Model Niederhörn nicht scheitern. Projektleiterin Vera Lautenschläger (Meike Meiners) findet in dem aalglatten Bürgermeister Dietmar Holthagen (Stefan Leonard) einen Verbündeten. Als Wiedergutmachung für den Gülle-Eklat, muss Hinrichs den Deutschkurs übernehmen. Aus puren Trotz bringt er den Neuankömmlingen unbemerkt, Plattdeutsch statt Hochdeutsch bei. Muschelarten, die größte Sturmfluten und Seemannsknoten gehören zum Unterricht. Der syrische Familienvater Abdullelah (Orhan Müstak) sorgt für großes Gelächter, als er einen Palstek knotet und das op Platt kommentiert. Dass der Plattdeutsch-Unterricht nicht ohne Folgen bleibt, zeigt sich auf dem Willkommensfest. Spannungen entladen sich in einer wüsten Schlägerei. Versöhnliche Töne schlägt aber wieder der gemeinsame Friesenrap an.

Publikum zeigt sich begeistert

Voller ironischer Anspielungen auf Vorurteile und Fremdenhass inszeniert Regisseur Murat Yeginer die Begegnungen zwischen den verschiedenen Kulturen witzig und ironisch überzeichnet. Trotz des etwas zu konstruiert wirkenden Endes, zeigt sich das Publikum begeistert und bedankt sich mit reichlich Szenen- und langen Schlussapplaus.