Drogenberatung Delmenhorst Immer mehr Jugendliche sind internetsüchtig

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Delmenhorst. Die Anonyme Drogenberatung Delmenhorst hat ihren Jahresbericht vorgelegt. Alkohol bleibt das Suchtproblem Nummer eins, aber auch exzessiver Medienkonsum gewinnt an Bedeutung. Ein Betroffener berichtet.

„Es ist leichter, mit Magenschmerzen zum Arzt zu gehen, als sich einzugestehen, dass man süchtig ist. Dabei ist eine Suchterkrankung gut behandelbar“, sagt Evelyn Popp, Leiterin der Anonymen Drogenberatung Delmenhorst (drob). Die Einrichtung bietet neben einem vielfältigen Präventionsangebot, Beratungen und Therapien im Kampf gegen die Sucht. Der aktuelle Jahresbericht zeigt, dass viele dieser Projekte erfolgreich sind.

Alkohol ist das größte Suchtproblem

Im Jahr 2017 kamen 1305 Betroffene zu drob. Dazu zählen Abhängige und Angehörige. Im Vorjahr waren es 1261 Klienten. „Wir sind froh, dass wir in diesem Jahr noch mehr Menschen erreichen und helfen konnten“, erläutert Popp. Alkohol bildet bei den Süchten, wie im Vorjahr den größten Bereich. 305 Abhängige nahmen die Hilfe der Beratungsstelle in Anspruch. An zweiter Stelle folgt der Cannabis-Konsum. „Die Zahl der Cannabis-Abhängigen steigt. Im vergangenen Jahr kamen 203 Betroffene zu uns“, sagt sie. Die drittgrößte Gruppe stellen Menschen, die Opiate konsumieren. „Dazu zählen Heroin, aber auch Ersatzstoffe wie Methadon“, erklärt Popp. Die Beratungsstelle betreute 172 Betroffene. An vierter Stelle steht die Glücksspielsucht. 79 Menschen holten sich Hilfe bei drop.

Mediensucht nimmt zu

In Zeiten des digitalen Wandels spielt die Mediensucht eine immer größere Rolle in der Beratungsstelle. „Wir haben im vergangenen Jahr 23 Klienten beraten. Wir glauben, dass diese Zahl künftig zunehmen wird“, sagt die Leiterin. Ein Betroffener erzählt von seinem Weg in die Sucht: „Ich hatte mit elf meinen ersten Computer, in der siebten Klasse habe ich bis zu neun Stunden vor dem PC gesessen und meine sozialen Kontakte total vernachlässigt. Das normale Leben fand gar nicht mehr statt“, erzählt der heute 21-Jährige. Nach einem Klinikaufenthalt wird er ambulant von drop betreut. Er betont: „Hier kann ich über alles sprechen. Besonders wenn es schwierig ist.“

Kaum Unterschied zwischen Männer und Frauen

Die Schwierigkeit bei der Mediensucht sei, dass man ihr kaum entkommen kann. „Bei der Alkoholsucht kann ich abstinent leben, das geht in Zeiten digitaler Medien nicht. Die Gesellschaft übt Druck auf die Betroffenen aus“, erklärt Popp. Es sei daher wichtig, die Betroffenen ihren eigenen Konsum überwachen. Die Beratungsstelle legt viel Wer auf Prävention und arbeitet eng mit Delmenhorster Schulen zusammen. Bemerkenswert sei, dass es nur einen geringfügigen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt. „Männer konsumieren eher Computerspiele und Frauen sind eher in sozialen Netzwerken unterwegs“, sagt Popp.

Der Jahresbericht belegt auch den Erfolg der Beratungsstelle. Bei 68,4 Prozent der Betroffenen hat sich die „Problematik gebessert“. Diese Zahlen belegen für sie, dass Sucht erfolgreich bekämpft werden kann.


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