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Ministerpräsident besucht JHD Land bekennt sich zu Krankenhaus-Standort Delmenhorst

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Ministerpräsident Stephan Weil (Mitte) hat am Freitag das JHD be- und das Gespräch mit der Belegschaft gesucht. Unser Bild zeigt ihn mit (v.li.) Oberbürgermeister Axel Jahnz, JHD-Geschäfstführer Florian Friedel, Betriebsratsmitglied Olaf Mehlis und dem SPD-Landtagsabgeordneten Deniz Kurku. Foto: Melanie HohmannMinisterpräsident Stephan Weil (Mitte) hat am Freitag das JHD be- und das Gespräch mit der Belegschaft gesucht. Unser Bild zeigt ihn mit (v.li.) Oberbürgermeister Axel Jahnz, JHD-Geschäfstführer Florian Friedel, Betriebsratsmitglied Olaf Mehlis und dem SPD-Landtagsabgeordneten Deniz Kurku. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Ministerpräsident Stephan Weil hat am Freitagnachmittag bei einem Besuch im JHD ein klares Bekenntnis zum Krankenhaus-Standort Delmenhorst abgegeben.

Als klares Bekenntnis des Landes zum Krankenhaus-Standort Delmenhorst hat Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsens, am Freitagnachmittag seinen Besuch im Josef-Hospital Delmenhorst bezeichnet. Weil war auf Vermittlung des JHD-Betriebsrates in Delmenhorst. „Das ist eine klare Ansage“, betonte Weil, der ausdrücklich die Rekommunalisierung des Krankenhauses lobte. Das Land werde die Stadt weiterhin unterstützen. „Die Insolvenz des Hauses bietet die Chance auf einen Neuanfang in kaufmännischer Hinsicht. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass es jetzt in die richtige Richtung geht“, führte der Ministerpräsident vor Teilen der Belegschaft aus.

Verständnis für Belegschaft

Der 59-jährige Weil zeigte Verständnis dafür, dass die JHD-Belegschaft nach den 130 Kündigungen in der vergangenen Woche noch immer „traurig und geschockt“ ist. „Ich mag mir im Einzelnen gar nicht ausmalen, was in den Betroffenen vorgeht.“ Weil verwies mit Blick auf das in Schieflage geratene Krankenhaus auf die „fürchterliche Mordserie von Niels Högel“, auf die „schwierige Situation, zwei Träger zusammenzuführen“, auf das Problem, dass „zwei Belegschaften zueinanderfinden mussten“, auf die „Unsicherheit in der Insolvenz“.

Olaf Mehlis, Mitglied im Betriebsrat, machte neben äußeren Einflüssen auch schweres Management- und Gremienversagen verantwortlich für die Insolvenz. Er warb bei Weil darum, den Förderbescheid über 70 Millionen Euro, der bislang für den Krankenhaus-Standort Mitte besteht, auf den Standort an der Wildeshauser Straße zu übertragen. „Herr Weil, wir brauchen Sie noch ein Weilchen.“

Friedel sieht Aufbruchsignal

JHD-Geschäftsführer Florian Friedel ordnete den Besuch des Ministerpräsidenten auch als Aufbruchsignal ein. „Es liegen jetzt schwierige sechs Monate hinter uns.“ Die Kündigungen seien ein schwerer Einschnitt gewesen. „Wir haben Versäumnisse der Vergangenheit aufgearbeitet, jetzt müssen wir die Blickrichtung wechseln und nach vorn schauen.“ Die Standortfrage sei jetzt durch geänderte Rahmenbedingungen neu zu bewerten. Weil selbst vermied eine klare Positionierung in der Standortfrage, machte aber zwischen den Zeilen deutlich, dass die Förderung nicht mehr zwingend vom Standort abhängt.

200 vertraute Gesichter fehlen

Von Verlust – sogar von Tod – hat Betriebsratsmitglied Olaf Mehlis gestern angesichts der 130 Entlassungen gesprochen. Nimmt man die rund 70 Kollegen dazu, die bereits zuvor freiwillig das JHD verlassen hatten, fehlen nun etwa 200 vertraute Gesichter aus dem Kollegium. Sein Betriebsratskollege Gert Prahm hatte den Tag der Kündigungen nicht ohne Grund als „Schwarzen Freitag“ bezeichnet. „Jede Kündigung geht auch mir bis ins Mark“, sagte Oberbürgermeister Axel Jahnz gestern während des Besuchs von Ministerpräsident Stephan Weil. Als nun die offiziellen Reden vorbei waren und die Belegschaft Gelegenheit bekam, sich mit Fragen an Weil zu Wort zu melden, hatte man mit einigem gerechnet. Doch die erste Frage zielte darauf ab, welchen Bundesligaklub der gebürtige Hamburger Weil, der seit Jahrzehnten in Hannover lebt, eigentlich unterstützt. Die Frage ist für den Sozialdemokraten Weil leicht zu beantworten. „Einmal Roter, immer Roter. In der Politik und im Fußball.“

Die Frage soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die JHD-Belegschaft – die gekündigten Mitarbeiter und die, die im Hause bleiben – noch immer tief getroffen ist von den Einschnitten, die zur Sanierung des Hauses beitragen sollen.

Jahnz wie „ein Löwe“

Die Aufbruchstimmung, die von allen Redner betont wurde, muss sich noch entwickeln. Weil verteilte bei seinem Besuch viel Lob – an die Belegschaft, die einiges auszuhalten habe, an die Stadt Delmenhorst für die von ihr vorangetriebene Rekommunalisierung des JHD und an seinen Parteifreund Oberbürgermeister Axel Jahnz. Der habe wie ein Löwe für das Krankenhaus gekämpft. „Ich habe Respekt vor dieser Leistung“, betonte Weil.

Lob gab es aber auch für Weil und die Landesregierung. „Wir bekommen vom Land alle Unterstützung, die wir uns wünschen können“, betonte etwa JHD-Geschäftsführer Florian Friedel. Besonders das klare Bekenntnis zum Krankenhaus-Standort Delmenhorst freute Friedel. Ein Standort, der zuletzt durchaus auf der Kippe gestanden habe, wie Mehlis es formulierte.

Weil will wiederkommen. „Das ist nicht mein letzter Besuch“, sagte er. Jetzt müsse schnell eine Planungsgrundlage her für das Delmenhorster Krankenhaus. Spätestens dann, wenn zu sehen sei, wie die 70 Millionen Euro Fördergeld verbaut wurden, werde er zurück sein, kündigte Weil an. Dass bis dahin auch landes- und bundesweit in der Gesundheitspolitik einiges geändert werden müsste, gab Mehlis seinem Verdi-Kollegen Weil mit auf den Weg. Krankenhäuser dürften, das betonte Mehlis, nicht einfach dem freien Markt überlassen werden.


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