Nach Poggenburg-Äußerungen Delmenhorster AfD-Chef im politischen Kreuzfeuer

Von Kai Hasse

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Lothar Mandalka, Chef der AfD-Fraktion im Stadtrat Delmenhorst. Archivfoto: Eyke SwarovskyLothar Mandalka, Chef der AfD-Fraktion im Stadtrat Delmenhorst. Archivfoto: Eyke Swarovsky

Delmenhorst. Eine klare Stellungnahme des örtlichen AfD-Chefs Lothar Mandalka zu hetzerischen Äußerungen hoher AfD-Politiker Deutschlands forderten Politiker nun im Stadtrat Delmenhorst. Mandalka hielt sich zurück.

Aggressiv in die Zange genommen haben Vertreter des Delmenhorster Stadtrates in der vergangenen Sitzung am Mittwochabend (14. März) den Fraktionschef Lothar Mandalka. Ex-Pirat Andreas Neugebauer forderte angesichts vergangener Äußerungen bundespolitischer AfD-Vertreter den örtlichen AfD-Mann auf, diese zu kommentieren. Mandalka unterließ das – mit dem Verweis auf interne Kritik innerhalb der Partei.

Beispiele der AfD-Zitate

Neugebauers Beispiele: AfD-Bundesfraktionsvorsitzender Alexander Gauland meinte, man könne die Bundes-Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz „in Anatolien entsorgen“; Der Thüringische AfD-Landesfraktionschef Björn Höcke nannte das Holocaust-Mahnmal ein „Denkmal der Schande“, und jüngst nannte der Sachsen-Anhaltische AfD-Politiker André Poggenburg Türken beim politischen Aschermittwoch „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“, die sich „weit hinter den Bosporus [scheren sollen,] zu ihren Lehmhütten und Vielweibern“. Neugebauer: „Ich frage mich, Herr Mandalka, wie stehen Sie als örtlicher Vertreter zu diesen Zitaten?“

„Landesverbänden keine Vorschriften machen“

Mandalka: „Ich glaube nicht, dass es mir zusteht, anderen Landesverbänden Vorschriften zu machen. Und auch Sie sollten mitbekommen haben, dass es sich um eine Aschermittwoch-Veranstaltung gehandelt hat und Satire war.“ In der Runde des Rates habe eine solche Diskussion nichts verloren – das brachte Ratsmitglieder zum Lachen. Oberbürgermeister Axel Jahnz fasste nach: Auch er, mit seinem SPD-Parteibuch, kritisiere offen Missstände seiner Partei. Und: „Ob es hierher passt, darum geht es nicht. Es passt immer, sich von solchen Äußerungen zu distanzieren!“ Murat Kalmis (FDP), der eine türkische Herkunft hat, kommentierte lediglich: „Ich konnte mir aussuchen, ob ich Deutscher werde oder nicht. Und ich habe ausgesucht.“ Uwe Dähne (UAD) forderte Mandalka weiter auf: „Lothar, Du warst ja mal Schüler bei mir. Bitte sei den Jugendlichen ein Vorbild.“ Die AfD sage immer, sie sei demokratisch, und als solcher müsse man seine Meinung sagen – und sagen, dass die genannten Äußerungen „Mist“ seien. „Das wäre doch mal ein mutiger Zug von Dir.“

Anerkennung für Lüders

AfD-Ratsherr Holger Lüders, ehemaliger Chef der Orts-AfD, meldete sich. Er sei ebenfalls nicht der Meinung, man müsse Poggenburgs Äußerung in Delmenhorst kommentieren. Aber dennoch: „Es war etwas grenzwertig, auch für den Aschermittwoch. Die Wortwahl fand ich nicht so ganz glücklich. Ich für meinen Teil stehe nicht dahinter.“ Er erntete immerhin Anerkennung.

Mandalka schließlich blieb dabei, sich nicht konkret äußern zu wollen. Zwar hätte er nicht gesagt, was Poggenburg oder Höcke gesagt hatten. Dennoch stehe es ihm nicht zu, das öffentlich zu kritisieren, sondern nur innerhalb der Partei.


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