Sport als Ausgleich für Belastungen Delmenhorster Feuerwehrleute halten sich für Einsatz fit

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Delmenhorst. Körperliche Extremleistungen gehören für die Delmenhorster Feuerwehrleute zum Job. Leistbar sind sie nur durch eine hohe körperliche Fitness, für welche die Brandschützer regelmäßig Hanteln heben oder joggen.

Mit 20 Kilo am Körper und 15 Kilo in der Hand ist der Marsch in den fünften Stock eine körperliche Extremleistung. Doch wenn unter der vierlagigen Schutzkleidung die Körpertemperatur Fieberwerte erreicht und die Muskeln in den Beinen brennen, fängt die Arbeit für einen Feuerwehrmann erst an. Bei Umgebungstemperaturen fünfmal so hoch wie in einem Backofen werden Türen aufgebrochen, bewusstlose Menschen gerettet und schwere Wasserschläuche bewegt. Wer hier schlappmacht, hat verloren.

„Berufsfeuerwehrleute müssen topfit sein“

Für Feuerwehrleute ist körperliche Fitness keine Sache von persönlicher Vorliebe, sondern berufsausübender Notwendigkeit. „Als Berufsfeuerwehrmann müssen sie topfit sein“, erklärt Brandamtmann Holger Klein-Dietz, bei der Berufsfeuerwehr Delmenhorst für Ausbildung und Einsatzvorbereitung zuständig. Schon die Schutzausrüstung mit Helm, Stiefeln und Einsatzkleidung wiegt fünf Kilo, dazu müssen Atemschutz, Pressluftflasche, Schläuche und Einsatzwerkzeug geschleppt werden. Manchmal mehrmals am Tag, und bei 30 Grad Außentemperatur. „Je mehr sie trainiert sind, desto mehr halten sie das aus“, sagt Klein-Dietz.

Einmal wöchentlich Dienstsport

Und das geht nur durch Sport. Einmal die Woche steht für die Berufsfeuerwehrmänner Dienstsport auf dem Plan. Zirkeltraining, Fußball, Volleyball, Laufen oder Kraftübungen – zwei Stunden lang wird im amtlichen Auftrag geschwitzt, gekeucht, Muskelmasse aufgebaut. In seiner Freizeit geht Klein-Dietz zusätzlich mehrmals die Woche joggen – fünf bis zehn Kilometer, manchmal auch mehr. „So machen das viele Kollegen hier – ansonsten wäre der Job auch nicht möglich.“

Denn für Arbeitsmediziner gilt der Einsatz unter Atemschutz als größte Belastung für Herz und Kreislauf überhaupt. Alle drei Jahre wird die körperliche Verfassung medizinisch überprüft. Bei Feuerwehrleuten über 50 Jahren sogar jährlich. Wer den Test nicht besteht, ist raus und verliert die Einsatztauglichkeit. „Dreh- und Angelpunkt ist das Herz, und das Herz funktioniert umso besser, desto besser es trainiert ist“, so Holger Klein-Dietz.

Fitnessräume stehen auf Wachen zur Verfügung

Weil die physische und mentale Ausdauer für Berufsfeuerwehrleute existenzbedeutend ist, stehen ihnen auf den Wachen voll ausgestattete Fitnessräume zur Verfügung. Laufbahn, Crosstrainer, Rudergerät, Hantelbank – „hier gibt’s alles, was wir zum Eisenbiegen brauchen“, sagt Klein-Dietz. Die Schichten dauern 24 Stunden – in den Ruhephasen nutzen viele Kameraden die Zeit zum Training.

Körper verbrennt unter Atemschutz mehr Kalorien

Doch bei einem hohen Einsatzaufkommen ist nicht nur der Körper gestresst, auch die Ernährung leidet. Regelmäßige Mahlzeiten sind nicht möglich, mitunter fällt Essen ganz hintenüber. „Da wird dann schnell mal was runtergeschlungen, was nicht so gesund ist“, schildert Klein-Dietz. Wenn’s gut läuft, gleicht das ein kochbegeisterter Kollege zur nächsten gemeinsamen Mahlzeit aus, wenn’s schlecht läuft, der Stress beim nächsten Einsatz. „Unter Atemschutz verbrennt der Körper richtig Kalorien, und er verliert locker zwei Liter Flüssigkeit“, so Brandamtmann Klein-Dietz. Als Erstes werden dann wieder die Elektrolytreserven aufgefüllt. Ganz klassisch: mit Apfelschorle.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN