Ein Ganderkeseer berichtet Rückblick auf die Pioniertage der Raumfahrttechnik

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Delmenhorst/Ganderkesee. Die Raumfahrttechnologie nahm auch in Deutschland ab den 60er Jahren eine rasante Entwicklung. Zeitzeuge Rudolf Klimek hat die Anfänge miterlebt.

Die 60er Jahre waren nicht zuletzt für Technikbegeisterte eine besonders aufregende Zeit. Amerikaner und Sowjets lieferten sich ein Wettrennen, das Abermillionen Menschen in seinen Bann zog: Wer würde als erster eine erfolgreiche Mondlandung für sich verbuchen können? Im Schatten des Wettlaufs der Großen im All hat auch die junge Bundesrepublik damals ein Aufblühen des Raumfahrtsektors erlebt.

Blick nur nach vorne gerichtet

Dass während des Zweiten Weltkriegs die V2, die erste Großrakete der Welt, von den Deutschen militärisch eingesetzt wurde und bei ihrer unterirdischen Produktion rund 20.000 Zwangsarbeiter ums Leben kamen, sei in Zeiten des Kalten Krieges völlig in den Hintergrund getreten, erinnert sich Rudolf Klimek. Der Ganderkeseer war in den 60er Jahren einer der jungen Techniker, die am Aufbau des Raumfahrtstandorts Bundesrepublik Deutschland mitwirkten.

Europa-Rakete war das Ziel

Hierzulande ging es natürlich nicht um die „Eroberung“ des Mondes. Gemeinsam mit anderen europäischen Nationen hatte sich die Bundesrepublik zum Ziel gesetzt, eine europäische Rakete zu entwickeln. Was nach vielen Fehlschlägen schließlich zur Erfolgsgeschichte der Ariane-Rakete führte, die 1979 erstmals startete.

Gefährliche Arbeit auf dem Teststand

Rudolf Klimek war von 1962 bis 1965 dabei, als in der Lüneburger Heide Grundlagenforschung betrieben und Raketentriebwerke erprobt wurden. Das geschah auf den Prüfständen der 1936 gegründeten Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) in Trauen. Zeitweise betreute der Ganderkeseer auch den laufenden Aufbau von Raketentriebwerken auf den Prüfständen und die Betankung vor den Tests. „Diese Arbeiten waren teilweise nicht ganz ungefährlich, da bei der Triebwerksdemontage giftige Gase freigesetzt wurden“, berichtet der 77-Jährige aus diesen raumfahrttechnischen Pioniertagen.

Technikerausbildung in Delmenhorst

1967 wechselte Klimek den Arbeitsplatz und ging nach Bremen zur Firma ERNO Raumfahrttechnik. „Ich war mein Leben lang in der Raumfahrt“, sagt er und blickt dabei auf zahlreiche spannende Erlebnisse zurück, inklusive Raketenstarts in Cape Canaveral und in Französisch-Guayana. Eine wichtige Zwischenstation war dabei Delmenhorst: Hier verließ Klimek 1967 die Technikerschule an der Kerschensteiner Berufsschule (BBS II) als staatlich geprüfter Maschinenbautechniker. Auch andere Schüler habe es damals von dieser Lehrstätte in die aufstrebende Raumfahrtindustrie gezogen, erinnert er sich. In Delmenhorst hatte Klimek schon 1956 eine Ausbildung als Maschinenschlosser bei der Firma Christoffers begonnen.

Vom Erfolg der Amerikaner nicht überrascht

Für den jungen Techniker war der Wettlauf zum Mond zwischen Ost und West naturgemäß eine aufregende Angelegenheit. Dass nach den anfänglichen Erfolgen der Sowjetunion am Ende die amerikanische NASA als erste auf dem Mond landete, überraschte den Fachmann nicht: „Ich wusste, dass die Russen es nicht schaffen würden, weil die Amerikaner in der elektronischen Entwicklung weit voraus waren.“


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