Kündigungen in Delmenhorst „Schwarzer Freitag“ für Mitarbeiter im JHD

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JHD-Geschäftsführer Florian Friedel (links) und JHD-Betriebsrat Gert Prahm haben über den aktuellen Stand berichtet. Foto: Thomas BreuerJHD-Geschäftsführer Florian Friedel (links) und JHD-Betriebsrat Gert Prahm haben über den aktuellen Stand berichtet. Foto: Thomas Breuer

Delmenhorst. 130 Kündigungen werden am Freitag im Josef-Hospital Delmenhorst ausgesprochen. Mit den Einsparungen soll das insolvente Haus wieder auf Kurs gebracht werden.

Die quälende Phase der Ungewissheit ist für die Mitarbeiter des JHD jetzt vorbei. Und für nicht wenige endet sie mit einem tiefen Einschnitt: 130 Kündigungen werden an diesem Freitag ausgesprochen – und das, obwohl bereits rund 70 Kollegen freiwillig gegangen sind. 120 Vollzeitstellen sind gestrichen. Bereits am Donnerstag ist ein Großteil der betroffenen Mitarbeiter telefonisch zu persönlichen Gesprächen eingeladen worden, die jeweils am Freitag, 9. März, stattfinden. Gert Prahm, Betriebsratsvorsitzender des JHD, spricht von einem „Black Friday“, einem schwarzen Freitag. „Die Kündigungen sind die Kröte, die jetzt zu schlucken ist, um die Zukunft des Hauses zu sichern“, sagt er.

Wiedereinstellungsrecht eingeräumt

JHD-Geschäftsführer Florian Friedel spricht von „guten und vernünftigen Regelungen“, von der bestmöglichen Lösung, die gemeinsam mit dem Betriebsrat gefunden worden sei. „Das persönliche Gespräch als Angebot ist uns wichtig, es ist eine Frage der Wertschätzung.“ Die Kündigungen seien eine große Belastung für die Mitarbeiter. Auf Betreiben des Betriebsrats gibt es eine Klausel, die den „Mitarbeitern, die jetzt über die Klinge springen müssen, ein Wiedereinstellungsrecht einräumt“, für den Fall, dass das JHD bald in ruhigere Fahrwasser kommt und durch einen Zuwachs an Patienten auch ein Zuwachs an Personal nötig wird, sagt Prahm.

Mit den Kündigungen, die nach dem Insolvenzrecht ausgesprochen werden, geht im überwiegenden Teil auch die Freistellung der betroffenen Mitarbeiter und eine Abfindung einher. Bis zum 30. Juni bekommen die Mitarbeiter ihr volles Gehalt, das aus der Insolvenzmasse bezahlt wird. 830 bis 850 Mitarbeiter verbleiben im Krankenhaus.

Psychologische Betreuung möglich

Unter den Mitarbeitern des JHD, die jetzt gehen müssen, sind auch Kollegen, die bereits länger als 15 Jahre im Haus sind. „Es werden welche dabei sein, die von der Nachricht überrascht werden und geschockt reagieren“, sagt Friedel. Der Betriebsrat will versuchen, die „Kollegen aufzufangen“. „Wir wissen nicht, wie die einzelnen Kollegen reagieren“, sagt Prahm. Stinkefinger und Blank ziehen seien ebenso denkbare Reaktionen wie Schockmomente und Trauer. „Wir vom Betriebsrat gehen auf Wunsch mit ins Gespräch und sorgen auch dafür, dass die Kollegen gut nach Haus kommen. Bei Bedarf ist psychologische Betreuung möglich, ein Seelsorger ist auch vor Ort.“

Die Kündigungen gehen quer durchs Haus, lediglich die Ärzte sind nicht betroffen. Im Gegenteil: Ärzte werden derzeit gesucht. „Es haben uns mehr Ärzte verlassen, als wir wollten“, sagt Friedel. Es gingen aber bereits Bewerbungen ein.

Friedel sieht positive Entwicklung

Das JHD sei insgesamt nicht im freien Fall, habe im Januar und Februar sogar eine positive geschäftliche Leistungsentwicklung hingelegt, es gehe spürbar aufwärts, sagt Friedel. Das tröstet an diesem „schwarzen Freitag“ aber sicherlich nicht jeden im JHD.


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