Wortschlacht in Delmenhorst Schauspiel mit ernüchterndem Fazit über „Multikulti“

Von Jasmin Johannsen

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Noch ist alles friedlich (v.li.): Jory (Jillian Anthony), Isaac (Markus Angenvorth), Amir (Patrick Khatami) und Emily (Natalie O’Hara) treffen aufeinander. Foto: Jasmin JohannsenNoch ist alles friedlich (v.li.): Jory (Jillian Anthony), Isaac (Markus Angenvorth), Amir (Patrick Khatami) und Emily (Natalie O’Hara) treffen aufeinander. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Mit „Geächtet“ des US-Amerikaners Ayad Akhtar wurde am Dienstagabend im Kleinen Haus ein pulitzerpreisgekröntes Schauspiel gezeigt. Der Kulturkampf ließ allerdings viele entscheidende Fragen offen.

Ein Moslem, eine Christin, ein Jude und eine Afroamerikanerin treffen bei einer Dinner-Party aufeinander… So beginnen nicht nur schlechte Witze, sondern auch das weltweit gefeierte Schauspiel „Geächtet“ des US-Amerikaners Ayad Akhtar. Vor rund 260 Zuschauern wurde der emotionale Kampf der Kulturen am Dienstagabend im Kleinen Haus aufgeführt.

Identitätskonflikt eskaliert

Zur Handlung: Der aufstrebende New Yorker Junganwalt Amir (Überdreht: Patrick Khatami) kommt trotz zahllosen Versuchen von seinen pakistanischen (und damit muslimischen) Wurzeln nicht los. Seine Frau Emily (Natalie O’Hara), islamaffine Christin, kann die Bemühungen nicht nachvollziehen. Er solle doch stolz auf seine Religion und Herkunft sein. Auch der Neffe (Mark Harvey Mühlemann) beschwört den widerstrebenden Amir, sich auf die familiären Werte zu besinnen. Der Identitätskonflikt eskaliert vollends, als sich das jüdisch-afroamerikanische Ehepaar Isaac (Markus Angenvorth) und Jory (Jillian Anthony) zum Abendessen ankündigen. Erst sind es nur einige zynische Sprüche über Ethnizität, Religion und Politik, doch nach kurzer Zeit entwickelt sich eine erbitterte Wortschlacht, die sogar in körperlichen Angriffen endet.

Haarsträubende Klischees

Die konstruierte Konstellation der Figuren ermöglicht es Akhtar, die zunehmende Islamfeindlichkeit zu ergründen. Dazu wendet er einen Kunstgriff an: Amir selbst agiert islamophob und wirft mit den haarsträubendsten Klischees um sich. „Alle Muslime sind der Meinung, dass weiße Frauen keine Selbstachtung haben“, ist nur eines von vielen. Irgendwann verfällt er allerdings in scheinbar anerzogene Verhaltensmuster. Er schlägt seine Frau und verkündet, dass er bei den Anschlägen vom 11. September „einen Hauch Genugtuung“ empfunden habe. Schuld daran ist natürlich die Religion.

Verhaltener Applaus

Dass die Erklärung für solche Reaktionen so einfach aber nicht ist, schneidet das pulitzerpreisgekrönte Schauspiel nur selten an. Stattdessen regnet es Vorurteile. Am Ende steht Amir isoliert, ohne Job und Ehefrau da. Das desillusionierende Fazit: Ein Frieden zwischen den Kulturen ist Utopie. Das Publikum spendete für die Aussage dann auch nur verhalten Applaus.


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