Beziehungskrach amüsiert Publikum Fernsehstars glänzen in Delmenhorst als Neurotiker

Von Jasmin Johannsen

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Versteh einer die Frauen: Kent (Roman Knižka, links) und Greg (Oliver Mommsen) tragen ihr Beziehungsleben auf der Bühne zur Schau. Foto: Jasmin JohannsenVersteh einer die Frauen: Kent (Roman Knižka, links) und Greg (Oliver Mommsen) tragen ihr Beziehungsleben auf der Bühne zur Schau. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Auf ihn mit Gebrüll: Einen lautstarken Geschlechterkampf konnten die Zuschauer im ausverkauften Kleinen Haus erleben. Die Komödie „Lieber schön“ trumpfte mit bekannten Fernsehstars auf.

Beziehungskrach ist oft auf der Bühne des Kleinen Hauses zu sehen. Doch der Streit, den Oliver Mommsen und Tanja Wedhorn am Sonntagabend in der ausverkauften Komödie „Lieber schön“ austrugen, übertraf so manchen Geschlechterstreit. Gleich in der ersten Szene wurde lautstark geschrien, geschimpft und gedemütigt – aber immer mit einer Prise Ironie.

Drastische Sprache im Beziehungsstreit

Was macht Frau, wenn der langjährige Freund sie im Gegensatz zur 23-jährigen Kollegin nicht schön, sondern nur normal findet? Für Steph (Tanja Wedhorn) ist die Frage schnell beantwortet: sich trennen. Aber zuvor wird der baldige Ex noch ordentlich gedemütigt. „Du bist ein Wichser, fick dich!“ Für Greg (Oliver Mommsen) hat Steph nur noch die übelsten Beschimpfungen auf Lager. Sie schreibt sogar eine Rede über seine ausgehenden Haare, Schweinsäuglein, „widerlichen Nasenlöcher“ und seinen „viel zu behaarten Sack“. „Das alles wollte ich dir schon längst sagen, aber du hörst mir ja nie zu“, erklärt sie kurz darauf.

Ein verbaler Fehltritt soll so schlimm sein?

Für Greg bricht eine Welt zusammen. Während sein Kumpel Kent (Roman Knižka) die schwangere Freundin Carly (Nicola Ransom) hintergeht und trotzdem davonkommt, sollen das die Folgen für den kleinen verbalen Fehltritt sein?

Das Stück des US-Amerikaners Neil LaBute will den Schönheitswahn hinterfragen: Ist Attraktivität wirklich das Wichtigste im Leben? Muss Mann oder Frau den Lebenspartner schöner als alle anderen Menschen finden? Und was sagt es über die Liebe aus, wenn dem nicht so ist?

Überzeichnete Charaktere und empörte Ausrufe

Die Komödie greift in der Beantwortung dieser Fragen hoch, scheitert jedoch an den überzeichneten Charakteren. Die vulgärsten Wortwechsel hängen sich an den geringsten Kleinigkeiten auf. Die Darbietung geht sogar so weit, dass aus den Zuschauerreihen einige empörte Ausrufe zu hören sind. Trotz dieses Mankos sind die durchaus vorhandenen ironischen Pointen gut gesetzt, und so amüsierte sich das Publikum dennoch ausgezeichnet.

Ensemble bringt hervorragende Leistung

Eine hervorragende Leistung erbrachte das Ensemble: Oliver Mommsen (bekannt aus dem Bremer „Tatort“) zeigte mit Greg seine komische Seite. Die erkältete Tanja Wedhorn schrie sich tapfer durch das Stück und Nicola Ransom gab glaubhaft die dümmliche Carly. Als Publikumsliebling stellte sich Roman Knižka heraus: Den machohaften Kent inklusive markiger Sprüche verkörperte er in all seiner Feigheit. Viele Zuschauer freuten sich, die TV-Prominenz auf der Bühne zu sehen: Sie spendeten nicht nur Szenen-, sondern auch anhaltenden Schlussapplaus.


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