Lebensbilder: August Fitger Auswanderer behielt alte Heimat Delmenhorst im Herzen

Von Herbert Frommeyer

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Delmenhorst. Bereits als Jugendlicher hat er einen in Delmenhorst bestens bekannten Namen bis nach Amerika getragen: August Fitger wanderte 1871 in die USA aus und führte seine eigene Brauerei.

August Fitger ist ein jüngerer Bruder des berühmten Künstlers Arthur Fitger. Er wurde am 21. Oktober 1854 in Delmenhorst im alten Fitgerhaus am Marktplatz geboren, wo heute das Neue Fitgerhaus steht. Seine Schwester Elfrieda war mit Ferdinand Krieger, gebürtig aus Rodenkirchen, verheiratet und lebte in Kiel, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Wisconsin. Als sie ihn bat, doch nach Amerika zu kommen, packte er seine Sachen und wanderte im Oktober 1871 mit 17 Jahren aus. Kapitän Friederichs führte das Segelschiff „Christel“ mit 210 Menschen an Bord von Bremerhaven nach New York, wo es nach 64-tägiger Fahrt am zweiten Weihnachtstag eintraf. Von hier ging es weiter, vermutlich zunächst per Schiff über den Eriekanal, nach Wisconsin.

1882 Teilhaber einer Brauerei

Hier erlernte August Fitger das Brauhandwerk, arbeitete in verschiedenen amerikanischen Brauereien, kehrte aber 1877 kurzfristig nach Deutschland zurück, um in Weihenstephan (Bayern) den Braumeistertitel zu erwerben. 1882 gewann Michael Fink ihn für seine Brauerei in Duluth (Minnesota). Noch im selben Jahr wurde er Teilhaber und die Brauerei nannte sich nun „A. Fitger & Co. Lake Superior Brewery“, später „Fitger Brewing Company“. Er leitete die Brauerei zusammen mit Percy Anneke, der in Milwaukee (Wisconsin) geboren war, dessen Eltern aber deutsche Auswanderer waren.

Für Neuerungen sehr aufgeschlossen

August galt als Multitalent und war sehr diszipliniert. Für Neuerungen und Modernisierungen war er sehr aufgeschlossen, so führte er schon 1885 Bier in Flaschen ein unter dem Namen „Export Beer“. Vorher wurde das Fitger-Bier in Holzfässer abgefüllt und per Pferdewagen, Schiff oder Eisenbahn zu den Abnehmern gebracht.

Im gleichen Jahr heiratete er Clara Kirst aus Milwaukee. Aus dieser Ehe gingen drei überlebende Kinder hervor: Wilhelmina, Arnold und Marion.

Bierboom dank der Einwanderer

Einige Jahre später erhielt die Brauerei die erste Eismaschine im Bundesstaat Minnesota. In den 1890er Jahren boomte das Biergeschäft. Die Bevölkerung wuchs rasch durch die hohe Zahl von Einwanderern. 1899 ließ Fitger eine Ranch errichten und nannte sie in Anlehnung an Delmenhorst „Elmhurst“. Den Umgang mit Pferden kannte er ja aus seiner Kindheit in der Posthalterei seines Vaters in Delmenhorst. Auf der Ranch verbrachten er und seine Familie oft ihre Freizeit.

Mit Softdrinks der Prohibition getrotzt

Im Jahre 1917 trat in Duluth die Prohibition in Kraft, ein absolutes Alkoholverbot. Viele amerikanische Brauereien mussten damals schließen, andere hielten sich mit bierähnlichen Produkten über Wasser, etwa dem „root beer“, das aus Wurzelextrakten gewonnen wurde und auch heute noch in den USA erhältlich ist, geschmacklich aber nichts mit Bier zu tun hat. August Fitgers Brauerei überlebte mit Softdrinks, zum Beispiel „Strawberry Soda“, und anderen innovativen Getränken wie „Silver Spray“, eine Art alkoholfreier Sekt.

Schicksalsschläge und Umzug nach Kalifornien

In den 1920er Jahren ging es für Fitger in Duluth bergab. Ein Brand in der Brauerei, der Tod seiner Tochter Marion und neue Firmen für Kieselgur und später Seetang in Kalifornien führten zu einem stetigen Rückzug aus der Brauerei. Das warme Kalifornien gefiel ihm besser als Duluth am kalten und zugigen Lake Superior. Die Brauerei war jetzt in der Hand von Victor Anneke, dem Sohn seines Kompagnons.

Verbindung nach Delmenhorst nie verloren

Mit seiner Heimatstadt Delmenhorst blieb August Fitger stets verbunden, was er auch durch Spenden zum Ausdruck brachte. Über die Zusendung des Delmenhorster Heimatjahrbuches freute er sich besonders. 1931 schrieb er dem damaligen Herausgeber: „Je älter ich werde, je mehr drängt meine alte Heimatliebe nach oben.“ Weiter heißt es: „Aber wo ich auch sein mochte, Delmenhorst blieb immer meine alte, liebe Heimat.“

August Fitger starb am 14. August 1933 in Kalifornien, kurz nach dem Ende der Prohibition. Sein Grab befindet sich auf dem Forest Home Cemetery in Milwaukee, dem Geburtsort seiner Frau, die ihm nur ein Jahr später folgte.


Spezialisiert hat er sich auf die Biertradition des Nordwestens. Doch in Herbert Frommeyers Hobbymuseum in Delmenhorst ist auch einiges über die Geschichte einer amerikanischen Brauerei zu erfahren: Die Fitger Brewing Company trug den Namen ihres Mitinhabers, August Fitger, Spross der Familie, die in Delmenhorst am Marktplatz die Posthalterei betrieb. Die Brauerei war laut dem leidenschaftlichen Sammler noch bis ins Jahr 1972 aktiv. Frommeyer: „Die alten Brauereigebäude sind bis heute erhalten geblieben, seit 1995 gibt es hier wieder Bier aus einem kleinen ‚brewpub‘, außerdem befinden sich hier das Fitger-Museum, ein Hotel, Restaurants und Läden.“ Mehr als 1500 Bier-Werbeträger aus vergangenen Zeiten vom Bierdeckel bis zur Partydose hat Frommeyer in seinem Privatmuseum zusammengetragen. Es kann nach Voranmeldung unter Telefon (0176) 54532928 kostenfrei besichtigt werden. Weitere Informationen unter www.h3-bierwelt.de.

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