Delmenhorster Soldaten im Irak Der Tod ist für die Ausbilder immer gegenwärtig

Von Paul Wilhelm Glöckner

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Mehrere Soldaten aus der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne sind im Irak eingesetzt. Im August wurden sie verabschiedet. Archivfoto: Kai Hasse.Mehrere Soldaten aus der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne sind im Irak eingesetzt. Im August wurden sie verabschiedet. Archivfoto: Kai Hasse.

Delmenhorst. Von Kampftaktiken und Alltag im krisenbeladenen Nordirak erzählte nun Oberstleutnant Guido Löbbering im Soldatenheim Adelheide. In Erbil sind auch mehrere Soldaten aus Delmenhorst eingesetzt.

Pro Tag durchschnittlich drei Anschläge, 14 Tage lang mindestens 50 Grad Hitze: über seine 184 Einsatztage im Irak berichtete Oberstleutnant Guido Löbbering am Mittwoch im Soldatenheim Adelheide vor der Gesellschaft für Sicherheitspolitik. Dem Offizier, der die Bundeswehr in einer multinationalen Truppe im Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat in Bagdad repräsentierte, gelang es dabei, ein ungeschminktes Bild der gefährlichen Lage im Zweistromland zu vermitteln.

30 Kilo tragen bei 50 Grad Celsius

Mit Hilfe von Videosequenzen und vielen Fotos nahm der Referent, der zuvor schon in den Krisengebieten Balkan und Afghanistan Dienst getan hatte, die 60 Zuhörer gleichsam mit in die Todeszonen des Landes und Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr in Erbil, in dem auch Soldaten des Delmenhorster Logistik-Bataillons vor allem kurdische Peschmerga-Kämpfer unterstützen. Er berichtete über seine strapaziösen Fahrten in dieses umkämpfte Gebiet („Bei 50 Grad musste ich 30 Kilo Gepäck schleppen“) und von seinen Erfahrungen über die Kampfweise der Milizen und der irakischen Armee. Man sei es in diesen Truppenteilen gewohnt, nur Angriffe zu unternehmen, wenn die Führung dabei von den Offizieren an vorderster Front übernommen werde. Auch verzichte man im Häuserkampf oftmals auf die systematische Durchdringung und Besetzung von Stadtvierteln, sondern stoße lieber direkt zum Zentrum vor und vernachlässige dabei den Flankenschutz.

Spannungen zwischen den Nachbarstaaten

Der Referent machte auch deutlich, dass die schwierige Lage im Irak aus den Spannungen zwischen seinen Nachbarn Iran, Saudi-Arabien und Türkei resultierten. Die Strukturen der westlichen Interventionstruppen und Ausbildungseinheiten sei weitgehend vom US-Militär bestimmt. Bislang sei die Bundeswehr nur im nördlichen Irak tätig. Ob wirklich, wie die Bundesverteidigungsministerin kürzlich erklärt habe, dieser Einsatz in das Zentrum ausgedehnt werde, müsse man abwarten.


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