Malteser organisieren Hilfe Kältebus holt Obdachlose von Delmenhorsts Straßen

Von Marie Busse

Helmut Blauth zeigt die Unterkunft für Obdachlose auf dem Gut Dauelsberg.

            

              Foto: Melanie HohmannHelmut Blauth zeigt die Unterkunft für Obdachlose auf dem Gut Dauelsberg. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Nach dem Brand im Wollepark haben die Malteser kurzfristig einen Kältebus ins Leben gerufen, um frierende Obdachlose in Unterkünfte unterzubringen. Viele Obdachlose entscheiden sich aber gegen das Hilfsangebot.

Es ist kalt, dunkel und fast menschenleer am Dienstagabend in der Delmenhorster Innenstadt. Achim Karrasch und Jörg Moldenhauer fahren langsam durch die Fußgängerzone. Die ehrenamtlichen Malteser halten an jedem Hauseingang, um nach obdachlosen Menschen Ausschau zu halten. „Der Brand im Wollepark hat uns auf die Lage aufmerksam gemacht. Wir haben den ersten Kältebus der Malteser dann kurzfristig ins Leben gerufen“, sagt Karrasch. Am Nachmittag informierte ein Mitarbeiter des Integrationslotsenteams die Obdachlosen zuvor über die Übernachtungsmöglichkeiten. Die Männer fahren eine Stunde lang zentrale Stellen, wie den Bahnhof an. Obdachlose sind an diesem Abend nicht zu sehen.

Einrichtungen nur für den Notfall

„Solche Einrichtungen sind nur für den absoluten Notfall“, sagt Wolfgang. Der 52-Jährige lebt seit einem Jahr auf der Straße. Die Malteser boten auch ihm einen Schlafplatz an, doch er lehnte ab. Sobald es richtig kalt wird, komme er lieber bei Freunden und Bekannten unter. „Immer geht das auch nicht. Dann gibt es noch Gebäude, in denen man unterkommen kann“, erklärt er. In den anderen Unterkünften befürchtet er, beklaut zu werden. Außerdem könne er auf der Straße frei entscheiden, was er mache. Das gehe in der Unterkunft nicht. Tagsüber wärmen ihn auf der Straße seine Isomatte, sein Schlafsack und hin und wieder ein heißer Kaffee. „Im Winter bekomme ich mehr Geld für ein warmes Getränk, weil die Leute mehr Mitleid haben“, erklärt er. Er versuche im Winter, den Schlafplatz so früh wie möglich zu organisieren. „Um acht Uhr abends, habe ich meistens meinen Schlafplatz“, betont er. Die Arbeit der Notunterkünfte und des Kältebusses sei trotzdem wichtig. Wolfgang sagt: „Ich nutze die Angebote ja auch immer mal wieder.“

Kapazitäten nicht ausgelastet

Das Gut Dauelsberg bietet sieben Schlafplätze für Männer, die dringend einen Schlafplatz brauchen. Obdachlose Frauen werden von der Stadt versorgt. „Wir sind trotz der Kälte nicht ausgelastet. Es gibt bei der Belegung keinen großen Unterschied zwischen Sommer und Winter“, sagt Einrichtungsleiter Helmut Blauth. Dafür gebe es eine Vielzahl von Erklärungen. „Zum einen herrscht bei uns ein striktes Alkoholverbot. Zum anderen ist es schwierig, diese Menschen zu erreichen. Viele haben sich selbst und das Leben aufgegeben. Einige verlassen uns sogar bei Minustemperaturen und schlüpfen anderswo unter“, erklärt Blauth.

Einsatz wieder möglich

Der Kältebus der Malteser kann nach dem ersten Einsatz wieder nach Bedarf eingesetzt werden. „Es ist wichtig, dass wir uns kümmern. Wenn die Männer ohne uns trocken und warm untergebracht sind, können wir beruhigt nach Hause gehen. Sobald Hilfe gebraucht wird, sind wir aber wieder da“, betont Karrasch.


Angesichts von Dauerfrost und eisigem Ostwind hat die Johanniter-Unfall-Hilfe in Niedersachsen und Bremen die Einsatzzeiten ihrer „Kältebusse“ für Obdachlose deutlich ausgeweitet. So sind die Johanniter auch in Oldenburg und Bremen mit „Kältebussen“ verstärkt unterwegs. In Oldenburg stoppt die mobile Hilfe freitags ab 18 Uhr und samstags ab 14 Uhr vor dem Hauptbahnhof. Zum Start im November war es zunächst nur der Freitag. „Es geht bei Heißgetränken und Suppe um das offene Ohr für die Obdachlosen“, sagt Johanniter-Sprecher Stefan Greiber. Bei Bedarf werden aber auch warme Handschuhe, Schals, dicke Socken und Decken verteilt. In Bremen hält der „Kältebus“ montags, mittwochs, freitags und sonntags ab 20 Uhr ebenfalls vor dem Hauptbahnhof. „Je nach Wetterlage werden bei einer Tour bis zu 80 Personen versorgt“, sagt Johanniter-Sprecher Jan Klaassen. epd