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28.02.2018, 09:42 Uhr KOLUMNE

Quergedacht: Rabiate Russenpeitsche

Von Marco Julius

Kalt ist es Deutschland. Die „Russenpeitsche“ schlägt einem unerbittlich ins Gesicht. Foto: Wolfgang Kumm/dpaKalt ist es Deutschland. Die „Russenpeitsche“ schlägt einem unerbittlich ins Gesicht. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Delmenhorst. Vorsicht vor der Russenpeitsche! Warum man sich im eiskalten Winter fühlt wie ein Bundeswehrsoldat und warum Teenager mit entblößten Fesseln durch die Stadt laufen, verrät die neue Folge der Kolumne „Quergedacht“.

Wer dieser Tage mit dem Rad zur Arbeit fährt, der spürt, so hat der Boulevard sie getauft, die Russenpeitsche hart im Gesicht. Der eisige Ostwind aus dem Reich des russischen Bären treibt einem die Tränen in die Augen, die dann in nur wenigen Sekunden zu funkelnden Eiswürfeln gefrieren. So kalt ist es, dass man schon Immobilienmakler gesehen hat, die ihre Hände in den eigenen Hosentaschen hatten. Man tritt also in die Pedale und fühlt sich morgens bereits wie ein echter Bundeswehrsoldat: schlecht ausgerüstet, unzureichend auf die Gegebenheiten vorbereitet und nur mäßig motiviert. Ja, es ist Winter. Kennen viele gar nicht mehr. Eine Jahreszeit, in der die Temperaturen unter null Grad Celsius sinken können – und dort auch mal dauerhaft verbleiben. Und dann noch ein Winter, in dem die Sonne scheint.

Flanking liegt im Trend

Deswegen wohl haben Teenager in der Fußgängerzone ihren ganz eigenen Umgang mit der Kälte gefunden. Flanking heißt der Trend, auch bei Eiseskälte zu hochgekrempelten oder kurzen Hosenbeinen keine oder kaum sichtbare Socken zu tragen und so nackte Fesseln zur Schau zu stellen. Wer schön sein will, muss bibbern. Russenpeitsche hin oder her. Der russischste Russe Putin geht ja auch zum Eistauchen und zeigt im Permafrost permanent seinen nackten Oberkörper. Für diejenigen, die nicht so hart sind, bleibt der Trost: der nächste Frühling kommt bestimmt. Azorenhoch statt Ostwind. Das ist gut für die Radfahrer und die Fesseln der Teenager. Ob es der Bundeswehr hilft, bleibt allerdings abzuwarten.