Unzufriedenheit frustet Helfer Misstrauen gegen Delmenhorster Tafel richtet Schaden an

Von Sonia Voigt

Lieber weiße Brötchen als Brot – was Flüchtlingen manchmal als Undankbarkeit ausgelegt wird, sind schlicht verschiedene Essgewohnheiten. Symbolfoto: Roland Weihrauch/dpaLieber weiße Brötchen als Brot – was Flüchtlingen manchmal als Undankbarkeit ausgelegt wird, sind schlicht verschiedene Essgewohnheiten. Symbolfoto: Roland Weihrauch/dpa

Delmenhorst. Beschwerden über drängelnde oder undankbare Tafel-Kunden gibt es in Delmenhorst wie in Essen. Die Ehrenamtlichen versuchen, damit bestmöglich umzugehen – Misstrauen schadet ihrer Motivation.

Einfach ist der Job der Tafel-Helfer nicht – statt Dank schlägt ihnen nicht selten Unzufriedenheit entgegen. Doch wer jetzt auf „die Flüchtlinge“ schimpft, die im Mercedes vorfahren, Waren verschmähen oder drängeln, macht es sich zu leicht.

Sprachdefizite erschweren Vermittlung

Drängeln darf natürlich keiner. Aber wer neu kommt, muss das Tafel-Angebot zunächst verstehen. Bei geringen Deutschkenntnissen ist der Unterschied zum Laden nicht leicht zu vermitteln. Und dass Essensvorlieben andere sind – helle Brötchen etwa gefragter als das hier beliebte Brot –, geht auch auf Gewohnheiten zurück.

Klagen über noble Autos

Klagen über noble Autos vor der Tür kennt Tafel-Chefin Walburga Bähre zur Genüge. „Oft gibt es einen einzigen Wagen in der Großfamilie, der verliehen wird. Oder der Sohn holt im Firmenwagen das Essen der Eltern ab“, erklärt sie, wie diese Eindrücke zustande kommen. Die Bedürftigkeit weist aber jeder mit Bescheid vom Amt nach. Und misstraut wird sogar Ehrenamtlichen, wenn sie mit Lebensmitteln die Tafel verlassen, etwa um einer kranken Tafel-Kundin zu helfen.

Nutzeranstieg zeigt, Bedarf für Angebot

Neid unter den Bedürftigen, die für Lebensmittel anstehen, ist eine Sache. Die Tafel-Aktiven zusätzlich von außen kritisch zu beäugen, könnte ihrer Motivation den Rest geben. Keine gute Idee, denn der Nutzeranstieg zeigt: Ihr Angebot wird gebraucht.