Geschichte des Fitger-Hauses Als Heinz Ehrhardt noch in Delmenhorst spielte

Von Jasmin Johannsen

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Kennt sich mit der städtischen Theatergeschichte aus: Michael Müller, Leiter der Musikschule Delmenhorst, hielt einen Vortrag im Stadtmuseum. Foto: Jasmin JohannsenKennt sich mit der städtischen Theatergeschichte aus: Michael Müller, Leiter der Musikschule Delmenhorst, hielt einen Vortrag im Stadtmuseum. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Lange ist es her, dass Delmenhorst ein Theater mit festem Ensemble hatte. Michael Müller erinnerte am Sonntag im Stadtmuseum an diese Zeit und verriet nebenbei wie das Kleine Haus zu seinem Namen kam.

Delmenhorst. „Der kulturelle Hunger war in der Stadt schon immer groß“, ist Michael Müller überzeugt. Seit rund zwei Jahren beschäftigt sich der Musikschulleiter mit der Delmenhorster Theatergeschichte. Er sichtete im Stadtarchiv viele Akten und mauserte sich so zu einem Experten für die kurze aber glanzvolle Schauspiel-Ära, die sogar den größeren Häusern in Bremen und Oldenburg Konkurrenz machte. In der Vortragsreihe „Delmenhorster Lieblingsobjekte“ teilte Müller am Sonntag sein Wissen mit 25 Zuhörern im Stadtmuseum.

Eigenes Delmenhorster Ensemble

Nur noch wenige Bewohner dürften sich erinnern, dass sich einst in zentraler Lage, direkt am Marktplatz im Fitger-Haus, ein Theater mit festem Dramaturgen und Ensemble, Bühnenbildnern sowie Orchester befand. „Knapp 530 Menschen passten in das Schauspielhaus“, erklärte Müller. Von Juni 1947 bis April 1949 wurde die Bühne auf hohem Niveau bespielt.

„Rund 25 Profis waren dauerhaft verpflichtet, die zogen übrigens extra dafür in die Stadt“, berichtet der Referent. Eröffnet wurde das Schauspielhaus am 1. Juni 1947 mit Shakespeares „Was ihr wollt“. Es folgten Operetten, Lustspiele, Komödien, Märchen und Dramen. Darunter im Februar 1948 auch Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“, welches erst kurz zuvor veröffentlicht worden war. „Es ist schon toll, wie schnell das Theater damals reagierte“, findet Müller. Das Ensemble gab sogar Gastspiele in anderen Städten. Aber auch am Marktplatz gastierten namenhafte Künstler. So waren Heinz Erhardt und Lale Andersen im Fitger-Haus zu sehen.

Hohe Schulden im Jahr 1949

Die kurze Glanzzeit neigte sich aber bald dem Ende zu. Im Sommer 1949 stand das Theater mit 51000 Mark in den Schulden. „Es wurden zwar Schauspieler engagiert, aber nicht eingesetzt“, berichtet der Musikschulchef. Zudem sei die Situation für Schauspielhäuser allgemein prekär gewesen. Die Theater in Oldenburg in Bremen wurden ebenfalls geschlossen. Kurze Zeit später ereilte dieses Schicksal auch Delmenhorst. Die letzten drei Produktionen spiegelten die Untergangsstimmung: Neben „Krach im Hinterhaus“ wurden „Die Verschwörer“ und „Einmal tot und nie wieder“ aufgeführt.

„Große Haus“ wurde nie umgesetzt

In das Fitger-Haus zog wenig später ein Kino, auf der Burginsel sollte ein „Großes Haus“ als Ersatz entstehen. Obwohl dieses Vorhaben nie umgesetzt wurde, war es für das „Kleine Haus“ doch namensgebend. Dass das Theater damals aufgegeben wurde, schmerzt Müller. Sein Fazit: „Wenn es durchgängig ein richtiges Schauspielhaus gegeben hätte, dann wäre die Delmenhorster Kulturlandschaft heute nicht so rau.“


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