Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg Eisernes Kreuz für einen Migranten aus Böhmen

Von Franz-Reinhard Ruppert


Delmenhorst. Anhand von alten Bildpostkarten ist Franz-Reinhard Ruppert den Spuren seines Vorfahren Josef Ruppert nachgegangen. Der Migrant aus Böhmen kämpfte vor 100 Jahren an der Ostfront.

Das letzte Kriegsjahr im Ersten Weltkrieg war gerade angebrochen, als das Delmenhorster Kreisblatt am 16. Januar 1918 die Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse „auf dem östlichen Kriegsschauplatz an den Schuhmacher Josef Ruppert aus der Bremer Straße“ in Delmenhorst vermeldete. Dort, an der Bremer Straße Nr. 59, Ecke Lilienstraße, betrieb Josef Ruppert seit 1909 einen Schuhladen und eine Schuhmacherei. Sein Handwerk gelernt hatte er in Asch im Egerland, denn er war Böhme, geboren 1881 in Schönfeld, Kreis Falkenau.

Zu Lehre und Militärdienst zurück nach Böhmen

Doch selbstverständlich war die Wahl des Ortes seiner Lehrzeit keineswegs, denn als zehnjähriger Knabe war er im März 1891 mit seiner Mutter, einer böhmischen Arbeitsmigrantin, nach Delmenhorst gekommen zur Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, der „Wolle“. Er ist aber nach Abschluss der Schule zurück in seine böhmische Heimat gegangen, um Schuhmacher zu lernen. 1901 kehrte er wieder zurück und arbeitete zunächst auf der „Wolle“. Von 1903 bis 1906 ging er zur Ableistung seines Militärdienstes beim k.u.k. Infanterie-Regiment Nr. 73 in Eger noch einmal zurück nach Böhmen.

Kriegsdienst im deutschen Heer

Im Ersten Weltkrieg musste Josef Ruppert mit 34 Jahren wieder zum Militär, doch dieses Mal brauchte ihn das deutsche Heer. Aus dieser Zeit sind von ihm einige Bildpostkarten im familiären Besitz überkommen, die er an Anton Ruppert, den ältesten Sohn seines Vetters Franz Ruppert geschrieben hatte. Josef Ruppert war 1911 durch die „Aufnahme in den oldenburgischen Staatsverband“ naturalisiert und deutscher Staatsbürger geworden. Zwar hatte er als gebürtiger Böhme auch seine österreich-ungarische Staatsbürgerschaft beibehalten, aber beim Militär zählte offenbar, welcher Staat als erster seinen Bedarf anmeldete.

Als Landsturmmann nach Frankreich

Auf einer am 4. Februar 1916 aus Munster Lager in der Lüneburger Heide geschriebenen Postkarte teilte er mit: „Ist bedeutend schöner hier wie in Oldenburg. Mir geht es noch gut.“ Ruppert war nach Oldenburg zum Landsturm, einem Teil der Reserveorganisation zur Ergänzung des Heeres, eingezogen und nach Munster Lager versetzt worden, wo er nicht lange blieb. Denn bereits am 20. April 1916 schickte er eine Karte aus Rethel in Nordfrankreich nach Delmenhorst, aus der seine militärische Einheit zu ersehen ist: Landsturmmann Ruppert, Mobiles Rekrutendepot, 19. Division, X. Armeekorps.

„Brot haben wir jetzt genug“

Zu dieser Zeit war die 19. Infanterie-Division an den Kämpfen an der Aisne, einem Fluss in Nordfrankreich, beteiligt. Wenige Tage später, am 1. Mai 1916, schrieb er aus Laon in Nordfrankreich einen kleinen Lagebericht: „Wir haben hier auch eine Badeanstalt wo wir baden dürfen dann wasche ich mir den ganzen Körper des morgens mit frischen Quellwasser, ist gesund und habe ich mich schon daran gewöhnt. Brot haben wir jetzt genug aber das nötige dazu fehlt, wird bei euch auch recht weniger werden.“

Postkartengrüße von der Ostfront

Wann es für Josef Ruppert von der West- zur Ostfront ging, ist nicht belegt. Ende des Jahres 1916 war er jedenfalls „auf dem östlichen Kriegsschauplatz“ im Einsatz, jetzt in der 107. Infanterie-Division, die in dieser Zeit an Kämpfen im oberen Styr-Stochod beteiligt war, zwei Flüsse in der westlichen Ukraine (Wolhynien), an denen die Frontlinie zwischen den unter deutscher Führung kämpfenden Divisionen des deutschen und des österreichisch-ungarischen Heeres und den russischen Einheiten verlief.

Zwei Bildpostkarten vom 23. Dezember 1916 und 10. Januar 1917 belegen es. Die Karte vom Januar 1917 weist im Poststempel die 107. Infanterie-Division aus und zeigt als Bildmotiv eine Straße in Kowel, einer Stadt in der nordwestlichen Ukraine und ein im Kriege umkämpfter Eisenbahnknotenpunkt.