Probleme bei Schulassistenz Delmenhorster Schüler ausgegrenzt statt einbezogen

Von Kai Hasse

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Delmenhorst. Wie es derzeit um die Begleitung von Kindern mit Behinderungen an der Schule durch Schulassistenten bestellt ist, wurde bei einem Fachgespräch der Lebenshilfe deutlich: Es steht schlecht. Letztlich drohe der Umstand, dass Kinder nicht inkludiert, sondern exkludiert, also ausgegrenzt, werden.

Mit „Chancen und Grenzen“ der Schulbegleitung für Schüler mit Inklusionsbedarf war ein Fachgespräch zum Thema Inklusionshilfe bei der Lebenshilfe überschrieben. Deutlich wurde allerdings: Vor allem geht es um Probleme mit Umfang und Menge der Inklusionsbegleitungen. Letztlich führe sie zu mehr Exklusion als zu Inklusion.

Mit neueren Gesetzesinitiativen werden Kinder mit Behinderungen in der Schule begleitet, durch erwachsene Helfer, die in vielen nicht-pädagogischen Bereichen helfen sollen. Diese Helfer – Schulassistenten – stammen beispielsweise von der dafür in Delmenhorst beauftragten Lebenshilfe, können aber auch von anderen Trägern sein. So soll sichergestellt werden, dass der Schüler zusammen mit anderen nicht-behinderten Altersgenossen unterrichtet werden kann. So werde er, soweit der Plan, inkludiert, also miteinbezogen in das Leben der Nicht-Behinderten.

Viele unterschiedliche Vorstellungen

In der Praxis liefert das einige Probleme, die bei dem Fachgespräch zunächst Lebenshilfe-Geschäftsführer Erwin Drefs und dann die Schulassistenz-Leiterin der Institution, Elisa-Sophie Gantter, darstellten. So gebe es kaum konkret umrissene Aufgabenstellungen, die unter Schulen, Schülern, Eltern oder Assistenten die Funktion der Assistenten klarstellen – und das, während alle Parteien unterschiedliche Vorstellungen haben. Hinzu kommen oft nur sehr kurzfristig beschlossene Begleitungen – und die dann wiederum zeitlich je nach Bedarf und bedürftigem Kind befristet. „Die Folge sind häufig prekäre Arbeitsverhältnisse“, so Drefs.

„Sonderrolle“ wird betont

Dabei endet es noch nicht: Wird ein Begleiter krank, ist nicht immer sofort Ersatz da – die Folge: Das Kind geht gar nicht zur Schule, weil die einzige klar ihm zugeteilte Hilfsperson in der Klasse fehlt, ohne Chance auf Mithilfe von Anderen. Zudem führe die ständige Begleitung des Kindes dazu, dass der begleitete Schüler Schwierigkeiten habe, eine Bezugsgruppe aufzubauen: Viel eher werde seine „Sonderrolle“ betont, wie Drefs betonte. Sein Fazit: Das hat mit Inklusion nichts mehr zu tun, sondern viel mehr mit Exklusion.“

Kosten steigen auf das Vierfache

Schon im Dezember hatte der Sozialbereich der Stadt Delmenhorst schon wegen der Kosten Alarm geschlagen: Die Kosten würden deutlich, auf etwa das Vierfache, im aktuellen Haushalt ansteigen, weil immer mehr Schulbegleitungen durch Ärzte als notwendig attestiert werden. Die Kosten werden nämlich nur zu einem kleineren Teil durch das Land erstattet – letztlich muss somit die Kommune als Schulträger einspringen.

Präferenz für Pool-Lösung

Deshalb machte auch die sogenannte Pool-Lösung als Perspektive die Runde. Olaf Meyer-Helfers, Fachdienstleiter des Sozialen Dienstes in Delmenhorst, erklärte, dass das zumindest einige Zuordnungs- und Organisationsprobleme lösen könnte. Die Pool-Lösung hieße, dass Schulen eine bestimmte Zahl von Helfern zugewiesen wird, mit denen sie dann stets versuchen, den Bedarf „auf kurzem Wege“ zu decken. Aus dem Kreis der Lehrer und Schulleiter klang da auch Kritik an: Die überbordende Organisation vor Ort, Absprache mit Schulbegleitern über Schüler und zum Teil abweichende Lehrinhalte raube Möglichkeiten und Ruhe, auf den zu fördernden Schüler einzugehen. „Letztlich hat der Schüler dann weniger Förderung als früher bei einer Regelförderschule“, sagte eine Lehrerin. „...Tja, da wären wir beim Kernproblem“, hieß es leise eine Bank weiter.

Nichtsdestotrotz wollen Träger und Stadt die Pool-Lösung weiter verfolgen, um die Begleitung in kleineren Einheiten besser auf die Schüler abstimmen zu können. Zu vielen drängenden Fragen war auch die Landesschulbehörde eingeladen worden. Sie hatte keinen Vertreter geschickt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN