Vom Fachgeschäft zum Outlet in Delmenhorst Unterwäscheladen schlüpft in neue Rolle

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Vom Fachgeschäft zum Outlet: Nina Busch (38) versucht mit einem neuen Konzept für ihren Damenunterwäsche-Laden im Westen der Langen Straße den Neustart. Foto: Frederik GrabbeVom Fachgeschäft zum Outlet: Nina Busch (38) versucht mit einem neuen Konzept für ihren Damenunterwäsche-Laden im Westen der Langen Straße den Neustart. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Einzelhändlerin Nina Busch will die Lust aufs Schnäppchen der Delmenhorster Kundschaft nutzen, um ihr Unterwäsche-Geschäft neu aufzubauen. Sie geht den Weg vom hochpreisigen Fachgeschäft zum günstigen Marken-Outlet. Kaufleutesprecher Wüstner findet die Idee „spannend“.

Nina Busch wagt den Neuanfang – und das, obwohl ihre letzte Geschäftsaufgabe gar nicht so lange zurückliegt. Am kommenden Samstag, 3. März, wird Busch ihren Marken-Outlet für Damenunterschwäsche im früheren Strudthoff-Outlet im westlichen Teil der Langen Straße eröffnen. Damit macht sie aus der Not eine Tugend – und reagiert damit auf eine nach ihren Worten ausgeprägte Schnäppchenkultur in Delmenhorst. Kaufleutesprecher Wüstner findet die Idee „spannend“.

Outlet soll von Lust auf Rabatte profitieren

Es ist erst einen Tag her, da kündigte die Inhaberin des Herrenausstatters, Sabine Reinhold, die Geschäftsaufgabe ihres Modeladens im Osten der Innenstadt an. Mit ein Grund für unbefriedigende Umsätze war auch, dass viele Kunden den Laden nur betraten, wenn es Rabatte gab, sagte Reinhold. Auf diese verstärkte Lust auf Prozente, die es offenbar bei der Delmenhorster Kundschaft gibt, baut Nina Busch ihre nun doch weitergeführte Selbstständigkeit durch das Verkaufskonzept eines Outlets auf.

Geringere Flexibilität bei Auswahl – aber besserer Preis

„Die Idee dazu kam beim Räumungsverkauf bei meinem Geschäft D&W-Dessous. Da war der Laden richtig voll, viele Neukunden waren da. Der Gedanke lag nahe, das zum dauerhaften Konzept werden zu lassen.“ Markenwäsche für Frauen für einen günstigen Preis mit der Beratung von Mitarbeiterinnen, die vorher in einem entsprechenden Fachgeschäft tätig waren – diese Elemente möchte Busch mit ihrem Umzug von der Langen Straße 119 in die Hausnummer 126 verbinden. „Der Nachteil ist, dass einzelne Nachbestellungen, weil die Größe oder Farbe nicht stimmt, nicht so einfach machbar sind“, sagt Busch. Der günstigere Preis, hofft sie, werde dies aber aufwiegen.

„Geiz ist geil, das ist nun einmal so. Jeder spart gerne“

Die 38-Jährige, die mit ihrem hochpreisigen Fachgeschäft mit zuvor keine Zukunft mehr sah, wirft der Kundschaft die Lust auf Schnäppchen aber nicht vor. „Geiz ist geil, das ist nun einmal so. Jeder spart gerne. Die Kaufleute haben ihre Kundschaft in diese Richtung erzogen.“ Der gesamte traditionelle Einzelhandel, nicht nur in Delmenhorst, sei derzeit froh, wenn die Umsätze gleich blieben. Mit der Verlagerung aufs Outlet wolle Busch dieses Muster durchbrechen. Zunächst möchte sie mit einer halbjährigen Testphase das Outlet-Konzept erproben. So lange währt ihr Mietvertrag für das Ladenlokal mit fast 200 Quadratmetern Verkaufsfläche, in das sie ihre drei früheren Mitarbeiterinnen mitnimmt.

„Schnäppchenpreis zweitrangig“

Gut möglich, dass das Konzept funktioniert, meint Strudthoff-Geschäftsführer Julian Flocke. Bis Januar 2017 nutzte Flocke Buschs neue Ladenfläche ebenfalls als Outlet, allerdings bewusst zeitlich begrenzt. „Es hat sich gelohnt, der Lauf war da“, meint Flocke rückblickend. Seiner Ansicht nach müsse aber die Ware stimmen, der Schnäppchenpreis sei da eher zweitrangig – auch wenn Schlussverkäufe unbestritten wichtig für den Handel seien.

Kaufleute-Sprecher findet Idee spannend

„Sehr spannend“ findet City-Kaufleutesprecher Christian Wüstner Buschs Konzept. Freilich müsste über ein Outlet mehr Ware über den Ladentisch gehen, weil durch die Rabatte die Margen für Kaufleute sinken würden. „Es ist immer gut, wenn Kaufleute Lehren aus ihren Erfahrungen ziehen und sich entsprechend neu aufstellen.“ Wüstner lädt Busch daher ein, sich mit den anderen City-Kaufleuten auszutauschen und von ihren Erfahrungen zu berichten.


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