Räumungsverkauf startet Samstag Herrenausstatter in der Delmenhorster City gibt auf

Von Frederik Grabbe

Streicht die Segel: Die Inhaberin des Modegeschäfts „Der Herrenausstatter“ Sabine Reinhold (54) schließt ihr Geschäft. Foto: Frederik GrabbeStreicht die Segel: Die Inhaberin des Modegeschäfts „Der Herrenausstatter“ Sabine Reinhold (54) schließt ihr Geschäft. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Das Modegeschäft „Der Herrenausstatter“ in der Delmenhorster Innenstadt gibt auf. Inhaberin Sabine Reinhold nennt die langwierige City-Baustelle als Hauptgrund – und macht ihrem Vermieter, Andreas Vogler von Kristensen Invest, den Vorwurf, sie mit dem leeren Versprechen einer Hertie-Wiederbelebung in die Innenstadt gelockt.

Schlechte Nachricht für die Delmenhorster Innenstadt: Die Inhaberin von „Der Herrausstatter“, Sabine Reinhold, gibt auf und schließt ihr Geschäft. Am Samstag beginnt der Räumungsverkauf. Es ist die nächste Geschäftsaufgabe im östlichen Teil der City innerhalb von kurzer Zeit, nachdem zuletzt die Boutique „Komplott“ im September die Segel gestrichen hatte. Der Vermieter des Herrenausstatters sieht trotz dieses Rückschlags weiter eine gute Perspektive für das Ladenlokal.

„Mut, sich in Delmenhorst selbstständig zu machen, nicht belohnt“

Im April wären es drei Jahre gewesen, in denen Sabine Reinhold in der Innenstadt ansässig gewesen wäre. Zweifel an ihrer Ware, an ihrem Konzept hat sie nicht. „Ich habe den Mut gehabt, mich in Delmenhorst selbstständig zu machen. Dieser Mut wurde nicht belohnt“, sagt die Unternehmerin gegenüber dem dk. Als Gründe für die Geschäftsaufgabe führt Reinhold eine Reihe von verschiedenen Faktoren an:

  • Als Hauptursache nennt die 54-Jährige die langwierige City-Baustelle. „Mit dem Baustellenstart ging es rapide bergab. Die Arbeiten haben viel Kaufkraft gekostet. Die Lage hat sich auch nach Ende der Baustelle vor unserer Tür im vergangenen Herbst nicht wieder erholt. Die Laufkundschaft fehlte zuletzt komplett. Die Stadt hätte die Arbeiten zügiger vorantreiben müssen“, sagt Reinhold, die zuletzt aus eigener Tasche für den Betrieb zuschießen musste. Dabei waren die ersten drei Monate vielversprechend verlaufen.
  • Der Online-Handel habe ihr zunehmend zu schaffen gemacht. Ein Viertel des Umsatzes, schätzt Reinhold, habe sie an ihn verloren.
  • Weiter sieht die Unternehmerin eine fehlende Unterstützung der Delmenhorster Wirtschaftsförderung (dwfg). Ideen, wie man dem Osten der City mehr Zulauf verschaffen könne, wären kaum vorhanden gewesen. Für Aktionen wie den Lichterzauber standen die bürokratischen Hürden hoch.
  • Als Viertes macht Reinhold ihrem Vermieter, dem Investor Kristensen Invest, den Vorwurf, sie mit der - bisher vergeblichen - Aussicht auf ein bald wiederbelebtes Hertiegebäude in die Delmenhorster Innenstadt gelockt zu haben. „Ohne die Perspektive auf Hertie hätte ich mich hier nicht niedergelassen“, sagt Reinhold, die offen sagt, dass sie sich getäuscht fühlt.

„Rückschläge wird es immer geben“

Der geschäftsführende Gesellschafter von Kristensen Invest, Andreas Vogler, zeigte sich auf Nachfrage überrascht von der Schließung. „Ich habe in der Vergangenheit mit Zuversicht über Hertie gesprochen und tue das auch weiterhin.“ Das Gelingen der Wiederbelebung könne er aber nicht versprechen. „Ich die bedaure Geschäftsaufgabe, hege aber keine Sorge, die Fläche nicht bald wieder vermieten zu können.“ Generell sagt Vogler, dass es immer wieder Rückschläge bei der Innenstadtbelebung geben werde, die Perspektive des gesamten Standortes unbefangen gut sei.

Beschwerden über bürokratische Hürden

Die dwfg nannte die Geschäftsaufgabe Reinholds einen „Verlust für die Innenstadt“. Beschwerden über hohe bürokratische Hürden bei Aktionen wie den wesentlich von Kaufleuten gestemmten Lichterzauber, lägen aber keine Beschwerden vor. City-Managerin Nicole Halves-Volmer berichtet in diesem Zusammenhang über einen konstruktiven Austausch.

Wüstner: Gesamte Kaufmannschaft hofft auf Hertie

Kaufleutesprecher Christian Wüstner bedauerte Reinholds Aufgabe mit deutlichen Worten, äußerte aber auch Verständnis über den Unmut der zeitlich ungünstigen Baustelle. Generell unterstrich er, dass die gesamte Kaufmannschaft in der Innenstadt, nicht nur jene im östlichen Teil, hoffe, dass es bei Hertie endliche vorangehe. Hertie-Investor Werner Uhde äußerte sich nach erfolgter Entkernung zuletzt wieder optimistischer, was die Suche nach Mietern anging.