Delmenhorster Jobcenter Wirtschaftsboom und Flüchtlinge prägen Jobcenter-Jahr 2017

Von Frederik Grabbe

Haben ein schwieriges Jahr hinter sich: Jobcenter-Leiter Frank Münkewarf und seine Stellvertreterin Marion Denkmann. Foto: Frederik GrabbeHaben ein schwieriges Jahr hinter sich: Jobcenter-Leiter Frank Münkewarf und seine Stellvertreterin Marion Denkmann. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Die allgemein boomende Konjunktur und die Flüchtlingszuwanderung – beides sind Aspekte, die deutlich das vergangene Arbeitsjahr des Delmenhorster Jobcenters geprägt haben. Das geht aus Zahlen der Einrichtung hervor, die am Mittwoch von Jobcenter-Chef Frank Münkewarf und seiner Stellvertreterin Marion Denkmann vorgestellt wurden.

Da sind zum einen Arbeitslosenzahlen: 2017 betreute das Jobcenter im Jahresdurchschnitt 3018 Arbeitslose (die Arbeitslosen der Arbeitsagentur nicht mitgerechnet). 254 oder 7,8 Prozent weniger als 2016. Aus den Zahlen stechen besonders ältere Arbeitslose (-11 Prozent auf 877), Langzeitarbeitslose (-8,6 Prozent auf 1552) und Schwerbehinderte (-10,1 Prozent auf 125) hervor. „Alle Gruppen haben derzeit gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt “, bemerkte Jobcenter-Chef Münkewarf hierzu und verwies auch auf den Stellenmarkt: Im Monatsschnitt standen 2017 im Vergleich zum Vorjahr 724 Stellen offen – ein Plus von fast 15 Prozent.

Mehr Regelleistungsbezieher

Zum anderen ist da der größere Rahmen: In 5578 Bedarfsgemeinschaften lebten Ende 2017 insgesamt 11.248 Regelleistungsbezieher. 130 beziehungsweise 400 mehr, als 2016. Hierhinter steht vor allem der Zugang von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Eine kaum vorherzusagende Zuwanderung und ein Zuzugsstopp für Flüchtlinge, der aber den Umzug von Familienangehörigen nach Delmenhorst nicht ausschließt, nannte Marion Denkmann als Faktoren, die die Lage schwierig gemacht hätten. Vor diesem Hintergrund habe man beim Jobcenter noch gut gerechnet: 1507 Arbeitslose wollte man 2017 in Arbeit bringen (sogenannte Integrationen), es wurden 31 weniger.

Delmenhorster Jobcenter landet bei internem Vergleich auf hinteren Plätzen

„Gut geplant“, sagt Denkmann dazu. Und doch schneidet das Haus in einem internen Vergleich bei der Arbeitsvermittlung eher schlecht ab: Die Einrichtung misst sich mit Jobcentern aus anderen Städten, die Delmenhorst strukturell gleichen. Salzgitter, Oberhausen, Bremerhaven oder Dortmund nennt Münkewarf als Nenngrößen. Neben den Integrationen sind die Integrationsquote (18,6 Prozent), die Zahl der Langzeitleistungsbezieher (5101) oder die gezahlten Gelder zum Lebensunterhalt (29,9 Millionen Euro) Bereiche, bei denen das Delmenhorster Haus die eigenen Ziele nur knapp verfehlte und dennoch auf den hinteren Plätzen landete. „Wir haben uns eben realistisch eingeschätzt“, sagte Jobcenter-Leiter Münkewarf, und misst dem Vergleich damit nur bedingt Aussagekraft zu. Bei der Beratung von Kunden landet das Delmenhorster Jobcenter wiederum auf den vorderen Plätzen. Generell sieht Münkewarf sein Haus „gut aufgestellt“.

Jobcenter erwartet 2018 mehr Flüchtlinge durch Familiennachzug

Für das Jahr 2018 nimmt sich das Jobcenter vor, mehr Menschen in Arbeit zu bringen – die Integrationsquote soll auf 18,9 Prozent steigen. Allerdings werden durch den Flüchtlingsnachzug ab März mehr Zuwanderer erwartet. Auch die Zahl der Langzeitleistungsbezieher wird auf mehr als 5300 Personen steigen, weil Flüchtlinge nicht sofort integriert sein werden, sagt die Jobcenterführung voraus.