Oft Vollbelegung in Delmenhorst Frauenhäuser vor Ort müssen Frauen aus Platzmangel abweisen

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Die Frauenhäuser in Delmenhorst und Wildeshausen sind so ausgelastet, dass sie 2017 über 80 Frauen abweisen mussten. Symbolfoto: Peter Steffen/dpaDie Frauenhäuser in Delmenhorst und Wildeshausen sind so ausgelastet, dass sie 2017 über 80 Frauen abweisen mussten. Symbolfoto: Peter Steffen/dpa

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. So viele Frauen suchen in den Frauenhäusern in Delmenhorst und Wildeshausen Zuflucht vor Gewalt, dass diese manchmal abwinken müssen: Über 80 Frauen mussten 2017 abgewiesen werden. Ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum und Verständigungsprobleme erschweren die Arbeit weiter.

Über 80 Frauen haben die Frauenhäuser in Delmenhorst und Wildeshausen 2017 abweisen müssen, weil kein Platz frei war – ein Problem, das nach NDR-Recherchen Frauenhäuser landesweit betrifft. Konkret waren es beim von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betriebenen Delmenhorster Zufluchtsort 35 Frauen und im Frauen- und Kinderschutzhaus des Landkreises Oldenburg 46 Frauen mit 56 Kindern.

Neben voller Auslastung könnten Gründe wie psychische Erkrankungen oder jugendliche Söhne, die nicht aufgenommen werden können, zu einer Ablehnung führen, erklärt Birgit Sikken, Leiterin des Frauenhauses Delmenhorst. Zudem gibt sie zu bedenken: „Für Delmenhorst allein reicht die Kapazität unseres Frauenhauses, aber es kommen auch viele Frauen aus Oldenburg oder Bremen zu uns.“

Nach Aurich weitervermittelt

An 155 Tagen war das Wildeshauser Frauen- und Kinderschutzhaus im Jahr 2017 voll belegt. „Wenn sich dann noch jemand meldet, fragen wir zum Beispiel in Delmenhorst, Vechta, Oldenburg oder Diepholz an, ob Plätze frei sind“, erklärt Leiterin Karin Kohorst-Thölke. „Ein paar Mal mussten wir im letzten Jahr Frauen nach Aurich, Leer oder Wilhelmshaven weitervermitteln“, ergänzt sie.

Bei manchen Frauen sei der Leidensdruck so hoch, dass ihnen die Distanz egal sei. Hin und wieder sei die Distanz auch wegen einer Gefährdung sinnvoll. Aber manche Frauen, etwa mit einer Arbeitsstelle in der Nähe, halten lieber zuhause weiter aus oder überbrücken bei privaten Alternativen, bis ein Platz in Wildeshausen frei ist.

Wohnungsknappheit bereitet Probleme

Was beide Frauenhäuser der Region seit rund zwei Jahren zunehmend umtreibt: „Bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist ein sehr großes Problem“, sagt Birgit Sikken. Besonders für Frauen mit mehr als zwei Kindern oder Singles sei es schwer, eine Wohnung im vom Jobcenter zugestandenen Preisrahmen zu finden, ergänzt Kohorst-Thölke. Eine Kollegin habe sich schon auf die Kontaktpflege mit Wohnungsgesellschaften und Privatvermietern spezialisiert.

Wenn eine frisch getrennte Frau keine neue Wohnung findet, verlängert dies die im Schnitt 22-tägige Verweildauer im Frauenhaus – und blockiert so einen oder mehrere der sechs Delmenhorster sowie zehn Wildeshauser Plätze.

Politik sieht Bedarf für bezahlbaren Wohnraum

Für Antje Beilemann (SPD), Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren und Soziales des Delmenhorster Stadtrats, zeigt sich hier erneut: „Wir brauchen wesentlich mehr bezahlbaren Wohnraum.“ Die Stadt habe hier noch deutlich „Luft nach oben“.

Den Bedarf sieht Sozialausschuss-Mitglied Frauke Wöhler auch, obgleich sie es ebenso wichtig findet, für Familien Bauplätze zu schaffen. Die CDU-Ratsfrau, die auch im Frauenhaus-Awo-Beirat sitzt, betont aber: „Die Frauenhäuser leisten eine wichtige, oft schwierige Arbeit, damit Frauen den Schritt aus ihrem Umfeld heraus schaffen und aufgefangen werden.“

Dolmetscher begleiten Arbeit

Eine weitere Herausforderung für die Frauenhäuser sind Verständigungsprobleme. Von den 62 Frauen, die 2017 im Delmenhorster Frauenhaus Unterschlupf fanden, haben 48 Migrationshintergrund, genauso wie 61 der 65 begleitenden Kinder. „Wir arbeiten sehr gut mit den Integrationslotsen und anderen Dolmetschern zusammen“, sagt Leiterin Sikken, „aber es ist viel zusätzlicher Aufwand“. Auch ein großer Teil der 2017 in Wildeshausen betreuten 75 Frauen hat Deutsch nicht als Muttersprache.

„Als kreiseigenes Haus können wir den Sprachmittler-Pool des Landkreises mitbenutzen und haben kurze Wege“, erklärt Leiterin Kohorst-Thölke. Trotzdem koste das Übersetzen Zeit. Ein bisschen zusätzliche Zeit erhält das Delmenhorster Frauenhaus-Team immerhin: Die Stellenzahl wird von zwei auf 2,5 aufgestockt.“


In Niedersachsen gibt es derzeit 40 Frauenhäuser mit insgesamt 358 Plätzen. Im vergangenen Jahr fanden dort etwa 1800 Frauen Schutz, teilweise zusammen mit ihren Kindern. Mehr als 2600 Frauen mussten nach Recherchen des Regionalmagazins „NDR Hallo Niedersachsen“ 2017 in niedersächsischen Frauenhäusern aus Platzmangel abgewiesen werden. (mit dpa/lni)

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