Gute Sozialprognose 28-Jähriger Delmenhorster kommt um Knast noch herum

Von Ole Rosenbohm

Das Landgericht Oldenburg verhängte jetzt gegen einen zur Tatzeit in Delmenhorst lebenden Mann eine zur Bewährung ausgesetzte Gefängnisstrafe über zwei Jahre. Symbolfoto: Thomas DeekenDas Landgericht Oldenburg verhängte jetzt gegen einen zur Tatzeit in Delmenhorst lebenden Mann eine zur Bewährung ausgesetzte Gefängnisstrafe über zwei Jahre. Symbolfoto: Thomas Deeken

Delmenhorst/Oldenburg. Der wegen räuberischer Erpressung, schwerer Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung angeklagte und im September in Griechenland festgenommene 28-Jährige muss nicht ins Gefängnis.

Das Landgericht Oldenburg verhängte jetzt gegen den zur Tatzeit in Delmenhorst lebenden Mann eine zur Bewährung ausgesetzte Gefängnisstrafe über zwei Jahre.

Der Mann hatte, wie berichtet, am 23. August 2016 mit drei anderen – deren Verfahren bereits abgeschlossen sind – zwei junge Männer in einer Delmenhorster Wohnung stundenlang festgehalten, sie mit Elektroschocker und Messer bedroht, ihnen Kleingeld abgenommen, sie geschlagen und getreten. Grund war ein angeblicher Diebstahl einer Kamera und Konsolen-Spielen durch einen der jungen Männer. Der Angeklagte spielte sich in dieser Nacht zum Richter, oder wie er sagte, „zum großen Macker“ auf.

Fast sauberes Vorstrafenregister

„Wer Gewalt ausübt, hat auf Bewährung nicht zu hoffen“, sagte Richter Dirk Reuter in seiner Urteilsbegründung zwar. Aber er fügte an: „Kein Grundsatz ohne Ausnahme.“

Für eine Bewährungsstrafe sprachen etwa das Geständnis des Mannes inklusive einer bereits erfolgten Ausgleichszahlung von 2000 Euro an das Opfer. Zudem: Der Mann wollte keine Beute machen, sondern den vermeintlichen Dieben eine „Lehre erteilen“, sagte Reuter. Wichtig für das Urteil war auch das fast saubere Vorstrafenregister des Angeklagten. Dazu kamen jede Menge gute Vorsätze: „Ich habe das erste Mal in meinem Leben Ziele, die nicht heute Abend enden“, sagte der Angeklagte mit Blick auf seine Lebensgefährtin.

Delmenhorst und Drogenmilieu verlassen

Er habe Job und Ausbildung in Aussicht und wolle Delmenhorst und damit das hiesige Drogenmilieu verlassen.

Dennoch betonte der Richter, wie knapp die Entscheidung zugunsten einer Bewährung ausgefallen war: „Es bleibt ein Vertrauensvorschuss.“ Der Angeklagte habe zwar den Eindruck einer ernsthaften Reue vermittelt. Aber sein künftiges Verhalten könne niemand vorhersehen: Es sei letztlich Kaffeesatzleserei.

Aus der räuberischen Erpressung machten Gericht und Staatsanwaltschaft einen minderschweren Fall, der nicht vollständig bewiesene Vorwurf der Freiheitsberaubung wurde zudem eingestellt. Statt einer Mindeststrafe von drei Jahren öffnete sich so die Möglichkeit einer Bewährungsstrafe. „Glück gehabt“, sagte Richter Reuter zum Angeklagten.