Kampf gegen Deich-Schädling Delmenhorster nehmen die Nutria auf Kimme und Korn

Von Kai Hasse

Das Tier wirkt possierlich, ist aber ein aus Südamerika stammender Schädling. Foto: dpaDas Tier wirkt possierlich, ist aber ein aus Südamerika stammender Schädling. Foto: dpa

Delmenhorst. Jäger schlagen Alarm: Die Nutria ist auf dem Vormarsch. Das einem Biber ähnelnde Tier könnte Biosystem und vor allem Deiche gefährden und so auch in Delmenhorst für massive Schäden sorgen. Naturschützer begrüßen den Kampf gegen das Tier.

Weil die Nutria, ein Pelztier von bis zu zehn Kilo Gewicht, Böden, Dämme und Deiche zerwühlen kann, und zudem als „invasives Tier“, das ursprünglich aus Südamerika stammt, das Biosystem stören kann, soll es ihm an den Kragen gehen. Deichschützer, Jäger und Naturschützer sind sich einig.

Abschusszahlen verfünffacht

Helmut Blauth, Kreisjägermeister Delmenhorsts und stellvertretender Vorsitzender der Landesjägerschaft, ist optimistisch, dass bald Schranken zum Schutz der Nutria fallen. Er war in der vergangenen Woche bei einem Symposium der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dort diskutierten Deutsche und niederländische Gäste den Kampf gegen das Tier. In den Niederlanden ist das Pelztier stark dezimiert worden. Blauth prophezeit für Niedersachsen: „Der Gesetzgeber wird den Elterntierschutz aufheben.“ Dasselbe gelte für eine Schonzeit. Dann würden Jäger und Bisamfänger im Akkord kaum eingeschränkt auf die Pirsch gehen können. Im Nachbarland sei man martialisch unterwegs: „Die Holländer sprechen nicht von Bejagung – sie sagen: Ausrottung“, so Blauth. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der abgeschossenen Nutrias in Niedersachsen knapp verfünffacht: Im Jagdjahr 2010/11 wurden im Land 4500 Tiere erlegt, 2016/17 waren es 22000.

Massive Schäden möglich

Was das Wühlen des Tieres für konkrete Folgen in Delmenhorst haben kann, erklärt Matthias Stöver, Geschäftsführer des Ochtumverbands, der unter anderem für die Sicherheit der Gewässer zuständig ist. Die Tier würden Deiche so schwächen können, dass sie unsicher werden. Das betrifft zwar nicht die Deiche des neuen Hochwasserrückhaltebeckens, das Delmenhorst vor Fluten schützen soll, weil die Deiche auf verdichteter Erde ruhen, die die Tiere nicht durchdringen könnten. Aber: „An kleineren Gewässern, wie Heidkruger Bäke, Varreler Bäke oder der Delme könnten Schäden entstehen.“ Die kleinen Bäken sind umgeben von Wohnbebauung, und sollten die Dämme der Delme beschädigt werden, könnte das Delmewasser durch die Wiekhorn in die Kleine Delme und in den Hoyersgraben laufen und von dort zu Überschwemmungen führen. Seit Monaten hat der Ochtumverband bereits eine Fangprämie auf Nutrias ausgesetzt: sechs Euro pro Schwanzspitze.

Nabu-Biologe begrüßt Jagd

Der verschärfte Kampf gegen den Wühler geschähe mit dem Segen der Naturschützer: „Wenn Deiche gefährdet sind, muss der Tierschutz zurückstecken“, sagt etwa Prof. Dr. Gerd Turowski, Referent für den NABU. Zudem gehöre die Nutria eben zu den engeschleppten Arten, die für Schäden im Biosystem der Region sorgen. Das bestätigt Uwe Handke, Biologe und Gutachter des Naturschutzbundes: „Solche Arten zu bejagen, ist vollkommen richtig.“

Die Jagd auf die Nutria hätte auch noch einen praktischen Nutzen: Laut Blauth und Handke habe der Pelz des Tieres einen guten Nutzwert. Und: Blauth wurde berichtet, dass das Tier auch schmackhaft sei.