ÖPNV in Delmenhorst Verkehrsbetriebe sehen kostenfreien ÖPNV kritisch

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Die Bundesregierung will kostenfreien Nahverkehr in fünf Modellstädten testen. Symbolfoto: Jan Woitas/dpaDie Bundesregierung will kostenfreien Nahverkehr in fünf Modellstädten testen. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa

Delmenhorst. Kostenloser Nahverkehr in Delmenhorst– eine schöne Idee. Nie mehr am Automaten anstehen, nie mehr Kleingeld für das Ticket suchen und kein Vergessen des Fahrscheins. Örtliche Verkehrsbetriebe haben jedoch Zweifel, ob das umsetzbar ist.

Örtliche Verkehrsbetriebe reagieren skeptisch auf den Vorstoß der Bundesregierung, kostenlosen Nahverkehr anzubieten. „Kostenloser ÖPNV ist eine Vision“, erklärte Carsten Hoffmann von Delbus. Grundsätzlich sei jede Initiative zur Förderung des öffentlichen Verkehrs positiv, aber die Kosten dürften nicht außer Acht gelassen werden. Das Unternehmen transportiert täglich etwa 11.000 Fahrgäste in der Stadt. Delbus nahm nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 3,5 Millionen Euro durch den Verkauf von Fahrkarten ein. Bundesweit waren es laut dem Verband der Deutschen Verkehrsunternehmen zwölf Milliarden Euro. „Nicht nur das Geld aus dem Verkauf würde wegfallen, es wären auch zusätzliche Investitionen nötig“, sagte er weiter. Schon jetzt seien die Busse zu Stoßzeiten sehr voll.

Mehr Personal nötig

Mehr Busfahrer müssten eingestellt werden und mehr Busse angeschafft werden, wenn die Nutzung kostenfrei wird. Aus Sicht der Nordwestbahn müssen zumindest diese Investitionen von der öffentlichen Hand gegenfinanziert werden. Skeptisch äußerte sich auch Eckhard Spliethoff vom Verkehrsbund Niedersachsen/Bremen. „Delmenhorst ist beim Schienenverkehr schon jetzt am Limit“, betonte er. Um kostenlosen Verkehr möglich zu machen, wären daher Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur nötig. „Das war ein Schnellschuss aus der Politik. Es müssen erst die Voraussetzungen in der Infrastruktur geschaffen werden. Das dauert Jahre“, sagte er.

EU droht mit Klage aufgrund hoher Schadstoffbelastung

Zuvor war bekannt geworden, dass Deutschland aufgrund der zu hohen Schadstoffbelastung eine Klage der Europäischen Union droht. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) schlugen in einem Brief an den EU-Umweltkommissar Vella kostenlosen ÖPNV zur Schadstoffreduzierung vor. In fünf Modellstädten soll der kostenfreie Verkehr getestet werden.

Für Spliethoff stellt sich die Frage, wer bei solchen Versuchen, wirklich umsteigt. „In Musterstädten, wie der estnischen Hauptstadt Tallinn, steigen viele Fahrradfahrer und Fußgänger um. Für die Umwelt ändert sich dann nichts“, sagte er weiter. Seit 2013 können die Bewohner Busse und Bahnen kostenlos nutzen. Auch die Nordwestbahn ist der Meinung, dass „jede Dienstleistung einen Wert und Preis haben sollte“.

Pendler fordern besseren Ausbau

Trotzdem findet Carsten Hoffmann von Delbus die im Kern Idee gut. „Jede Idee den öffentlichen Verkehr attraktiv zu machen, ist eine gute Idee“, betonte er. Das sehen die befragten Pendler ähnlich. Der Streckenausbau und eine bessere Taktung haben für die Befragten Vorrang. „Ich bin bereit, für gute Leistung zu bezahlen“, erklärte ein Pendler.


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