Kleines Haus Delmenhorst Nackter Hintern rettet „Bella Figura“ nicht

Von Jasmin Johannsen

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Bella Figura im Kleinen Haus in Delmenhorst. Foto: Jasmin JohannsenBella Figura im Kleinen Haus in Delmenhorst. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Eine Beziehungsposse in Zeiten steigender Scheidungsraten bot die Komödie „Bella Figura“ am Donnerstagabend im Kleinen Haus. Ein kleiner Eklat brachte das Publikum trotz langatmiger Inszenierung zum Lachen.

Was passiert, wenn ein Ehebrecher zufällig auffliegt? Er wahrt die Contenance, dank reichlich Alkohol. So reagiert zumindest der Protagonist in dem Theaterstück „Bella Figura“ von Yasmina Reza, das am Donnerstagabend im Kleinen Haus aufgeführt wurde. Ungeachtet vieler Längen amüsierten sich die rund 460 Zuschauer vor allem über die Schlagfertigkeit des Ensembles.

Unfreiwillig gemeinsamer Abend

Wie viele französische Boulevardstücke hat auch diese Komödie das Konfliktpotenzial zwischenmenschlicher Beziehungen zum Thema: Boris (Heio von Stetten) betrügt seine Ehefrau mit der jungen Andrea (Julia Hansen). Durch einen dummen Zufall treffen die beiden in einem Restaurant auf Françoise (Susanne Steidle), die beste Freundin seiner Gemahlin und deren Freund Eric (Christopher Krieg), die den Geburtstag von Mutter Yvonne (Doris Kunstmann) feiern wollen. Nur leider fährt Boris die Jubilarin mit seinem schicken Sportwagen an. Damit ist das Schicksal der Figuren besiegelt – sie verbringen den Abend gezwungenermaßen zusammen.

Langatmiger Fluss trotz nackten Hinterns

Das Stück versucht sich als gesellschaftskritisches Sittengemälde, in dem jede Figur mindestens einmal geschieden ist und vielleicht auch deswegen in einer Sinnkrise steckt. Der missliche Umstand ist nur mit genügend Hochprozentigen und Zigaretten zu ertragen. Und so trinkt und raucht das Ensemble um die Wette, während die Inszenierung von Thomas Goritzki langatmig dahinfließt. Da hilft auch ein schneller Quickie, zur Freude des Publikums mit entblößten Hinterteilen, auf der Restauranttoilette nichts mehr.

Szenenapplaus für Zigaretten-Eklat

Ganz ungeplant lockerte ausgerechnet ein kleiner Eklat die Spielweise auf: Eine Zuschauerin empörte sich lautstark über den Zigarettenrauch. „Sie können gerne den Saal verlassen, wenn Ihnen das nicht passt. Das gehört zu dem Stück“, fiel Heio von Stetten schlagfertig aus seiner Rolle. Fortan wurde der Qualm auffällig provokant in die Publikumsreihen geblasen. Zum Amüsement der anderen Zuschauer: Sie revanchierten sich mit reichlich Szenenapplaus.


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