Delmenhorster Realschule Schulstandort Lilienstraße wächst – und bangt dennoch um Zukunft

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Die Realschule am Standort Lilienstraße soll um zwei Klassen wachsen – was einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2014 aufheben würde. Foto: Melanie HohmannDie Realschule am Standort Lilienstraße soll um zwei Klassen wachsen – was einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2014 aufheben würde. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Rolle rückwärts beim Realschulstandort Lilienstraße: Der Rat wollte den Schulstandort zugunsten der IGS langsam auslaufen lassen. Doch nun wächst die Schule wieder – erst einmal. Unterdessen meldet das Willms Raumbedarf an.

Zwei Jahrgänge der Realschule am Standort Lilienstraße sollen von zwei auf drei Klassenzüge erweitert werden. Dafür hat am Donnerstag der Bildungsausschuss des Stadtrats einstimmig votiert. Mit dieser Vergrößerung der Jahrgänge 6 und 8 ab dem Schuljahr 2018/19 soll auf entsprechende Anmeldezahlen reagiert werden. Ob sich diese partielle Dreizügigkeit hält und wie weiter mit dem Standort verfahren wird, hängt von der im Herbst angekündigten Schulentwicklungsplanung für die Sekundarstufe I ab, weshalb im Beschluss ein Vorbehalt eingebaut wurde.

Realschule sollte eigentlich für IGS weichen

Bestätigt der Rat dieses Votum, würde die Stadt beim Realschulstandort Lilienstraße die Rolle rückwärts vollführen. Denn eigentlich sollte dieser langsam auslaufen, um dann später mit an die Holbeinstraße zu ziehen und so Platz für eine Erweiterung der Integrierten Gesamtschule (IGS) zu machen. So sah ein Ratsbeschluss aus dem Dezember 2014 vor, der nun ausgehbelt würde.

Verwaltung arbeitet an SEK-I-Schulentwicklungsplanung

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Hintergrund für die Rückkehr der Dreizügigkeit ist ein unvermindert großes Interesse an der Realschule, wie Frauke Wöhler (CDU) ausführte, die mit ihrem Fraktionskollegen Michael Adam den Antrag auf Dreizügigkeit gestellt hatte. 2015/16 mussten 30 Schüler abgelehnt werden, 2016/17 waren es 14. Zudem, so Wöhler, habe die IGS „kein Interesse“ mehr am Standort. Diese Entwicklungen bestätigte auch Markus Pragal, der als neuer Erster Stadtrat seinen ersten Auftritt hatte. Die Dreizügigkeit solle gewährleistet sein, bis die Schulentwicklungsplanung vorliege und mehr Fakten auf den Tisch bringe. Zum Beispiel stehe eine Elternbefragung noch aus, die Aufschluss darüber liefern soll, wie gefragt der Realschulstandort künftig sein wird. Auf die Entwicklungsplanung wies auch Antje Beilemann (SPD) mit Nachdruck hin.

Linke und UAD sieht schlechtes Zeichen für Oberschulen

Sollte dieser tatsächlich dauerhaft lebensfähig sein, wäre dies ein schlechtes Zeichen für die Oberschulen. Dieser Meinung waren zumindest Uwe Dähne (UAD) und Edith Belz (Linke). Dähne: „Erstarken die Realschulen, werden die Oberschulen leiden.“ Während der Unabhängige klagte, dass die Oberschulen trotz guter Konzepte nicht angenommen werden, bemerkte Belz, dass Oberschulen durch stärkere Realschulen „zu besseren Hauptschulen mutieren“. Pragal wollte diese Grundsatzdiskussion aufgrund der lückenhaften Faktenlage noch nicht führen.

Plädoyer für die Realschule – Willms braucht Platz

Und doch wurde deutlich, wie heiß die Frage des Fortbestands des Realschulstandorts in Zukunft diskutiert werden könnte: Manfred Lübbers, Realschullehrer und stimmberechtigtes Mitglied im Ausschuss, bekräftigte die Qualität des Systems Realschule. Für den Erhalt der Schule hatten sich auch drei Eltern in der Einwohnerfragestunde ausgesprochen. Lübbers warf später gar dem nicht anwesenden Schulleiter des Willms-Gymnasiums, Stefan Nolting, vor, den Standort bereits jetzt für seine Schule zu beanspruchen. Nolting reagierte auf Nachfrage mit Verwunderung, stritt den Raumbedarf des Gymnasiums – in den letzten vier Jahren sei die Schule um 170 Schüler gewachsen – aber nicht ab. 15 bis 17 Klassen- und Funktionsräume brauche seien Schule ab August 2020. Dieser Bedarf sei der Stadt als Schulträger seit drei Jahren bekannt.

Fortsetzung folgt.


Rückblick:

Schon im April 2010 plante die Verwaltung die Erweiterung der IGS an der Realschule am Standort Lilienstraße. Schule, Lehrer und Eltern waren von den Verwaltungsplänen, die damals noch eigenständige Realschule zu schließen, ziemlich überrascht worden. Selbst der frühere IGS-Schulleiter Ingo Fricke zeigte sich skeptisch. Eltern protestierten massiv.

Später sollte die IGS-Erweiterung an der Lilienstraße im Sommer 2015 durchgesetzt werden, hieß es seitens der Verwaltung im Dezember 2014. Der Bildungsausschuss stimmte aber auf Antrag der SPD für ein sanftes Auslaufen des Standortes Lilienstraße. 2019 wäre die Schule so klein, dass sie problemlos an die Holbeinstraße übersiedeln könnte, hieß es damals. Die CDU war dagegen. Unterdessen beklagte der Personalrat der Schule, nicht frühzeitig in Debatte mit eingebunden worden zu sein. Der SPD-Vorschlag wurde später vom Rat bestätigt. Im Vorfeld hatten Schüler und Eltern ebenfalls protestiert. (fred)

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