Delmenhorster vor Gericht 18 Monate Haft nach 32 Bagatelldelikten

Von Ole Rosenbohm

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Das Amtsgericht Delmenhorst lud 37 Zeugen zur Beurteilung eines Falls mit vielen Bagatelldelikten Foto: dpaDas Amtsgericht Delmenhorst lud 37 Zeugen zur Beurteilung eines Falls mit vielen Bagatelldelikten Foto: dpa

Delmenhorst. Nach einer Vielzahl von kleinen Delikten hat das Delmenhorster Amtsgericht nun entschieden: Ein bekannter Obdachloser in Delmenhorst muss ins Gefängnis.

Vor dem Sitzungssaal 2 des Delmenhorster Amtsgerichts wurden gestern die Plätze knapp: Gleich 37 Zeugen hatte das Schöffengericht um den Vorsitzenden Holger Jurisch geladen, um einem 43-Jährigen den Prozess zu machen. Ein in Delmenhorst Stadtbekannter, vor allem unter Polizisten und Verkäufern. Das Gericht verurteilte ihn wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Schwarzfahren zu eineinhalb Jahren Gefängnis ohne Bewährung.

Deprimierende Geschichte

32 Vorwürfe hatte die Staatsanwaltschaft gegen ihn gesammelt – eine Liste so lang wie die Geschichte deprimierend: Der Mann aus Polen reiste 2011 ein. Zwei Monate arbeitete er seinen Angaben nach in einer Gärtnerei, dann war sein Berufsweg abgeschlossen. Ausgehalten von der Mutter, hielt er sich mit Pfandflaschensammeln über Wasser, kassierte Vorstrafen. Einen Wohnsitz hatte er nie, staatliche Hilfe erhielt er nicht.

Trinken bis zur Ohnmacht

Dafür trank der Mann. „Bis zur Ohnmacht“, sagte er gestern: Schnaps, Bier, Wein, „alles, was da war“, von morgens bis abends.

Glücklich wurde er damit nicht, vielmehr aggressiv. Er bewarf einen Stadtbus mit einer Flasche, von Autos trat er Außenspiegel ab. Und er stahl, meistens Kleinigkeiten: Schnaps, Bier, T-Shirts, Lebensmittel. In einer Fleischerei aß er aus einem Glas Sülze, ließ dann noch Würstchen mitgehen – er hatte Hunger, sagte er. Jede Tat für sich ein Bagatelldelikt, sagte Richter Jurisch, in der Gesamtheit aber eine Gefahr für Sicherheit und Ordnung: Jeder könne sich vorstellen, wie es aussehen würde, wenn sich noch mehr Personen so verhalten würden.

Einbruch in die geräumte Wohnung

In Tankstellen, Einkaufsmärkten oder bei Getränkehändlern hatte der Angeklagte Hausverbot, ohne den Geschäften fern zu bleiben. Sein Verhalten im Mietshaus brachte den Vermieter dazu, seiner Mutter zu kündigen. Als sie ausgezogen war, brach der Angeklagte in die Wohnung ein. „Als Polizist hatte man einmal am Tag mit ihm zu tun – oder hörte seinen Namen über Funk“, so ein Polizist. Und immer war der Mann betrunken.

Strukturwandel im Gefängnis

Seit seiner Verhaftung am 13. Oktober ist das vorbei. Seitdem ist beim Angeklagten, der keine der Anklagepunkte bestritt, so etwas wie Struktur ins Leben eingekehrt. Das Gefängnis tue ihm gut, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. 14 Monate Haft bleiben ihm noch.


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