Ernährungsvortrag in Delmenhorst „Doc Fleck“: Kleine Schweinereien sind in Ordnung

Von Jasmin Johannsen

Gab Tipps zur gesunden Lebensweise: Dr. Anne Fleck in der Testküche des EWE Servicepunkts. Foto: Jasmin JohannsenGab Tipps zur gesunden Lebensweise: Dr. Anne Fleck in der Testküche des EWE Servicepunkts. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Mit richtigem Essen gesund werden – dafür tritt Dr. Anne Fleck nicht nur im Fernsehen ein. Nun war die Ärztin in Delmenhorst und informierte über Ernährungsstrategien.

„Ich bin hier nicht angetreten, um Ihnen das Leben freudlos zu machen“, beruhigte Dr. Anne Fleck am Mittwochabend ihr Publikum. Die Ärztin und Autorin, bekannt aus dem Fernsehformat „Die Ernährungs-Docs“, war in den EWE Servicepunkt gekommen, um vor rund 60 Zuhörern zu erklären, warum schlank alleine nicht gesund ist. Nebenbei räumte „Doc Fleck“, so ihr Spitzname, mit Ernährungsmythen auf.

Bloß keine neue Wunderdiät

„Wenn die Seele gestresst ist, kann Vieles nicht greifen“, so Fleck. Sie empfahl dem Publikum anlässlich des Aschermittwochs „einfach mal blöde Gedanken“ zu fasten und ja keine neue „Wunderdiät“ auszuprobieren. „Für viele Menschen ist die Ernährung eine Ersatzreligion“, kritisierte die Ärztin. Ihr sei es aber wichtig, dass ihre Patienten sich nicht ständig gängeln. Erlaubt sei alles, aber immer nur in Maßen und nicht in Massen. Dazu stellte Fleck eine Ernährungspyramide vor, die an mediterrane Essgewohnheiten angelehnt ist. Gemüse und zuckerarmes Obst würden das Fundament einer ausgewogenen Ernährung legen. Dann folgen Fleisch, Nüsse und Milchprodukte. „Kleine ‚Schweinereien‘ sind übrigens vollkommen in Ordnung“, betonte sie. Das Stück Schokolade sollte aber bestenfalls direkt nach einer Mahlzeit gegessen werden.

Spätes Abendessen kein Problem

Überhaupt ist es ihr ein Anliegen, Ernährungsverbote zu revidieren. So sei Fleisch nicht nur reich an Vitamin B12, sondern auch an tierischen Eiweißen, die nicht ungesünder als pflanzliche seien: „Vegetarier schneiden in vielen Studien nicht besser ab, weil sie kein Fleisch konsumieren, sondern weil sie sich oft allgemein bewusster ernähren.“ Auch das als ungesund deklarierte späte Abendessen sei kein Problem: „Dann essen Sie am Morgen einfach kein Frühstück, sondern ein Spätstück.“ Und auch Fette seien gerade als Geschmacksträger und Energiequelle ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.

Kein Gesundheits- sondern ein Krankheitssystem

Verärgert ist Fleck über die Annahme, dass schlanke Menschen auch gesund seien. „Schlanksein alleine ist kein Ziel. Ein gesunder Körper ist das Ziel“, klärte sie auf. Die „dünnen Dicken“, die trotz schmaler Statur keinen ausgewogenen Lebensstil pflegen, hätten ein ebenso großes Risiko, an Krebs, Diabetes und Demenz zu erkranken oder einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu haben.

Vielen Krankheiten könnten durch die richtige Ernährung vorgebeugt werden. „Leider haben wir in Deutschland kein Gesundheits- sondern ein Krankheitssystem“, so Fleck. Immer noch sei die Präventiv- und Ernährungsmedizin kein öffentlich anerkanntes Fachgebiet. Jeder Mensch sei allerdings anders und müsse sich individuell angepasst ernähren. „Es gibt kein Erfolgsrezept für alle. Lassen Sie sich das nicht einreden.“