Delmenhorster vor Gericht Wegen Computerspielen geschlagen und Folter angedroht

Von Ole Rosenbohm

Die Vorfälle in einer Delmenhorster Wohnung sind jetzt Thema vor dem Landgericht in Oldenburg. Symbolfoto: dpaDie Vorfälle in einer Delmenhorster Wohnung sind jetzt Thema vor dem Landgericht in Oldenburg. Symbolfoto: dpa

Oldenburg. Nötigung, räuberische Erpressung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung – die Liste der Delikte ist lang, weswegen sich ein 28 Jahre alter Mann derzeit vor dem Landgericht Oldenburg verantworten muss.

Ereignet hatte sich der Fall im Juni 2016. In der Delmenhorster Wohnung eines Freundes hatten der Angeklagte und andere zunächst einen Abend mit viel Wodka und Kokain verbracht. Die Stimmung kippte, als einer der Anwesenden beschuldigt wurde, eine Kamera und einige Konsolen-Spiele vom Gastgeber entwendet zu haben. Der vermeintliche Dieb wurde festgehalten, kassierte Ohrfeigen, Faustschläge und Tritte und gab dann unter der Last der Bedrohungen mit Messer und Elektroschocker die Tat zu. Mehr noch: Obwohl Kamera und Spiele längst wieder da waren, wurden er und sein Begleiter gezwungen, eine Art Schuldeingeständnis zu unterschreiben.

Angeklagter gilt als Haupttäter

Stundenlang müssen Opfer und Begleiter dem von vier Anwesenden gebildeten „Tribunal“ ausgeliefert gewesen sein. Das wurde nicht nur aus Anklageschrift und Zeugenaussagen deutlich. Denn schon im Dezember 2016 verhandelte Richter Dirk Reuter gegen drei der vier Beschuldigten. Reuter verhängte damals ob günstiger Sozialprognosen, des jugendlichen Alters (alle waren um die 20 Jahre alt) und wegen der Tatsache, dass alle im jetzt Angeklagten den Haupttäter und -aggressoren ausgemacht hatten, nur Wochenend- und Freizeitarreststrafen. Für die sei es eine komfortable Situation gewesen, „dass Sie nicht da waren“, sagte Reuter jetzt zum Angeklagten.

Mann war nach Griechenland geflüchtet

Der flüchtete damals aus Delmenhorst ins Ausland – nicht vor der Justiz, wie er aussagte, sondern vor Gruppen aus der hiesigen Unterwelt. Im September wurde der Mann dann in Griechenland verhaftet. Jetzt vor Gericht in Oldenburg gab er die allermeisten Vorwürfe zu – etwa dass er die meisten Schläge verabreicht hatte. Im Zuge einer Wiedergutmachung überwies der Mann, vor dessen Skrupellosigkeit sich die Beteiligten im ersten Prozess schon gehörig eingeschüchtert zeigten, dem 22-jährigen Opfer 2000 Euro und gab sich Mühe, eine glaubwürdige Entschuldigung zu formulieren: „Du hast von mir absolut nichts mehr zu befürchten.“ Am Freitag soll das Urteil gefällt werden.