Experte referiert in Delmenhorst Digitalisierung birgt Gefahren für Wirtschaft

Von Paul Wilhelm Glöckner

3D-Drucker sind eine große Chance bei der Digitalisierung in der Wirtschaft. Foto: Michael Reichel/dpa3D-Drucker sind eine große Chance bei der Digitalisierung in der Wirtschaft. Foto: Michael Reichel/dpa

Delmenhorst. Mit dem Möglichkeiten und auch Gefahren der Digitalisierung hat sich der Bremer Professor Josef Decker am Montag in Delmenhorst beschäftigt.

Dass die Logistik in besonderer Weise von der zunehmenden Digitalisierung profitieren kann, ist eine Kernthese des Vortrags gewesen, den Prof. Dr. Josef Decker von der International University Bremen am Montag im Hanse-Wissenschaftskolleg hielt. Vor über 90 Zuhörern berichtete der Physiker über digitale Geschäftsmodelle, die Wirtschaft und Gesellschaft entscheidend verändern werden.

3D-Drucker fertigen Ersatzteile

So können mithilfe der Digitalisierung Produktionsprozesse entscheidend beschleunigt werden, wobei Cyber-Physische-Systeme Daten über Kaufwünsche der Endverbraucher mit Fertigungsabläufen in Zusammenhang brächten. Im einzelnen gehörten zum Einsatz digitaler Systeme in der Logistik bereits heute fahrerlose Staplersysteme oder intelligente Container, die untereinander darüber kommunizieren, welche Teile sie aus welchen Regalen entnehmen und an Einsatzstellen befördern. Ferner würden immer mehr Firmen auf Zulieferung von Ersatzteilen verzichten, weil sie diese mit 3D-Druckern selbst herstellen. Ziel sei eine selbst organisierte autonome Produktion, wobei der Einsatz von Robotern und Drohnen immer mehr an Bedeutung gewänne.

Mensch müsse weiter den Computer steuern

Im Hinblick auf die damit entstehenden Gefahren für den Menschen durch die geschaffene künstliche Intelligenz wünschte sich der Referent eine kollaborative Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Dass dies gelinge, beweise etwa die neu entwickelte Geocatching-Plattform What3words, die es ermögliche, überall auf der Welt genaue Ortsangaben zu machen. So könnten etwa Landeplätze bei Notrettungen aber auch versteckte Eingänge von Firmen bei Lieferungen schnell und sicher ermittelt werden. Doch müsse immer gesichert bleiben, dass der Mensch den Einsatz von Computern steuere und nicht umgekehrt.

Sicherheitskorridor einrichten

Dass eben dies aber auch gefährdet sein könne, wurde in der intensiven Diskussion überaus deutlich: „Sind wir wirklich fähig, die Folgen der Digitalisierung zu begreifen, ist nicht dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet?“, waren nur einige der Fragen. Doch dazu zeigte sich Decker optimistisch: Wir dürfen den Fortschritt nicht behindern, müssen aber einen Sicherheitskorridor in der Entwicklung einrichten.