Bittere Abrechnung in Delmenhorst Klimaschutzmanager kritisiert mangelnde Hilfe

Von Kai Hasse


Delmenhorst. Mangelnde Unterstützung beklagt der Klimaschutzmanager der Stadt Delmenhorst. Er habe so in zwei Jahren kaum etwas erreichen können. Obendrein wird seine Stelle eingespart. Für Ratsmitglieder „ein Armutszeugnis“.

Der Klimaschutzmanager der Stadt, Dr. Christian Pade, hat im Umweltausschuss ein ernüchterndes Fazit seiner bisherigen Arbeit abgegeben. Seine Bilanz glich einer Abrechnung – auch mit der Stadtverwaltung.

15 Minuten Gesprächszeit mit Jahnz

Manches sei gelungen, wie ein Elektromobilitätskonzept, erklärte Pade. Aber ein Projekt zum Energiesparverhalten an Schulen sei an zu wenig Ressourcen gescheitert, die Teilnahme Delmenhorsts am „European Energy Award“ an mangelnder Unterstützung von Stadtstellen, eine interne Kampagne zum Energiesparen ebenso. Pades Bilanz ist bitter, auch was die Mitarbeit im Rathaus angeht. Ein Beispiel: „Meine Gesprächszeit mit dem Oberbürgermeister beläuft sich nach zwei Jahren Arbeit im Rathaus auf 15 Minuten“, sagt er. So sei durch seine Arbeit „der Ausstoß der Treibhausgase nicht gesunken, und im besten Fall gleich geblieben.“ In Fachbereichsleiterkonferenzen habe er nicht sprechen können. Er schloss damit, dass seine Stelle faktisch eingespart wird: Im Nachtragshaushalt, der für die Rettung des JHD nötig wurde, sei eine weitere Förderung für seine Stelle nicht enthalten. Sie endet zum Jahresende.

Nabu: „Ein Armutszeugnis“

Ratsmitglieder reagierten erschüttert: Die Stelle sei nötig, so Gerhard Berger (SPD). „Zwei Jahre ist wenig Zeit zum Umdenken“, stellte Hartmut Rosch, Linke, fest. „Wir können es uns nicht leisten, nichts für den Klimaschutz zu tun, und den Manager dem Nachtragshaushalt opfern“, meinte Harald Schneewind (Grüne). Prof. Dr. Gerd Turowski, Beisitzer vom NABU, sagte, die Stadt scheine unfähig, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. „Dies ist ein Armutszeugnis. Ein Versagen der Klimaschutzpolitik.“

Stadtbaurätin: „Klimaschutz darf nicht zu Ende sein“

Stadtbaurätin Bianca Urban, erklärte, Einsparungen wegen des JHD schmerze alle Bereiche. Klimaschutz sei eine wichtige Arbeit. Bei schwierigen und langfristigen Projekten müsse man Geduld mitbringen, Beharrlichkeit und Charme. „Klimaschutz darf nicht zu Ende sein“, sagte sie. Die Projekte müssten weitergeführt werden. Und Pade mache eine versierte Arbeit. Urban dankte Pade für seine „offenen – und betroffenen“ Worte. Sie sei gesprächsbereit. Pade kommentierte, in zwei Jahren habe er zweimal mit Urban reden können.