Fachleute feiern neue Zeichnung Archivfund erlaubt neuen Blick auf Schloss Delmenhorst

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Delmenhorst. Einen über 400 Jahre alten Architekten-Entwurf für einen Umbau der Delmenhorster Burg zum Renaissance-Schloss hat Herta Hoffmann im Landesarchiv ausgegraben. Der Heimatverein Delmenhorst will diese neue Schloss-Ansicht mit Bildern, Flyern und Postkarten bekannt machen.

Als Herta Hoffmann in einem lange nicht aufgeschlagenen, dicken Aktenbündel im Niedersächsischen Landesarchiv Wolfenbüttel die „wunderbar farbige Zeichnung“ eines Schlosses entdeckt, weiß sie noch nicht, dass diese einen neuen Blick auf die Weiterentwicklung der Delmenhorster Burg im 16. Jahrhundert eröffnet. Aber die stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins Delmenhorst ahnt gleich, dass sie etwas Besonderes in den Händen hält. Sie macht sich auf Spurensuche und mailt noch am selben Abend ein Foto der Zeichnung an den Heimatvereins-Vorsitzenden Friedrich Hübner.

Museumschef nennt Fund „sensationell“

Einige Nachforschungen und zwei Experten-Gespräche später ist ziemlich sicher, dass es sich um einen über 400 Jahre alten Entwurf für den Kapellen- und Zeughausflügel des Schlosses Delmenhorst handelt – „ein sensationeller Fund“, wie der Leiter des Delmenhorster Fabrik- und Stadtmuseums Carsten Jöhnk einordnet. Bisher habe man zum vor über 300 Jahren abgerissenen Schloss „immer die gleichen Abbildungen reproduziert“, jetzt ergänzt das neue Fundstück die Ausstellung im Stadtmuseum. Für die Authentizität sprechen laut Jöhnk der Fundzusammenhang und die Expertise von Dr. Heiner Borggrefe, stellvertretender Direktor des Weserrenaissance-Museums Schloss Brake.

Farbige Entwürfe selten überliefert

„Kolorierte Architekturentwürfe aus der frühen Neuzeit sind selten überliefert“, hebt Borggrefe in einem vom Heimatverein angefragten Gutachten zur Zeichnung hervor. Diese Entwürfe zeigten den Bauherren, wie repräsentativ das Gebäude einmal wirken sollte. Im konkreten Fall habe Graf Anton I. von Oldenburg und Delmenhorst mit dem Umbau seinen Machtanspruch bekräftigen wollen, nachdem er die mittelalterliche Burg 1547 gewaltsam einnahm. Unabhängig davon, ob er genauso realisiert wurde, sei der Fassadenentwurf „eine großartige Entdeckung“ und passe stilgeschichtlich in die Zeit um 1550. Farbgebung, Säulen und Treppenturm ähneln Renaissanceschlössern dieser Zeit.

Reproduktionen hängen in Rathaus und Museum

Allen Delmenhorstern den neuen Blickwinkel auf „ihr“ Schloss zu eröffnen, hat sich der Heimatverein Delmenhorst zur Mission gemacht. Reproduktionen des Bildes hat Vereinsvorsitzender Hübner am Dienstag an den Delmenhorster Oberbürgermeister Axel Jahnz sowie an Museumschef Jöhnk übergeben. Zudem liegen ab sofort Flugblätter mit dem Schloss in Rathaus, Bücherei und Museum aus. Postkarten sollen bald hinzukommen. „Geschichte muss gegenwärtig sein in einer Stadt“, betonte Jahnz bei der Hängung des Bildes im Rathausflur und dankte Verein und Finderin Hoffmann.

Heimatforscherin plant nächsten Archivbesuch in München

Die Heimatforscherin erinnert sich genau an den Fundort der Zeichnung: „Sie lag mittendrin in einem Gutachten, in dem der Hausvogt Bedenken gegen den von Herzog August geplanten Bau eines pompösen Marstalls im Hof des Delmenhorster Schlosses äußert.“ Das Gutachten müsse um 1630 entstanden sein, die ältere Zeichnung lag bei. Nachdem dieses Rätsel nun gelöst ist, kann sich Herta Hoffmann wieder ihrem eigentlichen Forschungsgegenstand widmen: Delmenhorsts letzter Gräfin Sibylla Elisabeth. Nachdem sie 37 Jahre lang als Lehrerin mit den Max-Planck-Gymnasiasten gern in der Lokalgeschichte unterwegs war, arbeitet die Pensionärin jetzt an ihrer Promotion. Die nächsten Archivbesuche sind schon geplant: Briefe der Gräfin liegen in Kopenhagen und München bereit.


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