Chris Tall Brachialhumor „zwischen Porno und Pilcher“ in Delmenhorster Divarena

Von Jasmin Johannsen

„Wolfgang – das ist der Kevin der Fünfziger“: Chris Tall witzelte gerne über sein Publikum – das ihn wiederum mit viel Applaus dafür belohnte. Foto: Melanie Hohmann„Wolfgang – das ist der Kevin der Fünfziger“: Chris Tall witzelte gerne über sein Publikum – das ihn wiederum mit viel Applaus dafür belohnte. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. „Darf er das?“ Chris Tall gastierte am Freitagabend mit seinem neuen Programm „Und jetzt ist Papa dran!“ in der Delmenhorster Divarena. Das Publikum überzeugte der Komiker trotz ambivalenter Botschaft.

Dass Chris Tall nichts von politischer Korrektheit hält, stellt er seit Jahren unter Beweis. Witze über Farbige, Behinderte und Homosexuelle bilden auch in seinem neuen Programm „Und jetzt ist Papa dran!“ einen Schwerpunkt, wie der Comedian am Freitagabend in der ausverkauften Divarena zeigte. An seiner „Darf er das?“-Attitüde fand das Delmenhorster Publikum augenscheinlich Gefallen: Es dankte dem 26-Jährigen abschließend mit stehenden Ovationen.

Publikum kriegt sein Fett weg

„Das ist hier kein Fernsehen! Ich kann Euch verstehen und auch mit Euch sprechen!“ Was sich zu Anfang des Abends beinahe wie eine Drohung gegen die Zuschauer anhörte, machte Tall zu einem Kernstück seines Auftritts. Immer wieder sprach er das Publikum an, pickte sich einzelne Gäste heraus, die zum Running Gag mutierten. Besonders stark hatte es einen Zuschauer erwischt, der sich erdreistete, nicht zu klatschen. „Wolfgang – das ist der Kevin der Fünfziger“, witzelte Tall über dessen Namen und das Publikum johlte. Eine andere Zuschauerin fragte er nach ihrem Beruf. Als diese „Nageltante“ antwortet, lieferte sie Tall die perfekte Steilvorlage: „Echt? Du arbeitest hier im Puff?“

Es waren nicht die originellsten Sprüche, die der Comedian mit lautem Organ auf das Publikum abfeuerte. „Ich habe den Fahrstuhl genommen, weil die Treppe leider kaputt war“, deklarierte der Hamburger selbst zu einem seiner besten Gags. Von Tall animiert klatschten die Zuschauer mit.

Namensgeber des Programms taucht eher seltener auf

Über den Namensgeber des Programms – Vater Tall – erzählte der 26-Jährige während seines Stand-ups vergleichsweise wenig. Neben dem „Survival-Wochenende“ im Hamburger Stadtpark („In meinem braunen Schlafsack sah ich aus wie ein Hotdog“) erinnerte sich der Comedian vor allem an die väterlichen Aufklärungsversuche „zwischen Porno und Pilcher“. Und fragte prompt einen Zehnjährigen im Publikum: „Hast du schon mal gebumst?“ Es waren solche Sätze, bei denen den Zuschauern kurz der Atem stockte und Tall sogleich auf sein T-Shirt zeigte. Dort prangte in großen Lettern „Darf er das?“

20 Minuten Rechtfertigungen

Anscheinend hat der 26-Jährige nach einigen medialen Kontroversen selbst keine eindeutige Antwort mehr auf diese Frage. Wie ist es sonst zu erklären, dass Tall nach Witzen über Bruce Darnell („Ist das Baumwolle in deinen Händen?“) oder Homosexuelle („Ich sehe selbst wie eine Lesbe aus: kurze Haare, dick und kleine Titten“) die letzten 20 Minuten seines Auftritts darauf verwendet, sich zu rechtfertigen? „In meiner Show sind alle willkommen, scheißegal wer oder was du bist“, versicherte der Hamburger. Zeitgleich distanzierte er sich von rechtspopulistischen Gesinnungen, in deren Kerbe er zuvor noch mit seinen Sprüchen angelehnt an das ewig gestrige „Das wird man ja wohl mal sagen dürfen“ geschlagen hatte.

Das versöhnliche Ende nahmen die Zuschauer gerne an: Sie applaudierten dem erfolgreichen Newcomer minutenlang.

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