Kabarett „Schlachtplatte“ entfaltet in Delmenhorster Markthalle volle Wucht

Von Jasmin Johannsen

„Wie ein besoffener Teenager im Weißen Haus“: US-Präsident Donald Trump kam beim Kabarett Quartett Robert Griess (v.li.), Chin Meyer, Guntmar Feuerstein und Fred Ape besonders schlecht weg. Foto: J. Johannsen„Wie ein besoffener Teenager im Weißen Haus“: US-Präsident Donald Trump kam beim Kabarett Quartett Robert Griess (v.li.), Chin Meyer, Guntmar Feuerstein und Fred Ape besonders schlecht weg. Foto: J. Johannsen

Delmenhorst. Von Teenagern im Weißen Haus bis zur rechtspopulistischen Hetze: Mit jeder Menge Kritik am Jahr 2017 gastierte am Mittwochabend das Satiriker-Quartett „Schlachtplatte“ in der Delmenhorster Markthalle.

„Yippie I oh, yippie I aye“ – Zur Musik von Johnny Cash ritt am Mittwochabend das Kabarett-Quartett „Schlachtplatte“ in der ausverkauften Markthalle ein. Die unerschrockenen Vier schossen zu ihrem Jahresrückblick scharf aus der Satire-Pistole und zogen kein schmeichelhaftes Resümee über 2017: Die Welt sei im vergangen Jahr zum Wilden Westen verkommen, in dem es scheinbar keine Regeln mehr gibt.

Donald Trump als dankbares Ziel für boshafte Spitzen

Robert Griess, Chin Meyer, Fred Ape und Guntmar Feuerstein ließen vor allem an der Politik – ob im In- oder Ausland – kein gutes Haar. Und das wortwörtlich, denn immer wieder bot die Frisur Donald Trumps ein dankbares Ziel für boshafte Spitzen. Ob er nun wirklich einen „toten Biber“ auf dem Kopf trägt oder nicht, blieb ein Rätsel. Dafür gab Robert Griess dem US-amerikanische Geheimdienst einen schwarzhumorigen Tipp und fragte: „Wo ist die CIA eigentlich, wenn man sie braucht? Könnten die nicht mal wieder eine Spazierfahrt im Cabrio durch Dallas organisieren?“ Denn in einem sind sich die vier Kabarettisten einig: „Trump verhält sich wie ein besoffener Teenager und muss aus dem Weißen Haus vertrieben werden.“

Rechte Diskussion ad absurdum geführt

Dass Rassismus und die Hetze gegen Geflüchtete nicht nur in den USA Konjunktur hat, sondern auch in Deutschland immer salonfähiger wird, kritisierte Chin Meyer in seinem Solo-Stück pointiert. Er machte deutlich, dass doch auch alle Deutschen irgendwie Flüchtlinge seien. „Ich weiß, man sieht es mir nicht an aber meine Eltern kommen aus dem Nahen Osten – aus Ostpreußen“, witzelte der gebürtige Hamburger und das Publikum johlte. „25 Prozent der Deutschen haben slawische Gene, sind also sozusagen Undercover-Polen“, fügte Meyer hinzu und führte damit die rechtspopulistische Diskussion über Herkunft ad absurdum.

Kleinere Patzer sind verzeihlich

Überhaupt stachen Griess und Meyer mit ihren sarkastischen Sprüchen und Pointen im Sekundentakt hervor, während Fred Ape und Guntmar Feuerstein an ihren Gitarren ganz in der Tradition altbekannter Liedermacher schwelgten. Ihre leisen ironischen Töne gingen zuweilen etwas unter. Wenn die Vier jedoch für Sketche zusammen auf der Bühne standen, zeigte sich das ganze Potenzial der „Schlachtplatte“. Da fielen auch kleine Text-Patzer und Pannen nicht weiter ins Gewicht: Die sozialkritischen und messerscharfen Gesellschaftsanalysen des Quartetts sorgten für ständiges Lachen und viel Applaus.