dk-Interview Kabarett-Urgestein Konrad Beikircher kommt nach Delmenhorst

Von Marco Julius

Konrad Beikircher, geboren am 22. Dezember 1945 in Südtirol, ist Kabarettist, Autor, Musiker und Rheinländer aus Überzeugung. In seinen Kabarettprogrammen hat er sich oft der Eigenheiten des Rheinländers angenommen. Er ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden und hat auch das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen bekommen. Foto: M. GrandeKonrad Beikircher, geboren am 22. Dezember 1945 in Südtirol, ist Kabarettist, Autor, Musiker und Rheinländer aus Überzeugung. In seinen Kabarettprogrammen hat er sich oft der Eigenheiten des Rheinländers angenommen. Er ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden und hat auch das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen bekommen. Foto: M. Grande

Delmenhorst. Er hört auf einen wunderschönen Namen, ist gebürtiger Südtiroler und gelernter Rheinländer. Und er ist so etwas wie ein Urgestein des deutschen Kabaretts: Konrad Johann Aloysia Beikircher blickt in diesem Jahr auf 40 Jahre Bühnenerfahrung zurück. Am Samstag, 10. März 2018, ist der sprachgewandte Künstler mit seinem Programm „Passt schon!“ zu Gast in der Divarena. Im Interview spricht er über Heimat, die Tieferlegung der Gürtelinie und den Anarchisten im Rheinländer.

dk: 40 Jahre stehen Sie nun schon auf den deutschen Kabarettbühnen. Eine lange Wegstrecke…

Konrad Beikircher: Jetzt, wo Sie es sagen – stimmt. Am 28. März 1978 hatte ich meinen allerersten Auftritt. Sollte man etwas draus machen (lacht). Aber ich bin nicht so der Jubiläumstyp - und ich bin auch keine Archivnatur.

Sie bezeichnen sich selbst aber noch als Kabarettisten. Heute heißen die Humorarbeiter Comedians. Merkt man da, dass man älter wird?

Ich habe die Tieferlegung der Gürtellinie miterlebt. Das begann für mich mit Stefan Raab. Ich fand das nie besonders schön. Der Humor ist rougher, greller, rauer geworden, das hat sicher auch seine Berechtigung. Ich bin da aber etwas old fashioned, da merkt man dann vielleicht das Alter. Heute zählt der schnelle kurze Gag, ich erzähle aber lieber etwas ausschweifend. Mein Publikum finde ich damit noch immer, auch wenn viele im Saal mit mir älter geworden sind. Über den Sänger Klaus Hoffmann sagt man, es gebe in jeder Stadt noch immer 600 Lehrerinnen, die ihn sehen wollen. Bei mir sind es vielleicht etwas weniger (lacht).

An Ruhestand denkenSie also noch nicht?

Aufhören könnte ich gar nicht, da fiele mir sofort der Himmel auf den Kopf. Ich stehe noch immer gern auf der Bühne und mache genau das, was mir Spaß macht. Ich muss mich nicht verbiegen. Das musste ich nie in den 40 Jahren auf der Bühne, das war in meinem Beruf als Knastpsychologe vorher anders. Mir ist bewusst, dass das jetzt ein Luxus ist.

In Ihrem Programm „Passt schon!“, das Sie in der Divarena spielen werden, geht es viel um den Rheinländer an sich. Was macht ihn aus?

In der Seele ist der Rheinländer Anarchist. Er verachtet Obrigkeiten. Und weil das Hochdeutsche dank Luther die Schlacht gewonnen hat, verbündet sich der Rheinländer mit dem Süden und will Rache.

Sie sezieren in Ihren Programmen nicht nur die Sprache des Rheinländers. Sie gelten allgemein als Freund der Sprache und vor allem der Dialekte. Was bedeutet Sprache für Sie?

Sprache ist immer ein Stück Heimat. Und ohne Heimat kann man nicht leben.

Das Thema Heimat trendet ja heute wieder, wie man neudeutsch sagt. Was genau ist für Sie Heimat?

Heimat signalisiert Zugehörigkeit. Und die sucht man. Über die Sprache, über Gemeinsamkeiten. Gerade in einer Welt, die immer komplizierter wird und die man kaum noch durchblickt. Je komplizierter die Welt, desto größer der Drang zur Heimat.

Wo liegt Ihre Heimat?

Ich bin in Südtirol geboren und aufgewachsen, das ist meine Heimat. Mein Zuhause ist das Rheinland.

Geben Sie mir recht, wenn ich sage, dass Sie sich auch in der Sprache zuhause fühlen?

Sprache ist immer etwas, was interessant ist und bleiben wird. Auch im Humor. Bei vielen Comedians ist das Interesse an Sprache und dem Spiel mit ihr etwas verloren gegangen, aber ich bin optimistisch, dass das zurückkommt. Und noch bin ich ja da (lacht).


Karten für die Vorstellung am Samstag, 10. März 2018, 20 Uhr, in der Divarena gibt es ebendort, unter www.divarena.de und im dk-Kundencenter.