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07.02.2018, 09:27 Uhr KOLUMNE

Quergedacht: Lecker Bütterken

Von Marco Julius


So oft wie Leckermäulchen Lichter jetzt im Trödel-Topf rühren darf, ist es nur eine Frage der Zeit, bis den Schatzsuchern der Tinnef zu viel wird Foto: Christian Charisius/dpaSo oft wie Leckermäulchen Lichter jetzt im Trödel-Topf rühren darf, ist es nur eine Frage der Zeit, bis den Schatzsuchern der Tinnef zu viel wird Foto: Christian Charisius/dpa

Delmenhorst. Die Zeiten, in denen das Fernsehen als modernes Lagerfeuer für die ganze Familie galt, vor dem man sich allabendlich versammelte, um sich die Herzen zu wärmen, sind passé. Doch da gibt es einen, der hält das Feuer am Lodern.

Oder, um ein Bild zu wählen, das besser zu ihm passt: Der passt auf, dass der Herd nicht ausgeht, dass das Süppchen weiter köchelt.

Lecker Bütterken

Die Rede ist von TV-Koch Horst „Ich tu mal mehr lecker Bütterken dabei“ Lichter. Seit 2013 schon moderiert er im ZDF eine Sendung, in der er ganz ohne Kochlöffel auskommt, die seinem Publikum aber derart mundet, dass das Format jetzt die quotenstärkste Sendung im gesamten Nachmittagsprogramm ist und nun auch in Prime-Time-Ausgaben die Möglichkeiten des Programms – nun ja – vertrödelt. „Bares für Rares“ heißt die Sendung, in dem Gedöns vom Dachboden, Krimskrams aus dem Keller und Zinnober von der Omma an skurrile Antiquitätenhändler mit seltsamen Dialekten meistbietend verhökert wird. Lichter, nicht dafür bekannt, im aufwendigen Niedrigtemperaturverfahren Gemüse der Saison sanft zu garen, lobt den Krempel und entlockt den Menschen, die den Klumpatsch anschleppen, Geschichten, an denen soviel Bütterken klebt, dass die Antiquitätenhändler aus Mitleid noch tiefer in ihren Dialekt verfallen. Das wärmt das Publikum, macht kurz satt und dann wieder Appetit auf mehr – auch deshalb, weil jeder glaubt, selbst im Keller noch Schätze statt Leichen zu finden. Doch so oft wie Leckermäulchen Lichter jetzt im Trödel-Topf rühren darf, ist es nur eine Frage der Zeit, bis den Schatzsuchern der Tinnef zu viel wird.


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