Denkanstoß für Delmenhorster Kohlfahrer Müll und Lärm von Kohlfahrern ärgert Heidkrugerin

Von Sonia Voigt

Leere Flaschen und anderer Abfall kommen in die Mülltüte am Bollerwagen: Was für Kira Burgsdorf (re.) und ihre Kohlfahrt-Truppe klar ist, bereitet anderen Kohlfahrern Probleme - sehr zum Ärger von Rollstuhlfahrerin Tina Sakautzky und Assistenzhund Dusty. Foto: Sonia VoigtLeere Flaschen und anderer Abfall kommen in die Mülltüte am Bollerwagen: Was für Kira Burgsdorf (re.) und ihre Kohlfahrt-Truppe klar ist, bereitet anderen Kohlfahrern Probleme - sehr zum Ärger von Rollstuhlfahrerin Tina Sakautzky und Assistenzhund Dusty. Foto: Sonia Voigt

Delmenhorst. Assistenzhund Dusty ist hart im Nehmen, aber die Gettoblaster und Kanonenschläge mancher Kohlfahrer machen ihm zu schaffen. Sein Frauchen ruft Gruppen in Heidkrug und anderswo in Delmenhorst und umzu zur Rücksicht auf.

Reichlich Müll und Glasscherben, benutztes Toilettenpapier in den Gräben, lärmende Gettoblaster und Silvesterböller sowie grölende Gruppen, die nicht einmal für einen Rollstuhl den Weg frei machen: So fasst Heidkrugerin Tina Sakautzky ihre Eindrücke von den negativen Begleiterscheinungen eines Kohlfahrtwochenendes zusammen. „Mir ist unbegreiflich, warum fröhliche Kohlfahrten solche Ausmaße annehmen“, sagt die 53-Jährige. Sie habe selbst schon viele Kohlfahrten mitgemacht, „aber ohne die Umwelt zu vermüllen, Menschen zu verärgern und Tiere zu erschrecken“ –und dazu will sie nun auch andere aufrufen.

Gastwirt spricht von Ausnahmen

„Ich habe keine Beschwerden von Anwohnern bekommen“, sagt der Heidkruger Gastwirt Bernd Schierenbeck zur laufenden Kohlfahrt-Saison. Obwohl er auch dieses Jahr wieder an 13 Terminen Kohlfahrt-Gruppen in der Gastronomie Schierenbeck und der Remise begrüßt, sind ihm kaum Probleme bekannt. „Natürlich liegen mal Flaschen rum, aber die meisten nehmen ihren Müll wieder mit“, sagt der Gastwirt. Das sehe man auch an den Bollerwagen, die in der Gastronomie untergestellt werden.

Volle Mülltüte am Bollerwagen

So hält es auch die aus Bremen angereiste Gruppe um Kira und ihren Vater Frank Burgsdorf, die am Samstag in Heidkrug unterwegs ist, bevor es zu Backenköhler nach Stenum weitergeht. „Unser Wagenzieher hebt jeden Kronkorken auf“, sagt Kira Burgsdorf. Die volle Mülltüte am Bollerwagen belegt den Einsatz. Als irgendwo ein Böller knallt, wird der Übeltäter immerhin schnell mit einem „Hey, lass das“ eingenordet.

Kanonenschläge erschrecken Assistenzhund

Anwohnerin Tina Sakautzky ist das nicht nur für sich selbst wichtig. „Dusty ist aufgrund seiner Ausbildung zum Behindertenbegleithund ziemlich schmerzfrei, was Lärm und Menschenmassen angeht, aber bei plötzlichen Kanonenschlägen kommt er doch etwas aus der Spur“, erklärt sie. Silvester rechne man mit Böllern, im Februar oder März aber nicht. Das bedeute unnötigen Stress für ihren zehnjährigen Golden Retriever, der für die Rollstuhlfahrerin Ampelknöpfe drückt, ihr Handy bringt und Laut gibt, falls sie einen epileptischen Anfall nahen spürt. Und auch die vielen Glasscherben seien für Tierpfoten gefährlich.

Denkanstoß für Kohlfahrer

„Wenn uns hier entlang des Ackers oder in der Nähe etwas auffällt, sammelt der Hausmeister schon mal Glas ein“, ergänzt Schierenbeck. Der Lärm hält sich nach seiner Beobachtung auch meist in Grenzen. Kürzlich sei ihm aber eine Gruppe aufgefallen, die viel mit Böllern rumgeknallt hat. „Das ist natürlich nicht so schön, aber eine Ausnahme“, sagt der Gastronom. Tina Sakautzky hat indes schon den Eindruck, dass die Probleme über die Jahre zunehmen und der Respekt weniger wird – und hofft nun, dass ihr Denkanstoß für Organisatoren und Teilnehmer von Kohlfahrten zumindest etwas hilft.