Suche nach geeignetem Sitzungssaal Prozess gegen Todespfleger Niels Högel frühestens im Oktober

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Vermutlich ab Oktober steht Niels Högel erneut vor Gericht. Er muss sich für 97 Morde verantworten. Foto: Ingo Wagner/dpaVermutlich ab Oktober steht Niels Högel erneut vor Gericht. Er muss sich für 97 Morde verantworten. Foto: Ingo Wagner/dpa

Oldenburg. Der Prozess gegen Todespfleger Niels Högel startet frühestens im Oktober. Dies hat das Landgericht Oldenburg am Freitag bekanntgegeben. Ihm werden 97 weitere Mordfälle in Delmenhorst und Oldenburg vorgeworfen.

Derzeit findet laut Mitteilung des Landgerichts das sogenannte Zwischenverfahren statt: Es wird seitens der Schwurgerichtskammer geprüft, ob ein hinreichender Tatverdacht besteht. „Für den Fall, dass dieser bejaht und das Verfahren eröffnet wird, beabsichtigt die Kammer die Hauptverhandlung an den ordentlichen Sitzungstagen alle drei Wochen donnerstags und freitags stattfinden zu lassen“, heißt es in der Mitteilung. Högel soll sich für 97 Morde verantworten, 35 soll er am Klinikum Oldenburg begangen haben, 62 bei seiner anschließenden Tätigkeit in Delmenhorst. Der drei wöchige Abstand der Termine sei erforderlich, um weitere Verfahren, insbesondere vorrangige Haftsachen, ordnungsgemäß bearbeiten zu können.

Verhandlungsort steht noch nicht fest

„Der Umstand, dass die Hauptverhandlung jeweils an zwei aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden soll, ist begründet durch den organisatorischen Aufwand, der erforderlich ist, einen geeigneten Sitzungssaal zu schaffen“, teilt das Landgericht mit. Der Ort der Hauptverhandlung werde gegenwärtig eruiert und bekannt gegeben, sobald er endgültig feststeht. Der frühestmögliche Beginn der Hauptverhandlung wäre laut Landgericht nach gegenwärtigem Stand der 18. oder 19. Oktober 2018, möglicherweise aber auch ein oder mehrere Wochen später. Durch etwaig vorrangig zu bearbeitende Haftsachen könnte der avisierten Zeitpunkt jedoch auch nach hinten verschoben werden.


Die Krankenhaus-Mordserie von Niels Högel

1999-2002: Niels Högel arbeitet im Klinikum Oldenburg.

Februar 2000: Högel begeht den Ermittlungen zufolge seinen ersten Mord auf der Intensivstation im Klinikum Oldenburg

2003-2005: Der Pfleger arbeitet auf der Intensivstation im Klinikum Delmenhorst.

Juni 2005: Eine Krankenschwester ertappt den Mann im Klinikum Delmenhorst, als er einem Patienten ein Mittel verabreichen will, das dieser gar nicht bekommen soll.

2006: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Niels Högel wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof kippt das Urteil.

Juni 2008: Im Revisionsprozess verurteilt das Landgericht Oldenburg den Mann zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen Mordversuchs.

Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft erhebt erneut Anklage gegen Högel, der Prozess beginnt im September.

November 2014: Eine Sonderkommission der Polizei ermittelt. Sie geht inzwischen mehr als 200 Verdachtsfällen nach.

Januar 2015: Niels Högel gesteht vor Gericht etwa 90 Taten. Bis zu 30 Patienten sollen gestorben sein.

Februar 2015: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Niels Högel wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung an Patienten in Delmenhorst zu lebenslanger Haft.

Juni 2016: Die Ermittler geben bekannt, dass Niels Högel für weitere Todesfälle am Klinikum Delmenhorst verantwortlich ist. Högel habe gestanden, auch in Oldenburg Patienten getötet zu haben.

August 2017: Ermittler gehen im Fall von Niels Högel mittlerweile von der größten Mordserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte aus: Er habe mindestens 84 weitere Menschen auf dem Gewissen.

November 2017: Toxikologische Untersuchungen bestätigen, dass Högel für rund 100 Todesopfer in Delmenhorst und Oldenburg verantwortlich ist.

Januar 2018: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg erhebt erneut Anklage gegen Högel in 97 Mordfällen.

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