Sprachen lernen im MGH Stuhr-Brinkum Kulturen treffen im Englischkurs aufeinander

Von Kai Hasse

Die Gruppenmitglieder (v.l.) Barbara Wilhelmy, Elke Hinrichs, Jens Tegtmeyer, Uwe Ströhemann, Nour Alothman, Alaa Tabbakh, Hella Brings, vorne Rebecca Bremermann und Helga Komoss. Foto: Daniela GräfDie Gruppenmitglieder (v.l.) Barbara Wilhelmy, Elke Hinrichs, Jens Tegtmeyer, Uwe Ströhemann, Nour Alothman, Alaa Tabbakh, Hella Brings, vorne Rebecca Bremermann und Helga Komoss. Foto: Daniela Gräf

Stuhr-Brinkum. Unterschiedliche Lebenswege und kulturelle Hintergründe – vom jungen Syrer über den Auswanderer bis zum Senioren – treffen beim Englischkurs aufeinander. Ein Beispiel dafür ist die „English Conversation Group“ im Mehrgenrationenhaus Stuhr-Brinkum.

Englisch lernen ohne Buch, ohne Lehrer, ohne einen Kurs zu besuchen − das geht, sagen die Teilnehmer der offenen English Conversation Group, die sich jeden Donnerstagabend im Mehrgenerationenhaus Stuhr-Brinkum treffen. Dabei ist die Gruppe nicht nur eine, die dem reinen Spracherwerb dient, sondern auch eine, in der Generationen und Kulturen zusammenfinden. Wie unterschiedlich die Teilnehmer der Gruppe sind, zeigt schon der Altersunterschied: der Jüngste ist 20, die Älteste 80 Jahre alt.

Abendkurs für Berufstätige

Bei ihren Treffs werden keine Grammatik und unregelmäßige Verben gepaukt. Anfänger, Fortgeschrittene und Muttersprachler plaudern in fröhlicher Runde. Vokabeln und Grammatik fließen am Rande mit ein. Die Idee zu einer Konversationsgruppe kam von Rebecca Bremermann – einer ehemalige Altenpflegerin, 66, aus Michigan in den USA. Sie folgte ihrem deutschen Mann 1971 in seine Heimat und wohnt seither in Moordeich. Sie rief bereits zwei „English Breakfast“-Gruppen ins Leben. Mit Uwe Ströhemann, 59, gründete sie dann 2015 die abendliche English Conversation Group, damit auch Berufstätige ihr Englisch pflegen können.

Kampf dem „Mole“

An Gesprächsthemen fehlt es der Gruppe nie, allein schon wegen der unterschiedlichen Lebensgeschichten ihrer Mitglieder. Da wäre Helga Komoss: Ihr Englisch war „nicht so gut“, sagt sie. Das änderte sich. Die Hobby-Gärtnerin kennt mittlerweile ihren ärgsten Feind mit Namen: „Mole“ – Maulwurf. „Aber das Problem mit den ‚moles‘ hat sich inzwischen gelöst“, sagt sie. Denn: Sie besitzt jetzt einen „robot lawnmower“ – einen Roboter Rasenmäher.

Noch ein Beispiel: Nour Alothman aus Aleppo. Der 20-Jährige ist seit 2015 in Deutschland. Englisch lernte er bereits in Syrien und war froh, sich während seiner Flucht damit überall verständigen zu können. „Der Vergleich der unterschiedlichen Kulturen ist bei uns in der Gruppe immer ein spannendes Thema“, so Alothman. Einmal habe er Uwe Ströhemann gefragt, was das englische Wort ‚stubborn‘ bedeute. Antwort: „Stur, aber ohne H.“

Groß rausgekommen in Australien

Und die Gruppe trägt über schwierige Lebensabschnitte hinweg, wie bei Jens Tegtmeyer. Der 79-Jährige wanderte 1958 in die USA aus. Vor vier Jahren kam der gebürtige Bremer nach Deutschland zurück, weil seine Frau schwer krank war. Seit 2017 nimmt er nun regelmäßig an der Gruppe teil. „Es war gut hier zu sehen, dass das Leben trotz der belastenden Situation weitergeht und Spaß machen kann“, erzählt Tegtmeyer.

Andere kommen‚ um „im Flow zu bleiben“, wie Elke Hinrichs. Die 53-Jährige will sich besser mit dem Schwiegersohn in Australien unterhalten können. Zur Hochzeit der Tochter musste Hinrichs Mann die Brautrede halten. „Die Gruppe hat geholfen, seine Rede ins Englische zu übersetzen. Er ist ganz groß rausgekommen.“

Neue Gäste sind willkommen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Infos unter Telefon (0421) 80 60 98 74.