Klientel mit besonderer Leidenschaft 25 Jahre Disco für Menschen mit und ohne Behinderungen in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe

Dieses Jahr wird die integrative Disco „People are People“ 25 Jahre alt. Im August wird die 300. Disco besonders groß aufgezogen. Unter anderem wollen Cornelia Brunßen und Ramona Schmidt von der Villa und Mario Berger-Naujoks vom Fachdienst Jugendarbeit auch im Innenhof der Villa feiern. Foto: Frederik GrabbeDieses Jahr wird die integrative Disco „People are People“ 25 Jahre alt. Im August wird die 300. Disco besonders groß aufgezogen. Unter anderem wollen Cornelia Brunßen und Ramona Schmidt von der Villa und Mario Berger-Naujoks vom Fachdienst Jugendarbeit auch im Innenhof der Villa feiern. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Die integrative Disco „People are People“ geht in ihr 25. Jahr. Über die Jahre ist sie für Menschen mit und ohne Behinderungen zu einem einzigartigen Ort mit besonderer Außenwirkung geworden. Der Geburtstag wird mit drei großen Mottopartys gefeiert.

Es waren die Neunziger, es war die Zeit der fragwürdig gepunkteten Westen, der eigenartig gestreiften Oberteile und der Latzhosen. Diesen Eindruck zumindest vermittelt eines der ältesten Bilder aus dem dk-Archiv zur integrativen Disco „People are People“, das 1997 entstand (siehe unten). Modisch gesehen unterschied sich die Partyreihe also kaum vom Rest Deutschlands. Mit ihrem integrativen Ansinnen aber, Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenzubringen, sticht die Disco bis heute weit über die Stadtgrenzen hervor: In diesem Jahr wird „People are People“ 25 Jahre alt.

Anfänge in den 70er Jahren

Die Anfänge der Reihe sind bereits in den 70er Jahren in Delmenhorst zu verorten, erzählt Mario Berger-Naujoks vom Fachdienst Jugendarbeit der Stadt. „Schon damals gab es Angebote, die sich an Kinder oder Jugendliche in den städtischen Jugendhäusern richteten. Unter anderem auch Faschingspartys“, sagt der Pädagoge. „Mit der Zeit merkte man aber, dass barrierefreie Angebote fehlten.“ Anfang der Neunzuger Jahre entstand darum die Idee der integrativen Disco im Familienzentrum Villa an der Oldenburger Straße. ’93 dann die Premiere: „Im inklusiven Sinne“, betont Berger-Naujoks, „war und ist die Disco ein Angebot an alle Erwachsenen.“

Einzigartig in der Region

Mit diesem Konzept stellt die Disco an jedem dritten Samstag im Monat etwas ziemlich Einzigartiges in der Region dar: „Über die Jahre wuchs die Zahl derer, die nicht aus Delmenhorst kamen, immer mehr an. Heute kommen Besucher aus Oldenburg, Wilhelmshaven, Weyhe oder Vechta und nehmen teilweise stundenlange Fahrten in Kauf“, sagt Ramona Schmidt. Die Mitarbeiterin des Familienzentrums Villa und ihre Kollegin Cornelia Brunßen komplettieren mit Berger-Naujoks das Organisationsteam der Discoreihe.

Türsteher gibt es auch hier

Dass diese – selbst als Angebot für alle – vor allem von jungen Menschen mit Behinderungen besucht wird, ist kein Geheimnis. Bewohner des Albertushofs oder aus Wohneinrichtungen der Lebenshilfe zählen beispielsweise zum Besucherstamm, auch wenn Berger-Naujoks, Schmidt und Brunßen kaum Auskunft über das Verhältnis der Besucherschaft machen können. Schmidt: „Das schwankt. Und oft sieht man ja auch nicht, ob jemand eine Behinderung hat, oder nicht.“ Trotzdem: Mit dieser Klientel haben sich einige Eigenarten etabliert: „Um 20 Uhr muss die Tür aufgehen – sonst gibts Ärger“, sagt Brunßen schmunzelnd. „Auch ist die Tanzfläche immer sofort voll. Rumstehen und verlegen warten, damit man nicht als einziger tanzt – das gibt es nicht.“ Ein Umstand, der dem Personal jede Menge Spaß bereitet, wie Schmidt erzählt. Insgesamt sind bei jedem Abend zwölf Kräfte mit dabei, von der Thekenkraft und der pädagogischen Betreuung – bis zum Türsteher.

Besondere Leidenschaft der Besucherschaft

In diese Hinsicht ist „People are People“ wiederum ziemlich normal, wenn man das Wort denn verwenden will. „Eifersüchteleien, einen über den Durst trinken oder selten mal Rangeleien gibt es natürlich auch. Wie in jeder anderen Disco. Und dann muss mitunter ein Türsteher her“, sagt Schmidt, die es besonders an der Discoreihe schätzt, dass Menschen mit Behinderungen hier einen Ort finden, „wo sie mitten im Geschehen“ sind statt nur irgendwo dabei zu sein. Ihren Dank für „ihre“ Disco quittieren die Besucher mit einer besonderen Leidenschaft: Nicht nur die Tanzfläche ist abends sofort voll, „Mitarbeiter werden einzeln mit Handschlag begrüßt – und wenn etwas nicht passt, wird dass sofort ehrlich angemerkt“, sagt Schmidt. Jüngstes Beispiel: Als auffiel, dass es 2018 keine Karaoke-Party geben würde, gab es große Beschwerden, erzählt Brunßen mit einem Lachen.

„Jeder soll sich wohlfühlen“

So wurde 1997 in der integrativen Disco „People are People“ in der Villa getanzt. Foto: dk-Archiv/Schilling

Das Team wird es verschmerzen können. Schließlich stehen in diesem Jahr drei große der ebenfalls sehr beliebten Motto-Partys an (siehe Infokasten). Wie sehr diese ziehen, war zuletzt beim Oktoberfest in der Villa zu beobachten: 300 Gäste kamen, fast doppelt so viele wie sonst, und feierten mit Weißbier, Weißwurst und Musik. Auf Details wie solche legt das Organisationsteam viel wert. Schmidt: „Schließlich soll sich hier ja auch jeder wohlfühlen.“


25 Jahre „People are Poeple“, das wird 2018 in der Villa mit mehreren Motto-Partys gefeiert.

Am 17. Februar steht der große Kostümball an. Der Theaterverein Proszenium hat dafür Perücken, Taschen, Brillen oder anderes Inventar zur Verfügung gestellt. Eine Fotografin hält per Bilderrahmen besondere Eindrücke fest.

Am 18. August soll die insgesamt 300. Disco richtig groß aufgezogen werden. Ausdrücklich alle Delmenhorster sind eingeladen. Eine Open-Air-Party wird im Innenhof über die Bühne gehen, zudem gibt es Cocktails.

Am 17. November steht die 90er-Party an. Alles was an Modesünden in dem Jahrzehnt vorlag – etwa Buffalos, Flanellhemden und Spaghetti-Kleider – darf hervorgekramt werden. Esspapier, Leckmuscheln runden das Programm ab.